Mittellinie (Center Line) von Start- oder Rollbahn

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Mittellinie (Center Line) von Start- oder Rollbahn – Ausführliches Luftfahrt-Glossar

Definition: Was ist eine Mittellinie?

Eine Mittellinie ist eine wesentliche visuelle – und manchmal beleuchtete – Markierung, die exakt entlang der Mitte von Start- und Rollbahnen eines Flughafens verläuft. Ihr Zweck ist es, Piloten eine präzise seitliche Führung zu bieten, damit das Flugzeug bei Start, Landung, Rollen und Überqueren korrekt ausgerichtet bleibt. Durch das Halten auf der Mittellinie wahren Piloten sicheren Abstand zu Randbereichen und Hindernissen und verringern so das Risiko von Abkommen oder Kollisionen.

Wo und wie werden Mittellinien verwendet?

Mittellinien sind auf allen befestigten Start- und Rollbahnen zertifizierter Flughäfen vorhanden. Auf Startbahnen erscheinen sie als weiße, gestrichelte Streifen über die gesamte Länge. Auf Rollbahnen ist die Mittellinie eine durchgezogene gelbe Linie. An größeren Flughäfen sind Mittellinienlichter in den Belag eingelassen, um bei schlechter Sicht wie Nebel oder Nacht die Sichtbarkeit zu erhöhen.

Piloten verlassen sich auf diese Markierungen für:

  • Ausrichtung bei Start und Landung: Für eine gerade, sichere Spur.
  • Rollführung: Navigieren auf komplexen Flugfeldern zwischen Startbahnen, Vorfeldern und Gates.
  • Bodensicherheit: Einhalten sicherer Abstände zu Kanten und anderen Flugzeugen.

ICAO- und FAA-Standards

Sowohl die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) als auch die US-amerikanische Federal Aviation Administration (FAA) legen strenge Standards für Mittellinienmarkierungen fest. Diese Standards regeln Farbe, Breite, Länge, Abstand, Beleuchtung und Platzierung, um weltweite Einheitlichkeit und Sicherheit zu gewährleisten. Wichtige Referenzen sind ICAO Annex 14 und FAA Advisory Circulars.

Visuelle und taktile Hinweise

Manche Flughäfen nutzen taktile Mittellinien – gerillte oder erhabene Farbe – für zusätzliche Rückmeldung, insbesondere bei schlechter Sicht. Piloten können diese durch die Flugzeugräder spüren, was eine weitere Führung bei der Ausrichtung bietet.

Analogie:
Eine Mittellinie ist wie ein Fahrbahnstreifen auf der Autobahn. Fahrer bleiben zur Sicherheit in ihrer Spur; Piloten folgen der Mittellinie, um das Flugzeug sicher auf der befestigten Fläche zu halten.

Startbahn-Mittellinienmarkierungen

Abmessungen und Zusammensetzung

Startbahn-Mittellinienmarkierungen sind hoch standardisiert. In den USA nach FAA AIM 2-3-4 und AC 150/5340-1M besteht die Markierung aus einer Reihe weißer, nicht retroreflektierender, gestrichelter Streifen:

ElementMaß
Streifenlänge120 ft (36,6 m)
Abstand zw. Streifen80 ft (24,4 m)
Streifenbreite12–18 in (30–45 cm)
Streifen + Abstand200 ft (60,96 m)

ICAO-Standards sind ähnlich, mit geringfügigen regionalen Unterschieden. Die Farbe ist langlebig und abriebfest, manchmal mit Glaskügelchen für bessere Sichtbarkeit bei Nacht.

Rechtliche Referenzen

  • FAA AIM 2-3-4: Beschreibt Standards für Startbahnmarkierungen in den USA.
  • FAA AC 150/5340-1M: Bietet detaillierte Diagramme und Wartungshinweise.
  • ICAO Annex 14: Legt globale Standards für Startbahnmarkierungen fest.

Einheitlichkeit sorgt dafür, dass Piloten weltweit vertraute visuelle Hinweise haben.

Betrieb und Beispiele

Piloten nutzen Startbahn-Mittellinien um:

  • Für Start und Landung auszurichten: Das Flugzeug auf dem tragfähigsten Bereich der Startbahn zu halten.
  • Sichtweite (RVR) abzuschätzen: Die Anzahl sichtbarer Streifen hilft bei der Abschätzung der Vorwärtssicht.
  • Kontrolle bei Seitenwind: Verbesserte Ausrichtung bei anspruchsvollen Bedingungen.

Beispiel:
Bei einer Landung nach Kategorie III sehen Piloten oft nur die Mittellinienlichter und wenige Streifen – entscheidend für ein sicheres Ausrollen.

Startbahn-Mittellinienbeleuchtung

Die Mittellinienbeleuchtung auf Startbahnen besteht aus im Boden eingelassenen weißen Lichtern:

  • Abstand: Normalerweise alle 50 ft (15,2 m); am Bahnende auf 25 ft (7,6 m) reduziert.
  • Farbe: Weiß auf dem Großteil der Bahn; abwechselnd rot/weiß auf den letzten 3.000 ft; durchgehend rot auf den letzten 1.000 ft als Warnung.
  • Versatz: Die Lichter sind leicht neben der aufgemalten Linie angebracht, um Wartung und Langlebigkeit zu verbessern.

Zusammen gewährleisten Markierungen und Lichter Sichtbarkeit unter allen Bedingungen.

Häufige Missverständnisse

  • Lichterausrichtung: Lichter sind seitlich versetzt, nicht direkt auf der aufgemalten Linie.
  • Hindernisfreiheit: Die Mittellinie garantiert keine Flügelspitzenfreiheit für alle Flugzeuge.
  • Markierungsbeständigkeit: Markierungen müssen regelmäßig kontrolliert und nachgestrichen werden.

Rollbahn-Mittellinienmarkierungen

Normale Rollbahn-Mittellinie

Rollbahn-Mittellinien sind durchgezogene gelbe Linien, 15–30 cm breit, entlang der gesamten Rollbahn.

  • Farbe: Gelb für gute Sichtbarkeit.
  • Stil: Durchgehend und ununterbrochen.
  • Funktion: Führt Piloten, das Bugrad auf dem sichersten Weg zu halten.

Regelmäßige Wartung sorgt für gut sichtbare Markierungen.

Erweiterte Rollbahn-Mittellinie

Erweiterte Mittellinien werden nahe Rollhaltelinien eingesetzt, besonders an verkehrsreichen Flughäfen:

  • Aussehen: Standardgelbe Linie flankiert von gestrichelten Linien (jeder Strich 9 ft lang, 3 ft Lücken), bis zu 150 ft vor der Rollhaltelinie.
  • Zweck: Frühzeitige Warnung vor einer bevorstehenden Startbahnkreuzung und Reduzierung des Risikos von Startbahnverletzungen.
  • Vorgabe: Seit 2010 Pflicht an US-Verkehrsflughäfen mit Rollbahn-Startbahn-Kreuzungen.

Rollbahn-Mittellinienbeleuchtung

Rollbahn-Mittellinienlichter sind grüne, im Boden eingelassene Lichter:

  • Abstand: Normalerweise alle 50 ft (15,2 m), in Kurven enger.
  • Farbe: Grün – unterscheidet sich so von Startbahnlichtern.
  • Versatz: Etwas neben der aufgemalten Linie zum Schutz und für einfachere Wartung.
  • Steuerung: Über ATC oder Flughafenbetrieb, meist nur bei schlechter Sicht eingeschaltet.

Betrieb und Beispiele

  • Sicheres Rollen: Stellt sicher, dass Flugzeuge auf tragfähigem Belag bleiben.
  • Vermeidung von Verletzungen: Erweiterte Mittellinien und klare Markierungen helfen, unbeabsichtigte Startbahnüberquerungen zu verhindern.
  • ATC-Befolgung: Piloten orientieren sich an Mittellinien bei Rollanweisungen.

Beispiel:
Ein Pilot folgt der gelben Linie vom Gate zur Startbahn, erkennt die erweiterte Mittellinie bei Annäherung an die Startbahn und hält an der Rollhaltelinie an.

Vergleichstabelle: Startbahn- vs. Rollbahn-Mittellinien

MerkmalStartbahn-MittellinieRollbahn-Mittellinie
FarbeWeißGelb
MarkierungsartGestrichelt (120’ Streifen, 80’ Lücken)Durchgehend
Streifenlänge120 ft (36,6 m)N/A
Streifenbreite12–18 in (30–45 cm)6–12 in (15–30 cm)
BeleuchtungWeiß/rot/weiß, rot (letzte 3.000/1.000 ft)Grün (Mittellinienlichter, versetzt)
Erweiterte MarkierungN/AGestrichelte Linien nahe Rollhaltelinien
BetriebStart, Landung, Ausrollen, RVR-AbschätzungRollführung, Vermeidung von Verletzungen
Rechtliche ReferenzFAA AIM 2-3-4FAA AIM 2-3-7

Verfahren, Anwendungsfälle und Best Practices

Sichtabschätzung mit Mittellinienmarkierungen

Piloten schätzen die Runway Visual Range (RVR), indem sie die sichtbaren Mittellinienzyklen zählen (Streifen + Lücke = 200 ft). Zum Beispiel bedeuten vier Zyklen etwa 800 ft Sichtweite.

Halten der Mittellinie

  • Rollen: Das Bugrad auf der Mittellinie halten für sichere Abstände.
  • Start/Landung: Die Mittellinie für sichere Ausrichtung nutzen, besonders bei Seitenwind.
  • Schlechte Sicht: Auf Mittellinienlichter und deren Farbwechsel achten, um die verbleibende Bahnlänge einzuschätzen.

Vermeidung häufiger Fehler

  • Erweiterte Mittellinien: Diese dienen als Warnung, nicht als Haltemarkierung. Immer an der tatsächlichen Rollhaltelinie stoppen.
  • Schulter-/Randmarkierungen: Nicht als Mittellinie verwenden; sie markieren Ränder oder nicht tragfähige Bereiche.

Rechtliche und internationale Unterschiede

  • FAA AIM 2-3-4 / 2-3-7: US-Standards für Start- und Rollbahnmarkierungen.
  • ICAO Annex 14: Weltweite Standards mit einigen lokalen Abweichungen.
  • EASA: Folgt ICAO mit europäischen Besonderheiten.

Prüfen Sie immer die Aeronautical Information Publication (AIP) des Flughafens für Details.

Weiterführende Literatur & Referenzen

Glossar-Zusammenfassungstabelle

Begriff/MarkierungFarbeLinienartBeleuchtungHauptverwendungReferenz
Startbahn-MittellinieWeißGestrichelt (120’/80')Weiß (versetzte Mittellinienlichter)Start, Landung, AusrollenFAA AIM 2-3-4
Rollbahn-MittellinieGelbDurchgehendGrün (versetzte Mittellinienlichter)Rollführung, ATC-KonformitätFAA AIM 2-3-7

Häufig gestellte Fragen

Warum sind Mittellinienlichter seitlich von der aufgemalten Linie versetzt angebracht?

Mittellinienlichter werden absichtlich direkt neben der aufgemalten Mittellinie platziert. Diese Versetzung ermöglicht eine effiziente Wartung – etwa das Nachstreichen der Linie, ohne jedes Licht abdecken zu müssen – und verringert das Risiko wiederholter Bugrad-Aufschläge, die sowohl die Lichter als auch das Fahrwerk beschädigen könnten.

Garantiert das Folgen der Mittellinie Hindernisfreiheit für alle Flugzeuge?

Nein. Die Mittellinie gibt die Richtung vor, garantiert aber nicht die Flügelspitzen- oder Heckfreiheit von Hindernissen, insbesondere bei größeren oder nicht standardisierten Flugzeugen. Piloten müssen den gesamten Flugzeugumriss berücksichtigen und benötigen in engen Bereichen gegebenenfalls Wing Walker oder Einweiser.

Was ist eine erweiterte Rollbahn-Mittellinie?

Eine erweiterte Rollbahn-Mittellinie besteht aus gestrichelten Linien, die die Standard-Mittellinie flankieren, wenn sich Flugzeuge einer Rollhaltelinie annähern. Diese visuelle Verstärkung erhöht die Aufmerksamkeit der Piloten und hilft, unbeabsichtigte Startbahnverletzungen zu vermeiden – insbesondere in komplexen oder bei schlechter Sicht.

Gibt es wesentliche Unterschiede zwischen US-amerikanischen und internationalen Mittellinienstandards?

Die Grundlagen sind weltweit ähnlich, aber ICAO- und FAA-Standards unterscheiden sich im Detail, etwa bei Streifenbreite, Beleuchtung, Materialien und Wartung. Konsultieren Sie immer die entsprechende Aeronautical Information Publication (AIP) für lokale Spezifikationen.

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