Anflugweg

Aviation Navigation Instrument Approach Flight Operations

Anflugweg – Dreidimensionaler Flugpfad im Anflug zur Landung (Luftfahrtbetrieb)

Definition

Ein Anflugweg in der Luftfahrt ist die dreidimensionale (3D) Flugtrajektorie, der ein Flugzeug während der Anflugphase zur Landung folgt. Dieser Weg ist sowohl seitlich (von Seite zu Seite bzw. horizontal) als auch vertikal (Höhe) präzise definiert. Dadurch bleibt das Flugzeug mit der geplanten Mittellinie der Landebahn ausgerichtet und sinkt entlang eines vorgegebenen Gleitpfads oder vertikalen Profils. Der 3D-Anflugweg ist für Instrumentenflugbetrieb unerlässlich, insbesondere unter Bedingungen, bei denen Piloten nicht auf Sichtflugregeln vertrauen können und sich auf Avionik sowie boden- oder satellitengestützte Navigationshilfen verlassen müssen, um einen sicheren, stabilen Anflug und eine sichere Landung zu gewährleisten (ICAO PANS-OPS Doc 8168 ).

Hauptmerkmale:

  • Laterale Führung: Hält das Flugzeug auf Kurs zur Landebahn oder dem veröffentlichten Anflugkurs – mit Hilfen wie ILS-Lokalizer, VOR, GNSS oder MLS-Azimuthsignalen.
  • Vertikale Führung: Gewährleistet den Sinkflug entlang eines definierten Gleitpfads (typischerweise 3°) – mittels ILS-Gleitweg, barometrischem VNAV, MLS-Höhendaten oder GNSS-basierten Profilen.
  • Betriebskontext: Wird für Instrumenten- und Sichtanflüge genutzt, ist aber für Instrumentenanflüge bei schlechter Sicht oder in komplexen Umgebungen grundlegend.

2D- vs. 3D-Anflugweg: Vergleichstabelle

Merkmal2D-Anflugweg3D-Anflugweg
Laterale FührungJaJa
Vertikale FührungNein (Pilot gesteuert)Ja (elektronisch oder berechnet)
Typische NavigationVOR, NDB, LOCILS, GBAS, GNSS (LPV, LNAV/VNAV), MLS
BeispieleVOR-AnflugILS, LPV, RNP AR Approach

Historische Entwicklung der Anflugwegführung

Frühe Navigation (NDB, VOR)

  • NDB (Funkfeuer): Erste funkbasierte laterale Führung, aber ohne vertikale Information; Piloten nutzten Karten und visuelle Anhaltspunkte.
  • VOR (UKW-Drehfunkfeuer): Verbesserte laterale Genauigkeit, Sinkflug weiterhin pilotengesteuert (Centennial of Flight ).

Präzisionsanflüge (ILS)

  • ILS (Instrumentenlandesystem): Einführung vollständiger lateraler (Lokalizer) und vertikaler (Gleitweg) Führung, ermöglichte Präzisionsanflüge bei schlechter Sicht (Wikipedia - ILS ). Ermöglichte erstmals Autoland-Fähigkeiten.

Fortgeschrittene Systeme (MLS, GNSS, PBN)

  • MLS (Mikrowellenlandesystem): Digitale laterale und vertikale Führung mit flexiblen Anflugwegen, jedoch begrenzte Verbreitung.
  • GNSS und Augmentation: Satellitennavigation und Ergänzungssysteme (WAAS, GBAS, SBAS) ermöglichen flexible, hochpräzise 3D-Anflüge an mehr Flughäfen, auch ohne klassische Bodenanlagen.
  • PBN/RNP: Das ICAO Performance-Based Navigation Framework unterstützt anpassbare, präzise 3D-Anflugwege – auch in schwierigem Gelände oder Luftraum (ICAO PBN ).
EpocheSchlüsseltechnologieLaterale FührungVertikale FührungAnmerkungen
1920er-1940erNDB, SichtflugJaNeinFrühe Navigation, hohe Arbeitslast
1940er-1970erVOR, DMEJaNeinVerbesserte Genauigkeit
1930er-heuteILSJaJaPräzision, weltweiter Standard
1970er-2000erMLSJaJaDigital, flexibel, begrenzte Nutzung
1990er-heuteGNSS, PBN, RNPJaJa (APV, LPV)Satellitengestützt, anpassbar

2D- vs. 3D-Anflüge: Regulatorische und technische Klassifikation

ICAO- und FAA-Definitionen

ICAO:

  • 2D-Anflug: Nur laterale Führung (VOR, NDB, LOC). Sinkflug durch Piloten anhand von Schritt-für-Schritt-Fixes gesteuert.
  • 3D-Anflug: Laterale und vertikale Führung (ILS, MLS, GNSS-basiert mit VNAV). Flugzeug sinkt auf definiertem geometrischen Pfad (ICAO Doc 8168 ).

FAA:

  • Präzisionsanflug (PA): Volle laterale und vertikale Führung (ILS, GBAS, MLS).
  • Nicht-Präzisionsanflug (NPA): Nur laterale Führung (VOR, NDB, LOC).
  • Anflug mit vertikaler Führung (APV): Satelliten- oder barometrische vertikale Führung, nicht alle PA-Standards erfüllt (z.B. LPV, LNAV/VNAV).
Klassifikation2D-Anflug3D-Anflug (Typ A)3D-Anflug (Typ B)
ICAOVOR, NDB, LOCLPV, LNAV/VNAVILS, MLS, GBAS CAT I-III
FAANPAAPVPA
Vertikale FührungNeinJa (nicht voll PA)Ja (voll PA)
MinimaMDH ≥ 75mDH ≥ 75mDH < 75m

Anatomie eines 3D-Anflugwegs

Anflugsegmente

  1. Arrival Segment (Anflugsegment): Übergang vom Streckenflug in den Anflugbereich, oft über STAR.
  2. Initial Approach Segment: Richtet das Flugzeug für den Anflug aus, ermöglicht Konfiguration für den Sinkflug.
  3. Intermediate Segment: Führt das Flugzeug auf den Endanflugkurs und in die Landekonfiguration.
  4. Final Approach Segment: Vom FAF bis zur Landebahn oder zum Fehlanflugpunkt; 3D-Führung garantiert stabilisierten Sinkflug.
  5. Missed Approach Segment: Sicherer Ausweichweg, falls keine Landung möglich ist.

Führungssysteme

SystemLaterale FührungVertikale FührungBeispielanflüge
ILSLokalizerGleitwegILS CAT I/II/III
MLSAzimuthElevationMLS-Anflug
GBASGNSS + VDBGNSS + VDBGBAS CAT I-III
GNSS (APV)RNAV (GNSS)VNAV (Baro/SBAS)LPV, LNAV/VNAV
VOR/NDBVOR/NDBKeineNicht-Präzision

Entscheidungshöhen und Minima

  • Entscheidungshöhe/-höhe (DA/DH): Mindesthöhe, bei der der Pilot visuelle Referenzen für die Landung benötigt oder einen Fehlanflug einleiten muss. DA bezieht sich auf MSL, DH auf die Schwelle.
  • Mindestflughöhe/-höhe (MDA/MDH): Für 2D-Anflüge die niedrigste Höhe ohne visuelle Anhaltspunkte; der Pilot hält die Höhe bis Sichtkontakt oder Fehlanflug (Boldmethod ).

Technische Prinzipien der 3D-Trajektorienplanung und -steuerung

Moderne Flugmanagementsysteme und Autopiloten nutzen fortschrittliche Algorithmen, um den 3D-Anflugweg zu berechnen, zu überwachen und zu steuern. So werden reibungslose Übergänge zwischen Segmenten und Navigationsquellen sichergestellt. Wichtige technische Aspekte:

  • Pfadneuberechnungs-Algorithmen: Aktualisieren kontinuierlich die prognostizierte Trajektorie des Flugzeugs anhand aktiver Navigationshilfen, Wind und Leistungsdaten.
  • Autopilot-Übergänge und Glättung: Steuern Wechsel zwischen Navigationsquellen (z.B. Wechsel von RNAV zu ILS) und Anflugsegmenten, um einen stabilen Flug zu erhalten.
  • Energiemanagement und Fehlerkorrektur: Setzen Speedbrakes, Schub und Pitch gezielt ein, um das Sinkprofil einzuhalten und Fehler durch Wind, Temperatur oder Navigationsungenauigkeiten auszugleichen.

Praxisanwendungen und Einsatzbeispiele

Präzisionsanflüge

  • ILS, GBAS, MLS: Ermöglichen Landungen bei schlechter Sicht (bis zu null/niedriger RVR in CAT III), reduzieren die Arbeitsbelastung und erhöhen die Sicherheit.
  • Performance-Based Navigation (PBN): Erlaubt flexible, effiziente Anflugrouten auch in komplexem oder schwierigem Gelände (ICAO PBN ).

Satellitengestützte Anflüge

  • RNP-, GNSS-Anflüge: Ermöglichen 3D-Anflüge an Flughäfen ohne klassische Bodenanlagen und verbessern so die globale Erreichbarkeit, insbesondere für kleinere Flugplätze.

Not- und Spezialfälle

  • Triebwerksausfall-Anflüge: Erfordern präzise Pfadplanung, um Hindernisfreiheit und sichere Landung zu gewährleisten.
  • Lärmschutz/Umwelt: Gebogene und segmentierte 3D-Anflugwege reduzieren Lärm über bewohnten Gebieten.

Vergleichstabelle: Anflugtypen & Führungsdimensionen

AnflugtypLaterale FührungVertikale FührungNavigationshilfe(n)Beispiel
Nicht-Präzision (2D)JaNeinVOR, NDB, LOCVOR/DME
APV (3D, nicht voll PA)JaJa (nicht PA)GNSS (LPV, LNAV/VNAV)LPV
Präzision (PA, 3D)JaJa (voll PA)ILS, GBAS, MLSILS CAT II

Glossar verwandter Begriffe

  • ILS (Instrumentenlandesystem): Bodenbasiertes System zur präzisen lateralen und vertikalen Führung bei der Landung.
  • Lokalizer (LOC): ILS-Komponente zur lateralen Ausrichtung auf die Landebahn.
  • Gleitweg (GS): ILS-Komponente zur vertikalen Führung im Sinkflug.
  • VNAV (Vertical Navigation): Avionikfunktion zur Steuerung des vertikalen Flugprofils.
  • PBN (Performance-Based Navigation): ICAO-Konzept für flexible, präzise Navigation auf GNSS-Basis.
  • RNP (Required Navigation Performance): PBN-Spezifikation für Genauigkeit und Integrität von Anflugwegen.
  • LPV (Localizer Performance with Vertical Guidance): GNSS-basierter Anflug mit präzisionsähnlichen Minima.
  • DA/DH (Entscheidungshöhe/-höhe): Veröffentlichte Mindesthöhe für die Anflugentscheidung.
  • MDA/MDH (Mindestflughöhe/-höhe): Niedrigste zulässige Höhe bei Nicht-Präzisionsanflügen.

Quellen und weiterführende Literatur

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Unterschied zwischen einem 2D- und einem 3D-Anflugweg in der Luftfahrt?

Ein 2D-Anflugweg bietet nur laterale Führung, das heißt, das Flugzeug wird horizontal mit der Landebahn oder dem Anflugkurs ausgerichtet, aber das vertikale Sinkprofil wird vom Piloten gesteuert. Ein 3D-Anflugweg bietet sowohl laterale als auch vertikale Führung und ermöglicht dem Flugzeug, einem präzisen Gleitpfad zur Landebahn zu folgen – typischerweise unter Verwendung von Systemen wie ILS, GBAS oder GNSS-basierter vertikaler Navigation.

Welche Navigationshilfen werden zur Definition von 3D-Anflugwegen verwendet?

3D-Anflugwege nutzen Navigationshilfen, die sowohl laterale als auch vertikale Führung bieten. Häufige Beispiele sind das Instrumentenlandesystem (ILS), das bodengestützte Ergänzungssystem (GBAS), das Mikrowellenlandesystem (MLS) sowie satellitengestützte Navigation mit Anflügen wie LPV oder LNAV/VNAV, die GNSS und Ergänzungssysteme wie WAAS oder SBAS verwenden.

Wie werden die Minima für Anflugwege bestimmt?

Minima für einen Anflugweg sind veröffentlichte Grenzwerte (wie Entscheidungsflughöhe/-höhe oder Mindestflughöhe/-höhe für den Sinkflug), bei denen der Pilot entscheiden muss, ob er den Anflug fortsetzt oder einen Fehlanflug einleitet. Diese basieren auf Anforderungen an die Hindernisfreiheit, Anflugtyp und den Fähigkeiten der Navigationshilfen, wie sie durch internationale Standards von ICAO und FAA definiert sind.

Warum sind 3D-Anflugwege für die Flugsicherheit wichtig?

3D-Anflugwege reduzieren die Arbeitsbelastung des Piloten, minimieren das Risiko eines kontrollierten Fluges ins Gelände (CFIT) und ermöglichen stabilisierte Sinkflüge, insbesondere bei schlechter Sicht. Sie sind entscheidend bei instrumentenmeteorologischen Bedingungen (IMC) und an Flughäfen mit schwierigem Gelände oder begrenzten visuellen Anhaltspunkten.

Was sind die typischen Segmente eines Standard-Instrumentenanflugverfahrens?

Ein Standard-Instrumentenanflugverfahren besteht aus dem Anflugsegment, dem Initial Approach Segment, dem Intermediate Approach Segment, dem Final Approach Segment und dem Missed Approach Segment. Jedes dient einem bestimmten Zweck – von der Überleitung des Flugzeugs aus dem Streckenluftraum bis zur Ausrichtung mit der Landebahn und der Bereitstellung eines sicheren Ausweichwegs, falls eine Landung nicht durchgeführt werden kann.

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