Balked Landing Surface — Fläche für Flugzeuge bei abgebrochener Landung: Flughafenplanung & Sicherheit
Abgebrochene Landung / Baulked Landing / Rejected Landing
Eine abgebrochene Landung (manchmal baulked landing oder rejected landing) tritt auf, wenn Pilot:innen eine Landung bewusst in einer späten Phase abbrechen – oft auf oder unterhalb der Entscheidungshöhe (DA(H)), der Mindestsinkflughöhe (MDA(H)) oder sogar nach dem Aufsetzen des Flugzeugs. Dieses Manöver ist typischerweise erforderlich, wenn der Anflug instabil wird, es zu einer Runway Incursion kommt, Windscherung auftritt oder die verbleibende Bahnlänge für einen sicheren Stopp nicht ausreicht.
Anders als ein standardmäßiger Go-Around, der geplant ist und in größeren Höhen eingeleitet wird, kann eine abgebrochene Landung die Crew in einem energiearmen Zustand überraschen: volle Klappen, Fahrwerk ausgefahren, Schub auf Leerlauf und eventuell bereits Ground Spoiler oder Umkehrschub aktiviert. Der Übergang von der Landung zum Steigflug erfolgt blitzschnell, erfordert präzise Steuerung und schnelles Handeln, um Tailstrikes, Strömungsabriss oder ein Überrollen der Bahn zu vermeiden.
Wo wird dies verwendet?
- Flugleistungsberechnungen (insbesondere für Zertifizierung).
- Bahn- und Anflugsdesign in der Flughafen-Masterplanung.
- Simulatortraining für Flugbesatzungen.
- Regulatorische Vorgaben von ICAO, FAA, EASA und Transport Canada.
Wie wird dies verwendet?
- Eingebunden in die Hindernisbegrenzungsflächen des Flugplatzes.
- Referenz für betriebliche Genehmigungen und Sicherheitsmanagement.
- Berücksichtigt in Flughandbüchern und Anflugbriefings.
Abbildung: Schematische Darstellung einer abgebrochenen Landung mit der späten Go-Around-Phase.
Balked Landing Surface: Definition & Zweck
Die Balked Landing Surface ist eine grundlegende Hindernisbegrenzungsfläche in der modernen Flugplatzplanung. Sie ist in ICAO Annex 14, EASA CS-ADR-DSN, FAA AC 150/5300-13A und weiteren Regelwerken definiert und stellt eine gedachte, geneigte Ebene dar, die sich vom Bahnkopf aus in Richtung Missed Approach erstreckt.
Ihr Zweck: Um sicherzustellen, dass ein Flugzeug, welches die Landung sehr spät abbricht, trotz kompromittierter, energiearmer Konfiguration einen freien Steigflugweg ohne Hindernisse hat.
Wesentliche Merkmale:
- Neigung: Typischerweise 2,5 % (1 vertikal auf 40 horizontal).
- Ursprung: Beginnt am Bahnkopf (manchmal für spezifische Anflüge versetzt).
- Breite: 120 m am Bahnkopf, erweiternd auf 180 m bei 3.000 m für Code-F-Bahnen (variiert je nach Code/Behörde).
- Länge: Mindestens 3.000 Meter, kann für bestimmte Flughäfen oder größere Flugzeuge länger sein.
- Erlaubte Hindernisse: Nur frangible, leichte Navigationshilfen (z. B. Anflugbefeuerung, ILS-Antennen).
Warum ist sie kritisch?
Flugzeuge bei einer abgebrochenen Landung sind oft langsam, schwer und haben durch Konfiguration und Triebwerksspulverzögerung eine geringere Steigleistung. Jedes Hindernis in dieser Fläche kann zu Kontrollverlust oder Kollision führen – besonders bei schlechtem Wetter oder geringer Sicht. Regelmäßige Hinderniserfassungen und Zonenkontrollen sind zur Freihaltung dieser Fläche erforderlich.
Wo wird sie verwendet?
- Flughafenzertifizierung und Sicherheitsüberwachung.
- Flughafenplanung für Präzisionsanflugbahnen.
- Risikoabschätzungen bei Neubauten oder Erweiterungsprojekten.
Wie wird sie verwendet?
- Hinderniserfassung sowie Entfernung oder frangible Montage wichtiger Flughafenausrüstung.
- Zonierung und Einschränkung der Bodennutzung.
- Planungsparameter für Bahnen/Taxiways und Erweiterungen.
Abbildung: Geometrie der Balked Landing Surface (EASA-Beispiel).
Obstacle Free Zone (OFZ): Beziehung zur Balked Landing Surface
Die Obstacle Free Zone (OFZ) ist ein geschützter Luftraum, der den Anflug-, Landungs- und Anfangssteigbereich umfasst – einschließlich der Balked Landing Surface. Ihr Zweck: Sicherzustellen, dass in den kritischsten Zonen des Flugbetriebs – insbesondere während Präzisionsanflügen und Go-Arounds – keine festen Hindernisse (außer bestimmten frangiblen NAVAIDs) vorhanden sind.
Wichtige Punkte:
- Die OFZ erstreckt sich über die innere Anflug-, innere Übergangs- und Balked Landing Surface.
- Abmessungen variieren je nach Kategorie und Code der Bahn; größere Breite und Länge für große Flugzeuge und Präzisionsanflüge (Kategorie I, II, III).
- Regelmäßige Durchsetzung und Erfassung sind obligatorisch; jedes permanente Hindernis kann zum Verlust der Zertifizierung oder betrieblichen Einschränkungen führen.
Abbildung: Diagramm der Überlappung von OFZ und Balked Landing Surface.
Regulatorische & Zertifizierungskriterien
ICAO Annex 14
- Verpflichtet zur Einrichtung und zum Schutz der Balked Landing Surface und OFZ.
- Standardneigung: 2,5 %, Breite und Länge nach Bahncodierung.
- Nur frangibles, leichtes Gerät innerhalb der Fläche erlaubt.
EASA CS-ADR-DSN
- Übernimmt ICAO-Parameter.
- Präzisionsanflugbahnen müssen geschützte OFZ und Balked Landing Surface aufweisen.
- Kontinuierliche Überwachung und Hindernismanagement erforderlich.
FAA AC 150/5300-13A & AC 120-28D
- Definiert OFZ und Balked Landing Surface hinsichtlich Abmessungen und Betriebsanforderungen.
- Hindernisfreiheit muss für das veröffentlichte Missed-Approach-Verfahren und für Go-Arounds in niedriger Höhe gewährleistet sein.
Transport Canada AC 700-016
- Orientiert sich an ICAO bezüglich Geometrie und Anforderungen.
- Betont Sicherheit für einmotorige wie alle Triebwerksfälle bei abgebrochener Landung.
Regulatorische Tabelle:
| Behörde | Neigung | Breite am Bahnkopf | Breite am Ende (3.000 m) | Länge | Ausnahmen |
|---|
| ICAO | 2,5 % | 120 m (Code F) | 180 m | 3.000 m+ | Frangible NAVAIDs |
| EASA | 2,5 % | 120 m | 180 m | 3.000 m | Frangible, leichte Geräte |
| FAA | 2,5 % | Variabel | Variabel | Bis 3.000 m | Frangible, niedrige Geräte |
| Transport Canada | 2,5 % | ICAO-Standard | ICAO-Standard | ICAO | Wie ICAO |
Geometrie der Balked Landing Surface
Die Fläche ist absichtlich breit und geneigt, um realistische Flugbahnen bei abgebrochenen Landungen abzubilden:
- Ursprung: Bahnkopf (kann je nach Anflug versetzt sein).
- Neigung: 2,5 %.
- Breite: 120 m am Bahnkopf, 180 m bei 3.000 m (Code F); fächert sich aus.
- Länge: ≥3.000 m, kann für Gelände oder betriebliche Anforderungen länger sein.
- Schutzzone: Nur frangible, leichte oder essentielle Navigationshilfen zulässig.
Praktische Auswirkungen:
- Jedes neue Flughafengebäude – Taxiways, Straßen, Gebäude – darf diese Fläche nicht durchdringen.
- Einführung großer Flugzeuge (A380, B747-8) kann eine Erweiterung erfordern.
- Regelmäßige Hinderniserfassungen und Bodennutzungsbeschränkungen sind für die Zertifizierung unerlässlich.
Betriebliche Risiken & Sicherheitsaspekte
Hindernisfreiheit & CFIT
- Controlled Flight Into Terrain (CFIT) ist das Hauptrisiko, wenn Hindernisse die Fläche durchdringen.
- Standardanflugverfahren garantieren Hindernisfreiheit nur bis zum Missed Approach Point (MAP); darunter schützen OFZ und Balked Landing Surface das Flugzeug.
Flugleistungsgrenzen
- Flugzeuge sind möglicherweise langsam, schwer, mit Klappen/Fahrwerk unten und Triebwerken im Leerlauf.
- Triebwerksspulverzögerung kann die Steigleistung beeinträchtigen.
- Falsche Reihenfolge (z. B. frühe Klappeneinfahrt) kann zu Strömungsabriss oder Tailstrike führen.
Human Factors
- Hohe Arbeitsbelastung, uneindeutige Signale und Zeitdruck können zu Verfahrensfehlern führen.
- Training und klare Verfahren sind zur Risikominimierung unerlässlich.
Minderungsstrategien
Für Flughafenplaner
- Hindernismanagement: Regelmäßige Erfassung, Entfernung oder frangible Montage von Hindernissen.
- Bodennutzungsbeschränkungen: Zonierung zur Vermeidung von Bebauung innerhalb geschützter Flächen.
- Aeronautische Studien: Risikoabschätzung vor Einführung neuer Flugzeugtypen oder Bauvorhaben.
Für den Flugbetrieb
- Training: Simulatorübungen für abgebrochene Landungen.
- Briefing: Betonung von flughafenspezifischen Go-Around-Risiken und Verfahren.
- Leistungsberechnung: Sicherstellung, dass Steiggradienten die Hindernisfreiheit erfüllen.
Reale Zwischenfälle & Anwendungsfälle
Zwischenfallbeispiele
- A320, Hamburg (2008): Abgebrochene Landung nach Aufsetzen bei Seitenwind; Flügelspitzenkontakt.
- B773, Dubai (2016): Später Go-Around nach langem Ausschweben; Schubverlust, Bahnunfall.
- A306, East Midlands (2011): Go-Around mit nicht eingefahrenen Umkehrschub; zu wenig Schub, Tailstrike.
Anwendungsfälle in der Flughafenplanung
- NLA-Betrieb: Flughäfen mit A380/B747-8 müssen geschützte Flächen erweitern.
- Startbahnerweiterung: Neue Taxiways/Gebäude werden auf Auswirkungen auf Balked Landing Surface geprüft.
Zusammenfassung
Die Balked Landing Surface ist ein kritischer, geregelter Sicherheitsbereich im Flughafen-Design. Sie schützt Flugzeuge – und deren Passagiere – während einer der verwundbarsten Flugphasen: wenn eine Landung in letzter Sekunde abgebrochen wird. Korrekte Planung, Wartung und betriebliche Disziplin rund um diese Fläche sind entscheidend für die Flughafenzertifizierung und die Sicherheit des modernen Luftverkehrs.
Verwandte Begriffe:
- Go-Around
- Hindernisbegrenzungsfläche (OLS)
- Entscheidungshöhe (DH)
- Obstacle Free Zone (OFZ)
- Präzisionsanflug
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