Hindernisfreiheitshöhe (OCH)

Flight operations Instrument procedures Aviation Safety Aerodrome operations

Hindernisfreiheitshöhe (OCH) – Glossar Luftfahrtbetrieb

Definition und Grundkonzept

Die Hindernisfreiheitshöhe (OCH) ist ein grundlegender Sicherheitsparameter in der Luftfahrt. Sie definiert die niedrigste Höhe über der Landebahnschwelle oder dem Flugplatzniveau (wie durch das Instrumentenverfahren festgelegt), bei der ein vorgeschriebener Mindestabstand zwischen Flugzeug und Hindernis während eines Instrumentenanflugs gewährleistet ist. Die OCH bezieht sich bei Präzisionsanflügen auf die Schwellenhöhe, bei Sichtanflügen auf das Flugplatzniveau und bei Nichtpräzisionsanflügen auf spezifische Kriterien.

Die OCH ist kein theoretischer Wert: Sie ist das Ergebnis einer gründlichen Hindernisbewertung und wird immer als Teil der Anflugminima auf Luftfahrkarten veröffentlicht. Sie bildet die Grundlage für die sichere Durchführung von Anflugverfahren bei Instrumentenwetterbedingungen (IMC) und wirkt sich direkt auf das Risiko eines kontrollierten Flugs ins Gelände (CFIT) aus. Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) kodifiziert Methodik und Anwendung der OCH in den Procedures for Air Navigation Services – Aircraft Operations (PANS-OPS, Doc 8168). Wichtige Behörden wie EASA und FAA haben ihre nationalen Vorschriften mit denen der ICAO harmonisiert und so weltweite Konsistenz geschaffen.

Zweck und Anwendung der OCH

Der Hauptzweck der OCH ist es, einen vertikalen Sicherheitsabstand zwischen Flugzeug und Hindernissen in den kritischsten Flugphasen zu gewährleisten – insbesondere dann, wenn Piloten aufgrund eingeschränkter Sicht auf Instrumente angewiesen sind. Sie legt die minimale Höhe über Schwelle oder Flugplatzniveau fest, bis zu der abgesunken werden darf, sofern die für die Landung erforderlichen Sichtreferenzen nicht gegeben sind.

  • Instrumentenanflugverfahren: Die OCH ist das Fundament der Anflugminima, bestimmt das niedrigste zulässige Absinken und bildet die Grundlage für die Berechnungen von MDA/H und DA/H.
  • Betriebliche Entscheidungsfindung: Piloten beziehen sich in der Anflugbesprechung auf die OCH und prüfen diese aktiv beim Sinkflug, um Vorschriften einzuhalten.
  • Verfahrensgestaltung: Designer von Instrumentenverfahren benutzen die OCH als Rahmenbedingung für Wegpunkte, Schutzbereiche, Steigungsanforderungen und Missed Approach-Punkte.
  • Regulatorische Überwachung: Die OCH ist ein entscheidender Parameter für die Zulassung von Flugplätzen, die Genehmigung von Verfahren und für Audits.

Die universelle Anwendung der OCH unterstützt harmonisierte Sicherheitsstandards – essenziell für internationale Operationen und die Interoperabilität von Lufträumen.

Regulatorischer und betrieblicher Kontext

ICAO-Standards

Die ICAO legt im PANS-OPS (Doc 8168) die internationale Grundlage für Hindernisbewertung, Mindesthindernisabstände (MOC) und Höhenreferenzen für alle Anflugarten fest. Sie beschreibt Geometrien der Schutzbereiche, Kriterien für Vermessung und Hindernisbewertung sowie die Begründung für die Bezugnahme der OCH auf Schwelle oder Flugplatzniveau.

EASA-Leitlinien

Die EASA setzt ICAO-Standards in ganz Europa um und stellt akzeptable Nachweisverfahren (AMC) und Leitmaterial (GM) bereit, die die Anwendung der OCH erklären – einschließlich praktischer Beispiele und zusätzlicher Sicherheiten für komplexe Flugplätze.

FAA-Regelungen

Die FAA (Order 8260.3, TERPS und relevante Advisory Circulars) ist mit der ICAO abgestimmt, weist jedoch einige nationale Anpassungen auf – insbesondere bei Schutzbereichsgeometrien und in der Philosophie der Verfahrensgestaltung. Ausländische Verfahren für US-Operatoren müssen auf OCH-Konformität überprüft werden.

Grundsätze der OCH-Berechnung

Methodik

  1. Hinderniserfassung: Erfassung von Gelände und Bauwerken im definierten Anflugsegment.
  2. Mindesthindernisabstand (MOC): Anwendung des geforderten vertikalen Puffers in Abhängigkeit vom Segment, Flugzeugkategorie und Navigationsgenauigkeit.
  3. Bezugsniveau: Nutzung der Schwellenhöhe (Präzision), des Flugplatzniveaus (Sicht) oder wie spezifiziert (Nichtpräzision).
  4. Berechnung:
    OCH = Höchstes Hindernis über Bezugsniveau + MOC

Auswahl des Bezugsniveaus

  • Präzisionsanflüge: Immer bezogen auf die Landebahnschwelle.
  • Nichtpräzisionsanflüge: Schwellenhöhe, wenn diese mehr als 2 m (7 ft) unter dem Flugplatzniveau liegt; andernfalls Flugplatzniveau.
  • Sichtanflüge (Circling): Immer bezogen auf das Flugplatzniveau.

OCA vs. OCH

  • OCH: Höhe über lokalem Bezugsniveau (Schwelle/Flugplatz).
  • OCA: Höhe über dem mittleren Meeresspiegel (AMSL).
  • Beide können zur Klarstellung und internationalen Konsistenz gemeinsam veröffentlicht werden (OCA/H).

Operative Bedeutung

  • Für Piloten: Die OCH ist die nicht verhandelbare Untergrenze im Sinkflug bei IMC. Ein Absinken unter die OCH ohne erforderliche Sichtreferenz ist ein Verstoß und ein erhebliches Sicherheitsrisiko.
  • Für Verfahrensersteller: Die OCH setzt Grenzen und validiert Anflug- und Missed Approach-Designs, insbesondere in schwierigem Gelände.
  • Für Aufsichtsbehörden: Die OCH wird bei Zulassungen, Audits und Sicherheitsbewertungen geprüft.

Berechnungsbeispiele

Beispiel 1: Präzisionsanflug

  • Höchstes Hindernis: 120 ft über Schwelle
  • MOC: 50 ft
  • OCH = 120 + 50 = 170 ft über Landebahnschwelle

Beispiel 2: Nichtpräzisionsanflug

  • Flugplatzniveau: 250 ft AMSL
  • Schwellenhöhe: 240 ft AMSL (>7 ft niedriger)
  • Höchstes Hindernis: 70 ft über Schwelle
  • MOC: 40 ft
  • OCH = 70 + 40 = 110 ft über Schwelle

Beispiel 3: Sichtanflug (Circling)

  • Höchstes Hindernis: 200 ft über Flugplatzniveau
  • MOC: 50 ft
  • OCH = 200 + 50 = 250 ft über Flugplatzniveau

Anwendungsfälle im Flugbetrieb

  • Instrumentenanflüge: Die OCH definiert das niedrigste Absinken im Anflug; ein Durchstarten muss spätestens auf OCH erfolgen, wenn visuelle Anhaltspunkte fehlen.
  • Sichtanflüge (Circling): Die OCH gewährleistet sichere Hindernisfreiheit beim Sichtmanöver um den Flugplatz.
  • Verfahrensüberprüfung: OCH-Werte sind zentral bei der Beurteilung neuer oder geänderter Verfahren, insbesondere nach Hindernisänderungen.
  • Training: Piloten müssen Bedeutung, Bezugsniveaus und betriebliche Implikationen der OCH verstehen.
  • Notverfahren: Die Einhaltung der OCH bietet eine Sicherheitsmarge bei Systemausfällen oder plötzlicher Wetterverschlechterung.

Verwandte Begriffe

  • OCA: Obstacle Clearance Altitude (Bezug AMSL)
  • MDA/H: Minimale Sinkflughöhe, basierend auf OCH
  • DA/H: Entscheidungsflughöhe, basierend auf OCH und weiteren Faktoren
  • MOC: Mindesthindernisabstand
  • TERPS: US-Standard für Instrumentenverfahren
  • Flugplatzniveau: Bezug für Nichtpräzisions-/Sichtanflüge
  • Landebahnschwellenhöhe: Bezug für Präzisionsanflüge

Übersichtstabelle: OCH-Bezug und Anwendung

AnflugartOCH BezugsniveauRegulatorische QuelleAnwendungsbereich
PräzisionsanflugLandebahnschwelleICAO, EASAEndanflugsegment
NichtpräzisionsanflugFlugplatz oder Schwelle*ICAO, EASAEndanflugsegment
Sichtanflug (Circling)FlugplatzniveauICAO, EASACircling-Bereich

*Schwellenhöhe verwenden, wenn diese mehr als 2 m (7 ft) unter dem Flugplatzniveau liegt.

Regulatorische Referenzen

  • ICAO Doc 8168, Vol I & II: Weltweite Standards für Hindernisfreiheit.
  • EASA AMC/GM: Europäische Harmonisierung und praktische Anwendung.
  • FAA Order 8260.3 (TERPS): US-Designstandards.
  • FAA AC 120-105A: Leitfaden für ausländische Verfahren.
  • AviationSafetyX Wiki, Law Insider: Zugängliche Definitionen und Erklärungen.

Fazit

Die Hindernisfreiheitshöhe (OCH) ist ein zentrales, sicherheitskritisches Kriterium, das aus internationalen Standards abgeleitet und von nationalen Behörden durchgesetzt wird, um Hindernis- und Geländefreiheit bei Instrumentenanflügen zu gewährleisten. Ihre Berechnung, Veröffentlichung und konsequente Einhaltung sind Grundlage für einen sicheren Flugbetrieb weltweit und bieten eine verlässliche Sicherheitsmarge für alle Flugkategorien.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Hindernisfreiheitshöhe (OCH) in der Luftfahrt?

Die OCH ist die niedrigste Höhe über der Landebahnschwelle oder dem Flugplatzniveau, wie durch ein bestimmtes Instrumentenanflugverfahren festgelegt, die einen vorgeschriebenen Mindestabstand zwischen Flugzeug und Hindernissen gewährleistet. Sie ist ein regulatorischer Sicherheitswert, der berechnet und veröffentlicht wird, um kontrollierte Flugunfälle mit Gelände im Instrumentenanflug zu verhindern.

Wie wird die OCH berechnet?

Die OCH wird berechnet, indem das höchste Hindernis im festgelegten Bereich eines Anflugsegments identifiziert, der nach Verfahrensstandards (z. B. ICAO PANS-OPS) definierte Mindesthindernisabstand (MOC) addiert und die Summe auf die passende Höhe bezogen wird: Landebahnschwelle bei Präzisionsanflügen, Flugplatzniveau beim Sichtanflug oder wie bei Nichtpräzisionsanflügen angegeben.

Was ist der Unterschied zwischen OCH und OCA?

OCH (Hindernisfreiheitshöhe) wird über der Landebahnschwelle oder dem Flugplatzniveau gemessen, während OCA (Obstacle Clearance Altitude) als Höhe über dem mittleren Meeresspiegel angegeben wird. Beide gewährleisten Hindernisfreiheit, jedoch unterscheiden sich die Bezugspunkte je nach betrieblichen und regulatorischen Anforderungen.

Warum ist die OCH für Piloten und den Flugbetrieb wichtig?

Die OCH bietet eine entscheidende Sicherheitsmarge, indem sie das niedrigste zulässige Sinken während eines Instrumentenanflugs vorgibt. Piloten dürfen unterhalb der OCH nur absinken, wenn die erforderlichen Sichtbedingungen gegeben sind, wodurch Hindernis- und Geländefreiheit auch bei schlechter Sicht oder IMC sichergestellt wird.

Wie hängt die OCH mit MDA/H und DA/H zusammen?

Die OCH bildet die Grundlage für die Berechnung der minimalen Sinkflughöhe (MDA/H) bei Nichtpräzisionsanflügen und der Entscheidungsflughöhe (DA/H) bei Präzisionsanflügen. Diese betrieblichen Minima umfassen die OCH und weitere Sicherheitsfaktoren und geben Piloten vor, wann ein Durchstarten einzuleiten ist.

Sind OCH-Standards international harmonisiert?

Ja. Die ICAO legt weltweit Standards im PANS-OPS fest, die von Behörden wie EASA in Europa und der FAA in den USA harmonisiert werden. Es gibt zwar geringfügige nationale Anpassungen, die grundlegende Methodik und die Sicherheitsziele sind jedoch weltweit konsistent.

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