Systemintegration

Aviation technology System integration SWIM Enterprise IT

Systemintegration: Luftfahrt-Glossar und Deep-Dive

Systemintegration ist in Industrie und Luftfahrt grundlegend und bildet das Rückgrat für Sicherheit, Zuverlässigkeit und Effizienz, indem sie verschiedene technologische Subsysteme verbindet. Dieser Deep-Dive beleuchtet die wesentlichen Konzepte, Architekturen und Anwendungen der Systemintegration mit besonderem Fokus auf die Luftfahrt und verweist auf Standards wie ICAO Doc 10039, den Global Air Navigation Plan, SWIM und Best Practices für regulierte Umgebungen.

Was ist Systemintegration?

Systemintegration ist die Ingenieurspraxis, unterschiedliche Subsysteme – Hardware, Software, Datenspeicher, Kommunikationsnetzwerke, Sensoren und Benutzeroberflächen – zu einer einzigen, funktionalen Umgebung zu vereinen. Ziel ist es, dass jede Komponente, ob alt oder neu, als Teil eines koordinierten Ganzen mit standardisierten Datenflüssen, synchronisierter Zeitsteuerung und interoperablen Schnittstellen arbeitet.

In der Luftfahrt bedeutet dies, dass Avionik-, Navigations-, Überwachungs-, Luft-Boden-Kommunikations-, Flughafenmanagement- und Instandhaltungssysteme zuverlässig und sicher Informationen austauschen.

Wichtige Merkmale sind:

  • Interoperabilität: Sicherstellen, dass Systeme kommunizieren und ausgetauschte Informationen nutzen.
  • Standardisierung: Einsatz globaler Protokolle (z. B. ICAO Annex 10, ARINC).
  • Nahtloser Datenfluss: Echtzeitübertragung von Betriebsinformationen.
  • Koordinierter Betrieb: Automatisierung und Synchronisierung von Prozessen, Verringerung manueller Eingriffe und Risiken.

Integrierte Avionik-Architektur – Darstellung von Datenflüssen zwischen FMC-, Navigations-, Kommunikations- und Anzeigesystemen.

Abgrenzung zu verwandten Konzepten

Systemintegration ist umfassender als:

  • Datenintegration: Kombiniert Daten aus mehreren Quellen, z. B. Zusammenführung von Flugdaten mit Wartungsprotokollen für Analysen.
  • Softwareintegration: Verbindet verschiedene Anwendungen, z. B. Verknüpfung eines Wartungsmanagementsystems mit ERP.
  • IT-Integration: Bezieht sich auf die Integration kompletter Technologiestacks, muss aber in der Luftfahrt auch Sicherheits- und Regulierungsanforderungen erfüllen.

Systemintegration vereint Hardware, Software, Daten, Netzwerke und betriebliche Abläufe zu einer einzigen Betriebsfähigkeit und adressiert Zertifizierung, Sicherheit und Verfahrensharmonisierung. Die SWIM-Standards der ICAO verdeutlichen: Integration ermöglicht Interoperabilität zwischen Flugsicherungsdiensten, Fluggesellschaften, Flughäfen und Regulierungsbehörden durch standardisierte Nachrichtenübermittlung und Sicherheitsprotokolle.

Wie wird Systemintegration eingesetzt?

Systemintegration ist überall dort essenziell, wo mehrere, heterogene Subsysteme für missionskritische Ziele zusammenarbeiten müssen. In der Luftfahrt umfasst dies sowohl bord- als auch bodengebundene Anwendungen:

  • Onboard-Integration: Moderne Flugzeuge nutzen Integrated Modular Avionics (IMA), die Navigation, Kommunikation, Überwachung, Flugsteuerung und Triebwerksüberwachung in miteinander verbundenen Modulen für Echtzeit-Datenaustausch und Sicherheit vereinen.
  • ATM & Flughafenbetrieb: Das Flugverkehrsmanagement beruht auf Echtzeitintegration zwischen Radar-, Flugplanungs-, Wetter- und Kommunikationssystemen. Flughäfen integrieren Gepäckabfertigung, Sicherheit, Passagiermanagement und Ressourcenallokation.
  • Wartung & Technik: Aircraft Health Monitoring Systems (AHMS) verbinden Bordsensoren mit der Wartungs-IT der Fluggesellschaft für vorausschauende Wartung.
  • Regulatorische Konformität: Systeme werden für die automatisierte Meldung an Behörden (Flugstunden, Wartung, Emissionen) integriert, um die Einhaltung von ICAO, EASA und FAA sicherzustellen.
  • Cybersicherheit: Integrierte Sicherheitszentren bündeln Daten von Sensoren, Zugangskontrollen und Netzwerken für Echtzeitüberwachung und schnelle Reaktion.

Integration ermöglicht zudem die Automatisierung von Geschäftsprozessen, wie das automatische Aktualisieren von Crewplänen und Flugplänen bei Wetter- oder NOTAM-Änderungen, wodurch menschliche Fehler minimiert und Ressourcen optimiert werden.

Arten der Systemintegration

Legacy-Systemintegration

Die Integration von Altsystemen verbindet ältere oder proprietäre Systeme mit moderner IT. In der Luftfahrt können dies mainframe-basierte Reservierungssysteme, Radargeräte früherer Generationen oder papierbasierte Arbeitsabläufe sein. Strategien umfassen:

  • Protokoll-Bridging: Middleware übersetzt zwischen alten und neuen Datenformaten (z. B. ARINC 429 zu Ethernet).
  • Individuelle APIs: Bereitstellung alter Funktionalitäten für neue Plattformen.
  • Gateway-Geräte: Übersetzen von Befehlen und Daten zwischen alten und neuen Systemen.

Beispiel aus der Luftfahrt: Integration von Überwachungsradaren mit digitalen ATC-Systemen oder die Anbindung von Legacy-Crew-Software an Cloud-Planungssysteme.

Enterprise Application Integration (EAI)

EAI verbindet mehrere Unternehmensanwendungen – ERP, CRM, HRM und Luftfahrtbetriebssysteme – damit sie als integriertes Ganzes funktionieren. In der Luftfahrt verbindet EAI beispielsweise:

  • Flugplanung mit Wetter und Crewplanung.
  • Wartungsmanagement mit Beschaffung und Logistik.
  • Umsatzmanagement mit Reservierungs- und Loyalitätssystemen.

Techniken umfassen:

  • Message-Oriented Middleware (MOM): Zuverlässige asynchrone Nachrichtenübermittlung.
  • Serviceorientierte Architektur (SOA): Bereitstellung von Anwendungsfunktionen als wiederverwendbare Dienste.

EAI sorgt für synchronisierte Abläufe und reduziert Datenredundanz.

Datenintegration

Datenintegration kombiniert Daten aus verschiedenen Quellen für Analysen, Berichte und Intelligenz. Luftfahrtdatenquellen umfassen:

  • Flugdatenschreiber (FDRs): Tausende Parameter pro Flug.
  • Wartungssysteme: Reparaturen, Inspektionen, Teile-Lebenszyklen.
  • Passagiersysteme (PSS): Buchungen, Check-ins, Gepäck.
  • Wetter, NOTAMs, ANSP-Daten: Echtzeit-Betriebsfeeds.

Tools extrahieren, transformieren und laden (ETL) Daten in Data Warehouses, oft unter Verwendung von Standards wie ICAOs AIXM für Geodaten und Flugdaten.

Business-to-Business (B2B)-Integration

B2B-Integration automatisiert den elektronischen Austausch von Informationen und Abläufen zwischen Organisationen – Fluggesellschaften, Flughäfen, ANSPs, Abfertigern und Behörden. Beispiele:

  • Flugplanübermittlung: Fluggesellschaften senden Pläne und Updates an die ATC über standardisierte Formate (z. B. ICAO FPL).
  • Supply Chain-Koordination: Hersteller und MROs teilen Bestands- und Zertifikatsdokumente.
  • Interline-Betrieb: Fluggesellschaften tauschen Passagier- und Gepäckdaten für Codeshare-Flüge aus.

Technologien sind sichere Webservices (SOAP/REST), EDI und SWIM-Nachrichtenübermittlung.

Electronic Data Interchange (EDI)

EDI ist der strukturierte, computerbasierte Austausch von Geschäftsdokumenten, wie:

  • Beschaffung: Automatisierte Bestellungen für Teile und Dienstleistungen.
  • Abrechnung: Elektronische Rechnungen und Zahlungen.
  • Fracht/Logistik: Luftfrachtbriefe, Zollanmeldungen.

Standards wie EDIFACT und X12 sind weit verbreitet. EDI ermöglicht Geschwindigkeit, Genauigkeit und Nachvollziehbarkeit für Supply Chain und Finanzen.

Integration von Drittsystemen

Dies verbindet Kernsysteme mit externen Anwendungen und Diensten, um Funktionen zu erweitern oder Compliance zu erfüllen. Beispiele:

  • Zahlungsgateways: Für Online-Buchungen.
  • Wetter-/NOTAM-Dienste: Echtzeitdaten für die Disposition.
  • Analyseplattformen: Für Leistungsüberwachung.

APIs und Middleware sind typische Enabler, mit strikter Beachtung von Datenintegrität und Compliance.

Systemintegrations-Methoden & Architekturen

Punkt-zu-Punkt (Stern/Spaghetti)

Jedes System verbindet sich direkt mit anderen über individuelle Schnittstellen. Geeignet für kleine Umgebungen, aber komplex und schwer zu warten, wenn die Anzahl der Systeme wächst.

Nachteile: Geringe Skalierbarkeit, hoher Wartungsaufwand, Risiko von Schnittstellenproblemen.

Vertikale Integration

Organisiert Systeme in Silos, jedes optimiert für eine bestimmte Funktion (z. B. Reservierung, Fracht, Wartung). Einfach, führt aber zu Datenredundanz und Unflexibilität.

Horizontale Integration / Hub-and-Spoke

Verwendet einen zentralen Hub, der die Kommunikation zwischen Systemen vermittelt. Jedes System verbindet sich nur mit dem Hub.

Vorteile: Skalierbarkeit, zentrales Management, einfachere Updates.

Risiken: Hub als Single Point of Failure; muss ausfallsicher sein.

Enterprise Service Bus (ESB)

Eine Middleware-Plattform, die Nachrichtenübermittlung, Transformation und Orchestrierungsdienste bereitstellt. Hauptmerkmale:

  • Lose Kopplung: Standardisierte Nachrichten, minimale Abhängigkeiten.
  • Transformation: Wandelt Datenformate/Protokolle um.
  • Orchestrierung: Koordiniert Abläufe.

ESB-Architektur: Integration zwischen mehreren luftfahrtbetrieblichen Systemen.

Middleware

Software, die ansonsten inkompatible Systeme verbindet und Kommunikation, Datenmanagement und Sicherheit ermöglicht. Aufgaben sind u. a. Protokollübersetzung, Datentransformation und Transaktionsmanagement. Beispiele: IBM WebSphere, Oracle Fusion Middleware und SITA AirportConnect.

Gemeinsames Datenformat

Standardisierte Strukturen erlauben die Interoperabilität ohne individuelle Mappings. Wichtige Luftfahrtdatenmodelle:

StandardZweckHauptnutzer
AIXMAeronautische Daten (NOTAMs, Luftraum)ANSPs, Flughäfen, Airlines
FIXMFlug- & TrajektorieninformationenATC, Airlines, Regulierer
WXXMWetterdatenATC, Piloten, Meteorologen

Die Nutzung dieser Modelle reduziert Integrationsaufwand und regulatorisches Risiko.

API-/Webhook-basierte Integration

APIs stellen Systemfunktionen/-daten für sicheren, programmatischen Zugriff bereit, während Webhooks ereignisgesteuerte Benachrichtigungen liefern. Einsatzgebiete:

  • Flugstatus-Updates
  • Automatisierte NOTAM-Übernahme
  • Passagier-/Gepäckservices

APIs müssen gesichert und versioniert sein. ICAO SWIM fördert offene APIs für den globalen Informationsaustausch.

Integration Platform as a Service (iPaaS) & Hybridintegration

iPaaS bietet cloudbasierte Werkzeuge zur Verbindung von Systemen, zum Management von Datenflüssen und zur Orchestrierung von Prozessen über Cloud- und On-Premises-Umgebungen hinweg und ermöglicht schnelle Implementierung und Skalierung.

Best Practices für die Luftfahrt-Systemintegration

  • Internationale Standards beachten: ICAO, EASA/FAA, ARINC, AIXM/FIXM/WXXM und SWIM-Richtlinien nutzen.
  • Strenge Tests & Zertifizierung: Sicherheit und Zuverlässigkeit durch formale Tests und Zertifizierungsprozesse sicherstellen.
  • Modulare, skalierbare Architekturen: ESB-, SOA- und API-getriebene Modelle für Flexibilität bevorzugen.
  • Security by Design: Robuste Authentifizierung, Verschlüsselung und Monitoring implementieren.
  • Umfassende Dokumentation: Schnittstellen-Spezifikationen und Datenwörterbücher stets aktuell halten.
  • Fallback- & Notfallplanung: Für Systemausfälle mit Redundanz und manuellen Überbrückungsmöglichkeiten vorsorgen.

Die Zukunft der Systemintegration in der Luftfahrt

Zukünftige Trends sind cloud-native Integration (iPaaS), KI-gesteuerte Automatisierung, Echtzeitanalyse und die globale Einführung von SWIM. Nahtloser, standardisierter Datenaustausch wird für das nächste Level des Flugverkehrsmanagements, unbemannte Luftfahrtsysteme und smarte Flughäfen entscheidend sein.

Systemintegration ist das Rückgrat der modernen Luftfahrt und ermöglicht sichere, effiziente und konforme Abläufe in einer immer komplexeren und vernetzteren Welt. Durch die Nutzung von Best Practices, internationalen Standards und skalierbaren Architekturen können Luftfahrtorganisationen sicherstellen, dass sie für die Herausforderungen von morgen gerüstet sind.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Systemintegration in der Luftfahrt?

Systemintegration in der Luftfahrt umfasst die Verbindung von Avionik-, Navigations-, Kommunikations-, Flughafenmanagement- und regulatorischen IT-Systemen, sodass sie Daten und Prozesse in Echtzeit teilen können. Dies gewährleistet Sicherheit, Effizienz und regulatorische Konformität gemäß internationalen Standards wie ICAO Doc 10039 und SWIM-Richtlinien.

Wie unterscheidet sich Systemintegration von Daten- oder Softwareintegration?

Während sich Datenintegration auf die Vereinheitlichung von Daten und Softwareintegration auf die Verbindung von Anwendungen konzentriert, umfasst Systemintegration alle Elemente – Hardware, Software, Netzwerke und operative Prozesse – zu einem einzigen, interoperablen System. In der Luftfahrt schließt dies Konformität, Sicherheit und abteilungsübergreifende Arbeitsabläufe ein.

Was sind gängige Systemintegrationsarchitekturen?

Gängige Architekturen umfassen Punkt-zu-Punkt-, vertikale (Silo-), Hub-and-Spoke- (horizontale), Middleware/ESB- und API/Webhook-basierte Integration. Die moderne Luftfahrt bevorzugt Hub-and-Spoke oder ESB für Skalierbarkeit, Wartbarkeit und regulatorische Kontrolle.

Warum ist die Integration von Altsystemen in der Luftfahrt wichtig?

Die Integration von Altsystemen verbindet ältere, geschäftskritische Systeme – wie Radar, Navigation oder Mainframe-basiertes Management – mit moderner IT-Infrastruktur. Dies sichert die betriebliche Kontinuität und regulatorische Konformität und ermöglicht gleichzeitig digitale Transformation.

Welche Standards und Modelle werden in der Luftfahrt-Systemintegration verwendet?

In der Luftfahrt werden Standards wie ICAOs SWIM, AIXM, FIXM, WXXM, ARINC und EDIFACT für den Informationsaustausch eingesetzt. Modelle wie Enterprise Service Bus (ESB) und Serviceorientierte Architektur (SOA) sorgen für eine sichere, standardisierte und interoperable Integration.

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