Wolkenuntergrenze

Aviation Meteorology Weather Observation

Wolkenuntergrenze – Vertikaler Abstand zur Wolkenbasis in der Meteorologie

Die Wolkenuntergrenze ist ein zentrales Konzept in der Meteorologie und Luftfahrt und beeinflusst maßgeblich die Flugsicherheit, den Flughafenbetrieb und die Wettervorhersage. Sie bezeichnet den vertikalen Abstand von einem Referenzboden bis zur Basis der niedrigsten Wolkenschicht, die als gebrochen (BKN) oder bedeckt (OVC) klassifiziert ist. Ist der Himmel vollständig durch bodennahe Phänomene (wie Nebel oder starken Niederschlag) verdeckt, wird die Untergrenze durch die vertikale Sichtweite (VV) definiert – also die Strecke, die man senkrecht nach oben in das verdeckende Phänomen sehen kann.

1. Was ist die Wolkenuntergrenze?

Die Wolkenuntergrenze wird in Hunderten von Fuß über Grund (AGL) gemessen, um Piloten und Fluglotsen am jeweiligen Ort genaue Informationen zu liefern. Ihre Bestimmung unterliegt internationalen Standards der International Civil Aviation Organization (ICAO) und der World Meteorological Organization (WMO), die eine Messung oder Schätzung der Untergrenze direkt über dem Referenzpunkt des Flugplatzes vorschreiben.

Die Wolkenuntergrenze ist ein essenzieller Marker zur Einteilung der Flugbedingungen:

  • Sichtflugregeln (VFR): Wolkenuntergrenze und Sicht reichen für Navigation ohne Instrumente aus.
  • Grenzwertiger Sichtflug (MVFR): Bedingungen verschlechtern sich, erfordern aber noch keinen vollständigen Instrumentenflug.
  • Instrumentenflugregeln (IFR): Piloten müssen wegen niedriger Untergrenze oder Sicht auf Instrumente vertrauen.
  • Niedriger IFR (LIFR): Bedingungen liegen deutlich unter den Standardminima und schränken die meisten Operationen stark ein oder machen sie unmöglich.

Die Meldung der Wolkenuntergrenze ist nicht nur für Piloten, sondern auch für Meteorologen, Fluglotsen und Dispatcher unerlässlich. Sie beeinflusst Entscheidungen zur Auswahl der Start- und Landebahnen, Verkehrsabfolge, Flughafenschließungen und Flugplanung inklusive Alternativflughäfen und Einhaltung rechtlicher Mindestwerte für Start und Landung.

2. Zentrale Begriffe: Wolkenbasis, Himmelsbedeckung und Himmelsgewölbe

Um die Wolkenuntergrenze zu verstehen, sind einige meteorologische Kernbegriffe wichtig:

  • Wolkenbasis: Die niedrigste Höhe über Grund, an der sich eine sichtbare Wolke bildet. Für die Untergrenze zählt nur die Basis von gebrochenen (BKN) oder bedeckten (OVC) Schichten.
  • Himmelsbedeckung: Der Anteil des Himmels, der von Wolken bedeckt ist, gemessen in Achteln (Okta). Nur Schichten, die als gebrochen (5/8–7/8 Bedeckung) oder bedeckt (8/8) klassifiziert sind, gelten als Untergrenze.
  • Himmelsgewölbe: Der gesamte, über dem Beobachter sichtbare Himmel, dient als Referenz für die Schätzung der Himmelsbedeckung.

Codes für die Himmelsbedeckung (in METAR/TAF-Berichten):

  • FEW: Wenige Wolken (1/8–2/8) – keine Untergrenze
  • SCT: Aufgelockert (3/8–4/8) – keine Untergrenze
  • BKN: Gebrochene Wolken (5/8–7/8) – Untergrenze
  • OVC: Bedeckter Himmel (8/8) – Untergrenze
  • VVxxx: Vertikale Sichtweite (8/8 verdeckt) – unbestimmte Untergrenze

3. Wie wird die Wolkenuntergrenze gemessen?

3.1 Menschliche Beobachter

Traditionell schätzen geschulte Wetterbeobachter die Wolkenuntergrenze visuell, nutzen bekannte Objekte (Türme, Hügel) als Referenz und beurteilen die Himmelsbedeckung über das gesamte Himmelsgewölbe. Ergänzend können sie Pilotenberichte (PIREPs) einbeziehen. Dieses Verfahren ist fehleranfällig, unterliegt dem „Packungseffekt“ (Überschätzung am Horizont) und ist bei schlechten Lichtverhältnissen oder schnellen Wetterwechseln schwierig. Zur Minimierung der Subjektivität folgen Beobachter strengen Richtlinien und regelmäßigen Schulungen.

3.2 Ceilometer und Wolkenhöhenmesser

Ceilometer sind automatisierte Geräte, die senkrechte Licht- oder Laserstrahlen aussenden. Trifft der Strahl auf eine Wolkenbasis, wird ein Teil des Lichts reflektiert und erkannt – daraus lässt sich die Höhe der Wolkenbasis berechnen. Diese Instrumente arbeiten kontinuierlich, liefern objektive, hochfrequente Daten und sind an modernen Flughäfen Standard.

Standard-Ceilometer erfassen Wolkenbasen bis etwa 12.000 Fuß über Grund, fortschrittliche Modelle noch höher. Sie sind sehr zuverlässig, können aber bei starkem Niederschlag, mehreren Wolkenschichten oder bei dünnen Wolken an ihre Grenzen stoßen.

3.3 LIDAR und automatische Wettersysteme

ASOS (Automated Surface Observing System) und AWOS (Automated Weather Observing System) nutzen LIDAR-basierte Ceilometer zur Messung der Wolkenuntergrenze weltweit an Flughäfen. Diese Systeme scannen den Himmel regelmäßig und glätten kurzfristige Schwankungen mittels statistischer Algorithmen und melden automatisch bis zu drei Wolkenschichten.

Automatisierte Systeme erhöhen Objektivität und Konsistenz, stoßen aber in komplexen Situationen (z. B. dünne oder dicht gestapelte Wolken) an ihre Grenzen. An verkehrsreichen Flughäfen ergänzen manuelle Beobachter die Automatisierung zur Sicherstellung der Genauigkeit.

3.4 Historische Methoden

Vor der Automatisierung nutzten Meteorologen:

  • Pilotballone (Pibals): Ballone mit bekanntem Steigwert wurden gestoppt, sobald sie in der Wolkenbasis verschwanden, die Zeit wurde gemessen.
  • Wolkenprojektoren/Lichter: Vertikale Scheinwerfer, deren Lichtstrahl von Beobachtern mit Alhidaden verfolgt wurde; der Winkel des Verschwindens im Wolkenuntergrenze wurde trigonometrisch in Höhe umgerechnet.

Diese Methoden wurden durch automatisierte Sensoren weitgehend abgelöst.

4. Meldung von Wolkenuntergrenze und vertikaler Sichtweite

4.1 METAR/TAF-Codes und Beispiele

Die Wolkenuntergrenze wird in METAR/TAF mit folgenden Codes gemeldet:

  • FEW030: Wenige Wolken bei 3.000 Fuß über Grund (keine Untergrenze)
  • BKN055: Gebrochene Wolken bei 5.500 Fuß über Grund (Untergrenze)
  • OVC070: Bedeckt bei 7.000 Fuß über Grund (Untergrenze)
  • VV002: Vertikale Sichtweite 200 Fuß über Grund (unbestimmte Untergrenze)

Beispiel:

METAR KDEN 141753Z 10012KT 10SM BKN055 23/M01 A3012
“BKN055” = Untergrenze bei 5.500 Fuß über Grund

METAR KBFD 141753Z 00000KT 1/4SM FG VV002 12/12 A2992
“VV002” = vertikale Sichtweite (Untergrenze) bei 200 Fuß über Grund, verursacht durch Nebel

4.2 Klassifizierung der Himmelsbedeckung

CodeBedeutungBedeckung (Achtel)Untergrenze?
FEWWenige1/8 – 2/8Nein
SCTAufgelockert3/8 – 4/8Nein
BKNGebrochen5/8 – 7/8Ja
OVCBedeckt8/8Ja
VVXXXVertikale Sichtweite8/8 (verdeckt)Ja

5. Wolkenuntergrenze und vertikale Sichtweite: Definition und Unterschiede

5.1 Bestimmte vs. unbestimmte Wolkenuntergrenze

  • Bestimmte Untergrenze: Wolkenbasis ist sichtbar und messbar (BKN oder OVC).
  • Unbestimmte Untergrenze: Himmel ist vollständig verdeckt (durch Nebel, starken Niederschlag, Rauch, Staub usw.); die Untergrenze wird durch die vertikale Sichtweite (VV) definiert.

Beide gelten für flugrechtliche Vorschriften und Flugplanung als Untergrenze.

5.2 Vertikale Sichtweite (VV)

Vertikale Sichtweite ist der maximale Abstand nach oben in eine bodennahe Verdeckung (wie Nebel oder starken Niederschlag), den ein Beobachter oder Sensor erkennen kann. Sie wird als „VV“ gefolgt von drei Ziffern berichtet (z. B. VV002 = 200 Fuß über Grund). VV ist besonders entscheidend bei schlechten Sichtverhältnissen, Instrumentenanflügen und Flughafenschließungen.

6. Operative Bedeutung und Anwendung für Piloten

6.1 Flugplanung und Einhaltung von Vorschriften

Die Wolkenuntergrenze bestimmt direkt Flugregeln und operative Schwellenwerte:

  • VFR (Sichtflugregeln): Untergrenze ≥ 3.000 ft über Grund, Sicht ≥ 5 SM
  • MVFR (Grenzwertiger Sichtflug): Untergrenze 1.000–2.999 ft über Grund, Sicht 3–5 SM
  • IFR (Instrumentenflugregeln): Untergrenze 500–999 ft über Grund, Sicht 1–2 SM
  • LIFR (Niedriger IFR): Untergrenze < 500 ft über Grund, Sicht < 1 SM

Diese Kategorien beeinflussen Pilotentscheidungen zu Start, Landung oder Ausweichmanövern und legen die Anforderungen an Alternativflughäfen und Anflugminima fest. Gesetzliche Rahmenbedingungen (FAA, ICAO) regeln die erforderlichen Maßnahmen bei jedem Untergrenzenschwellenwert.

Die Wolkenuntergrenze beeinflusst zudem:

  • An- und Abflugverfahren
  • Auswahl und Reihenfolge der Start- und Landebahnen
  • Luftraumkapazität und Verkehrsfluss
  • Entscheidungen zu Öffnung/Schließung von Flughäfen

Eine genaue und zeitnahe Meldung ist entscheidend für einen sicheren und effizienten Flugbetrieb.

7. Zusammenfassung

Die Wolkenuntergrenze – definiert als der vertikale Abstand vom Boden bis zur Basis der niedrigsten gebrochenen oder bedeckten Wolkenschicht oder zur vertikalen Sichtweite bei verdecktem Himmel – ist ein unverzichtbarer Parameter in der Luftfahrt und Meteorologie. Ihre exakte Bestimmung ist Grundlage für Flugsicherheit, gesetzliche Einhaltung und operative Effizienz an Flughäfen weltweit. Fortschritte in der automatischen Messung (Ceilometer, LIDAR) haben Objektivität und Konsistenz verbessert, doch bleibt menschliche Beobachtung bei komplexen Wettersituationen unverzichtbar.

Das Verstehen und korrekte Interpretieren der Wolkenuntergrenze sorgt für sichere Flüge und verlässliche Abläufe für alle Beteiligten im Luftfahrtsektor.

Siehe auch: METAR , Ceilometer , ICAO Annex 3 , FAA Aeronautical Information Manual

Häufig gestellte Fragen

Wie wird die Wolkenuntergrenze in Meteorologie und Luftfahrt definiert?

Die Wolkenuntergrenze ist definiert als der vertikale Abstand vom Boden bis zur Basis der niedrigsten Wolkenschicht, die mehr als die Hälfte des Himmels bedeckt (gebrochen oder bedeckt), oder bis zur vertikalen Sichtweite, wenn der Himmel vollständig durch bodennahe Phänomene wie Nebel, Rauch oder Niederschlag verdeckt ist. Sie wird immer über Grund (AGL) gemessen und ist ein entscheidender Faktor für sichere Flugoperationen.

Wie wird die Wolkenuntergrenze gemessen?

Die Wolkenuntergrenze kann manuell von geschulten Wetterbeobachtern durch visuelle Schätzung und Referenzobjekte, oder automatisch mit Geräten wie Wolkenhöhenmessern (Ceilometern), die mit Laser- oder Lichtstrahlen die Höhe der Wolkenbasis erkennen, gemessen werden. Automatisierte Systeme wie ASOS und AWOS nutzen LIDAR-basierte Ceilometer für kontinuierliche Messungen, doch manuelle Beobachtungen bleiben in komplexen oder sich schnell ändernden Bedingungen wichtig.

Was ist der Unterschied zwischen bestimmter und unbestimmter Wolkenuntergrenze?

Eine bestimmte Wolkenuntergrenze liegt vor, wenn die Basis einer Wolkenschicht sichtbar und messbar ist (gebrochen oder bedeckt). Eine unbestimmte Wolkenuntergrenze wird als vertikale Sichtweite (VV) gemeldet, wenn der Himmel vollständig durch bodennahe Phänomene verdeckt ist und keine Wolkenbasis erkennbar ist. VV wird als maximaler vertikaler Abstand in die Verdeckung angegeben, der beobachtet oder gemessen werden kann.

Wie wird die Wolkenuntergrenze in METAR- oder TAF-Wetterberichten gemeldet?

Die Wolkenuntergrenze wird in METAR/TAF-Berichten mit Codes wie BKN (gebrochen), OVC (bedeckt) und VV (vertikale Sichtweite) gemeldet, gefolgt von einer dreistelligen Zahl, die die Höhe in Hunderten von Fuß über Grund angibt. Zum Beispiel bedeutet 'BKN055' eine gebrochene Wolkenschicht in 5.500 Fuß über Grund, während 'VV002' eine vertikale Sichtweite von 200 Fuß über Grund aufgrund von Verdeckung anzeigt.

Warum ist die Wolkenuntergrenze für die Flugsicherheit entscheidend?

Die Wolkenuntergrenze bestimmt die Bedingungen für Sichtflugregeln (VFR), Instrumentenflugregeln (IFR) und weitere betriebliche Schwellenwerte. Niedrige Untergrenzen können erfordern, dass Piloten von VFR auf IFR wechseln, beeinflussen Anflug- und Landeminima und wirken sich auf Entscheidungen wie die Auswahl von Ausweichflughäfen oder Flughafenschließungen aus. Eine zeitnahe und genaue Meldung gewährleistet sichere und effiziente Flugabläufe.

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