Signal

Electronics Communication Avionics Signal Processing

Signal – Informationsträger in der Elektronik

Ein Signal in der Elektronik ist eine zeitabhängige physikalische Größe, die Informationen über ein System, einen Prozess oder ein Phänomen überträgt. Signale bilden die Grundlage aller elektronischen Kommunikations-, Steuerungs- und Verarbeitungssysteme. Sie können alles repräsentieren – von gesprochenen Worten bis zur Temperatur in einem Flugzeugtriebwerk – und verschlüsseln Informationen als Veränderungen von Spannung, Strom, elektromagnetischen Feldern oder sogar Licht.

Signale stehen im Zentrum aller Elektronikbereiche – von einfachen Schaltern und Sensoren bis zu komplexer Avionik, Telekommunikation und sicherheitskritischen Systemen. Sie unterliegen klar definierten Normen (z. B. ITU, ICAO), um Integrität, Interoperabilität und Zuverlässigkeit zu gewährleisten, insbesondere in regulierten Branchen wie der Luftfahrt.

1. Definition und Grundkonzept

Im weitesten Sinne ist ein Signal jede physikalische Größe, die sich im Zeitverlauf ändert, um Informationen zu übertragen. In der Elektronik sind die häufigsten Formen:

  • Spannung (Potenzialdifferenz zwischen zwei Punkten)
  • Strom (Fluss elektrischer Ladung)
  • Elektromagnetische Feldstärke (wie in HF- und Mikrowellensystemen)
  • Optische Intensität (bei Lichtwellenleitern und Bildgebung)
  • Mechanische Auslenkung (bei Sensoren oder Aktoren)

Mathematisch wird ein Signal als Funktion dargestellt (z. B. s(t)), wobei t die Zeit ist. Der Wert des Signals zu einem bestimmten Zeitpunkt kodiert eine Information – etwa die Lautstärke eines Tons, den Zustand eines Schalters oder einen Strom digitaler Daten.

Signale können natürlich (von Sensoren oder Wandlern) oder künstlich (z. B. als Computerdatenströme) erzeugt werden. Ihr Hauptzweck ist die Ermöglichung des Informationsflusses – intern in Geräten oder extern über Kommunikationsnetzwerke.

Praxisbeispiel:
In der Luftfahrt erzeugt ein Temperatursensor an einem Flugzeugtriebwerk ein Spannungssignal, das proportional zur Triebwerkstemperatur ist. Dieses Signal wird digitalisiert, verarbeitet und den Piloten angezeigt und kann auch zur Wartungsanalyse an Bodenstationen übermittelt werden.

2. Signal-Klassifizierung

2.1 Analoge vs. digitale Signale

Analoge Signale sind sowohl in der Zeit als auch im Amplitudenwert kontinuierlich. Sie können zu jedem Zeitpunkt jeden Wert innerhalb eines Bereichs annehmen – ideal zur Darstellung physikalischer Größen wie Temperatur, Druck oder Schall.

Digitale Signale sind in Zeit und Amplitude diskret und nutzen typischerweise die Binärwerte 0 und 1. Sie kodieren Informationen in einer Abfolge von klar unterscheidbaren Stufen oder Impulsen, wodurch sie besonders robust gegenüber Störungen und leicht zu verarbeiten und speichern sind.

EigenschaftAnaloges SignalDigitales Signal
Zeit/AmplitudeKontinuierlichDiskret
BeispielMikrofonspannungComputerdatenstrom
VerarbeitungAnaloge SchaltungenDigitale Prozessoren, Software
StöranfälligkeitHöherGeringer (mit Fehlerkorrektur)

In der Praxis:
Moderne Avionik- und Kommunikationssysteme verwenden größtenteils digitale Signale für Zuverlässigkeit und Integration, aber analoge Signale sind weiterhin in Sensor-Schnittstellen und älteren Geräten verbreitet.

2.2 Kontinuierliche vs. diskrete Signale

  • Kontinuierliche Signale (z. B. s(t)) sind für jeden Zeitpunkt definiert.
  • Diskrete Signale (z. B. s[n]) existieren nur zu bestimmten, regelmäßig auftretenden Zeitpunkten.

Diskrete Signale entstehen durch Abtastung kontinuierlicher Signale – ein Grundkonzept der digitalen Signalverarbeitung (DSP).

2.3 Periodische vs. aperiodische Signale

  • Periodische Signale wiederholen sich in regelmäßigen Abständen (z. B. Sinuswellen, Taktimpulse).
  • Aperiodische Signale wiederholen sich nicht (z. B. Sprache, Rauschen).

Diese Unterscheidung ist für die Analyse wichtig – periodische Signale werden mit der Fourier-Reihe, aperiodische mit der Fourier-Transformation untersucht.

2.4 Deterministische vs. zufällige (stochastische) Signale

  • Deterministische Signale lassen sich exakt durch eine mathematische Formel beschreiben (z. B. eine Sinuswelle).
  • Zufällige Signale (stochastische Signale) sind unvorhersehbar und werden durch ihre statistischen Eigenschaften definiert (z. B. thermisches Rauschen).

Das Verständnis stochastischer Signale ist entscheidend für den Entwurf robuster Kommunikations- und Navigationssysteme, insbesondere in störungsreichen Umgebungen.

2.5 Gerade und ungerade Signale

  • Gerade Signale: Symmetrisch zur vertikalen Achse (f(t) = f(–t)); Beispiel: Kosinuswelle.
  • Ungerade Signale: Antisymmetrisch zum Ursprung (f(t) = –f(–t)); Beispiel: Sinuswelle.

Jedes Signal kann zur Analyse in gerade und ungerade Komponenten zerlegt werden.

3. Wichtige Signalmerkmale

3.1 Amplitude

Die Amplitude ist der maximale Absolutwert eines Signals, meist bezogen auf Null. Sie repräsentiert die Stärke oder Intensität des Signals – gemessen z. B. in Volt (Spannungssignale) oder Ampere (Strom).

3.2 Frequenz

Die Frequenz (f) ist die Anzahl der Zyklen, die ein periodisches Signal pro Sekunde durchläuft (Hz). Die Frequenz bestimmt die Kanalzuordnung in der Kommunikation, Filterung und die Störanfälligkeit.

3.3 Periodendauer

Die Periodendauer (T) ist die Zeitdauer eines vollständigen Zyklus (Sekunden). Frequenz und Periodendauer sind Kehrwerte voneinander (f = 1/T).

3.4 Phase

Die Phase (ϕ) beschreibt die relative Zeitlage eines Signals innerhalb seines Zyklus, gemessen in Grad oder Radiant. Die Phase ist entscheidend für Anwendungen wie Modulation, Synchronisation und Phased-Array-Systeme.

3.5 Effektivwert (RMS)

Der quadratische Mittelwert (RMS-Wert) beschreibt den effektiven Wert eines veränderlichen Signals und ist besonders wichtig für Leistungsberechnungen in Wechselstromkreisen.

3.6 Leistung

Leistung ist die Energieübertragungsrate, oft berechnet als ( P = (V_{rms})^2 / R ) bei ohmschen Lasten. Die Signalstärke muss ausreichen, um Störungen und Verluste zu überwinden, darf aber regulatorische Grenzwerte nicht überschreiten, um Interferenzen zu vermeiden.

4. Signaloperationen

4.1 Verstärkung

Verstärkung erhöht die Amplitude eines Signals mit elektronischen Verstärkern. Sie ist essentiell, um schwache Signale von Sensoren oder über lange Leitungswege zu verstärken.

4.2 Dämpfung

Dämpfung ist die Verringerung der Signalamplitude durch Verluste in Kabeln, Bauteilen oder Übertragungsmedien. Sie wird üblicherweise in Dezibel (dB) angegeben.

4.3 Modulation

Modulation bedeutet das Verändern der Amplitude, Frequenz oder Phase eines Trägersignals zur Informationsübertragung – so wird effiziente Übertragung und Multiplexing möglich. Beispiele sind AM, FM und digitale Modulation (QAM, PSK).

4.4 Codierung und Decodierung

Codierung wandelt Informationen in ein geeignetes Signalformat zur Übertragung oder Speicherung um (z. B. Binärcodes, Fehlerkorrektur). Decodierung kehrt diesen Prozess beim Empfänger um.

5. Signalverarbeitung

5.1 Analoge Signalverarbeitung

Verarbeitung kontinuierlicher Signale mit analogen Schaltungen – Verstärker, Filter, Mischer usw. Nach wie vor wichtig in Sensoreingängen und Altsystemen.

5.2 Digitale Signalverarbeitung (DSP)

Durch Umwandlung analoger Signale in digitale Form (durch Abtastung und Quantisierung) wird algorithmische Verarbeitung möglich – etwa Filterung, Kompression, Merkmalsextraktion und mehr. DSP ist die Grundlage moderner Avionik, Telekommunikation, Radar und Überwachung.

Wichtige DSP-Konzepte

  • Abtastung: Messen des Signals in regelmäßigen Abständen (Abtastrate).
  • Quantisierung: Runden der abgetasteten Amplituden auf diskrete Werte.
  • Filterung: Entfernen unerwünschter Frequenzanteile.
  • Kompression: Reduzieren der Datenmenge zur Speicherung oder Übertragung.

6. Anwendungen in der Praxis

  • Avionik: Übertragung von Sensordaten, Sprache, Navigations- und Steuersignalen im Flugzeug.
  • Telekommunikation: Übertragung von Sprache, Video und Daten über drahtgebundene und drahtlose Netze.
  • Industriesteuerung: Sensoren und Aktoren tauschen Zustände und Befehle aus.
  • Unterhaltungselektronik: Audio-, Video- und Benutzersignale in Geräten.

7. Normen und Zuverlässigkeit

Internationale Normen (z. B. ITU, ICAO, RTCA DO-160) legen Anforderungen an Signalqualität, Leistung, Modulation und Fehlerkorrektur fest und gewährleisten so einen sicheren und zuverlässigen Betrieb in kritischen Systemen. Ingenieure wählen Signalarten und Verarbeitungsmethoden abhängig von Störumgebung, Bandbreite, regulatorischen Vorgaben und Anwendungsanforderungen aus.

8. Zusammenfassung

Ein Signal ist die Sprache der Elektronik – eine zeitveränderliche Größe, die Informationen überträgt und so den Betrieb komplexer Systeme ermöglicht. Ob analog oder digital, kontinuierlich oder diskret: Jedes Signal muss sorgfältig erzeugt, übertragen, verarbeitet und interpretiert werden, damit Systeme zuverlässig und effizient funktionieren.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Signal in der Elektronik?

Ein Signal ist eine zeitlich veränderliche physikalische Größe, wie Spannung oder Strom, die Informationen über ein System oder einen Prozess vermittelt. Signale bilden die Grundlage für Kommunikation, Steuerung und Verarbeitung in der Elektronik und werden zum Übertragen, Empfangen und Analysieren von Daten verwendet.

Wie unterscheiden sich analoge und digitale Signale?

Analoge Signale sind sowohl in der Zeit als auch im Amplitudenwert kontinuierlich und stellen reale Größen wie Schall oder Temperatur dar. Digitale Signale sind in Zeit und Amplitude diskret und nutzen typischerweise Binärwerte (0 und 1). Digitale Signale sind robuster gegenüber Störungen, leichter zu verarbeiten und können ohne Qualitätsverlust gespeichert und übertragen werden.

Warum ist die Klassifizierung von Signalen wichtig?

Die Klassifizierung von Signalen (analog/digital, kontinuierlich/diskret, periodisch/aperiodisch, deterministisch/zufällig) hilft Ingenieuren, die richtigen Verarbeitungs- und Übertragungsmethoden zu wählen, kompatible Systeme zu entwickeln und Zuverlässigkeit und Effizienz in Anwendungen wie Kommunikation, Steuerung und Messtechnik zu gewährleisten.

Was sind die wichtigsten Eigenschaften eines Signals?

Zu den wichtigsten Eigenschaften zählen Amplitude (Stärke), Frequenz (Wiederholrate), Phase (Zeitlage innerhalb eines Zyklus), Effektivwert (RMS-Wert) und Leistung (Energieübertragungsrate). Diese Parameter bestimmen, wie ein Signal in elektronischen Systemen verarbeitet, übertragen und interpretiert werden kann.

Wie werden Signale in der modernen Elektronik verarbeitet?

Signale werden mit analogen Schaltungen oder, häufiger, mit digitaler Signalverarbeitung (DSP) bearbeitet. DSP umfasst das Abtasten, Quantisieren und Anwenden von Algorithmen zum Filtern, Komprimieren oder Extrahieren von Merkmalen aus Signalen. Dies ermöglicht fortschrittliche Kommunikation, Steuerung und Überwachung in Bereichen wie Avionik und Telekommunikation.

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