Entscheidungshöhe (DH)
Die Entscheidungshöhe (DH) ist eine kritische Sicherheitsmindesthöhe bei Präzisionsanflügen, bei der Piloten entscheiden müssen, ob sie die Landung fortsetzen o...
Die Entscheidungshöhe (DH) ist die genaue Höhe über der Piste, bei der ein Pilot während eines Präzisionsinstrumentenanflugs anhand der visuellen Referenzen und Sichtanforderungen entscheiden muss, ob er landet oder einen Fehlanflug durchführt.
Entscheidungshöhe (DH) ist ein zentrales Konzept bei Instrumentenanflugverfahren, insbesondere bei Präzisionsanflügen wie ILS, MLS und PAR. Gemäß ICAO Annex 6 und dem FAA AIM ist die DH die spezifische Höhe über der Aufsetzzone der Piste (TDZE), bei der der Pilot – ausschließlich basierend auf visuellen Referenzen und Sichtbedingungen – entscheiden muss, ob er landet oder einen Fehlanflug einleitet. Sind die erforderlichen Umgebungsmerkmale der Bahn (wie Schwellenbefeuerung, Markierungen oder Anflugbefeuerung) und die Sicht bei DH vorhanden, darf der Anflug fortgesetzt werden. Andernfalls ist ein Fehlanflug zwingend erforderlich, ohne Verzögerung oder weiteres Sinken.
Die DH bezieht sich immer auf den höchsten Punkt der ersten 3.000 Fuß der Bahndecke (TDZE) und wird in Fuß über Grund (AGL) angegeben. So ist die vertikale Position des Piloten direkt auf die Landeschwelle bezogen, was die Sicherheit maximiert. Die DH ist mehr als nur eine Zahl: Sie ist die rechtliche und operative Grenze bei Instrumentenanflügen, die bei der Verfahrensgestaltung sorgfältig für Hindernisfreiheit und Navigationsintegrität festgelegt wird.
Das regulatorische Rahmenwerk für die DH ist robust und weltweit harmonisiert. In den USA beschreibt 14 CFR §91.175(c) die Bedingungen für das Unterschreiten der DH:
Die ICAO Annex 6 und Doc 8168 spiegeln diese Anforderungen wider und schreiben vor, dass die DH die niedrigste Höhe ist, bei der ein Fehlanflug einzuleiten ist, sofern die Bahnumgebung nicht sichtbar ist und das Luftfahrzeug sich nicht in einer sicheren Landeposition befindet. EASA CS-OPS und andere nationale Behörden folgen der ICAO-Definition. Anflugkarten (FAA, Jeppesen usw.) zeigen für jeden Präzisionsanflug immer DH oder DA(H) an und geben Piloten eine klare regulatorische Orientierung.
Operative Leitlinien von FAA, ICAO und nationalen Behörden betonen, dass der Fehlanflug bei Nichterkennen visueller Referenzen sofort bei DH einzuleiten ist. Dieser strenge regulatorische Kontext unterstreicht die sicherheitskritische Bedeutung der DH.
In allen Formen des Instrumentenflugs ist die DH der operative Dreh- und Angelpunkt bei Präzisionsanflügen. Sie bietet einen standardisierten, objektiven Punkt, an dem Piloten im IMC die entscheidende Landen-/Fehlanflug-Entscheidung treffen.
Während eines Präzisionsanflugs:
Im Mehrmann-Cockpit ruft der Pilot Monitoring (PM) bei DH „Minimums“ aus, was den Pilot Flying (PF) dazu veranlasst, visuelle Referenzen zu bestätigen oder den Fehlanflug einzuleiten. Moderne Avioniksysteme bieten akustische und visuelle „Minimums“-Warnungen, um Fehler zu minimieren. Fluggesellschaften können zudem höhere „betriebliche Mindestwerte“ als veröffentlicht festlegen, abhängig von Crew-Erfahrung oder Flugzeugausrüstung.
DH gewährleistet weltweite Einheitlichkeit: Unabhängig vom Flughafen können sich Piloten auf ein sicheres, standardisiertes Verfahren für den Moment der Landeverpflichtung verlassen.
Das Verständnis des Zusammenhangs zwischen DH, Entscheidungsflughöhe (DA), Mindestsinkflughöhe (MDA) und Fehlanflugpunkt (MAP) ist entscheidend:
Missverständnisse dieser Definitionen können zu Verstößen gegen Vorschriften und Sicherheitsrisiken führen. ICAO, FAA und EASA harmonisieren diese Begriffe für weltweite Konsistenz.
Die korrekte Identifizierung der DH auf Anflugkarten ist essenziell:
Verfahrensdesigner legen die DH für jedes Verfahren anhand von Hindernisfreiheit, Navigationshilfe-Leistung und der Verfügbarkeit des Sichtsegments fest. Ziel: Sicherstellen, dass bei DH stets eine sichere Landung oder ein Fehlanflug möglich ist.
Das Erreichen der DH ist ein Moment höchster Arbeitsbelastung und entscheidungsrelevanter Phase:
Sind nur die Anflugbefeuerungen zu sehen, ist das Sinken nur bis 100 Fuß über TDZE erlaubt (siehe „100-Fuß-Regel“). In Mehrmannbesatzung verlangen SOPs klare Ausrufe bei DH. Im Einmann-Cockpit helfen Vorbriefing und Nutzung von Minimums-Warnungen der Avionik, die Arbeitsbelastung zu steuern.
Der erfolgreiche Übergang von Instrumentenflug auf Sicht bei DH hängt davon ab, die richtigen Merkmale im Bahnumfeld zu erkennen:
ICAO und FAA spezifizieren diese zehn Merkmale in den Vorschriften. Anflugbefeuerungssysteme sind bei schlechter Sicht besonders wichtig, „Decision Bars“ bieten zusätzliche Sicherheit in Pistennähe.
Piloten sollten das Beleuchtungssystem ihres Zielflughafens anhand der Anflugkarten und NOTAMs prüfen, da nicht alle Plätze vollständige visuelle Hilfen haben. Schlechtes Wetter oder Beleuchtungsausfälle können trotz Erreichen der DH einen Fehlanflug erforderlich machen.
Anflugbefeuerungssysteme (ALS), beschrieben in ICAO Annex 14 und FAA AC 150/5340-30, sind bei Anflügen mit geringer Sicht entscheidend. Die „100-Fuß-Regel“ erlaubt Piloten, die bei DH nur das ALS sehen, weiter bis 100 Fuß über TDZE zu sinken. Bis dahin müssen jedoch weitere visuelle Merkmale (Schwelle, Markierungen oder Befeuerung) sichtbar sein, um zu landen.
Enthält das ALS rote End- oder Seitenbalken (z. B. ALSF-2) und sind diese sichtbar, darf weiter gesunken und gelandet werden. Piloten müssen die ALS-Konfiguration ihres Zielflughafens kennen und Anflugbefeuerungen nicht mit Bahnbefeuerung verwechseln.
Ein Pilot fliegt ein ILS auf Piste 09, DA(H) 220 (200), Sichtweite 1/2 Meile. In 200 Fuß AGL sind nur die Anflugbefeuerungen sichtbar. Der Pilot darf bis 100 Fuß über TDZE sinken, muss aber durchstarten, wenn keine weiteren visuellen Merkmale erscheinen.
Bei Nebel sieht der Pilot in 100 Fuß über TDZE rote Endbalken. Da diese zulässige Referenzen sind, darf weiter gesunken und gelandet werden.
Bei einem VOR-Anflug beträgt die MDA 540 Fuß MSL (400 AGL) und der MAP liegt an der Schwelle. Der Pilot muss bis MAP auf MDA bleiben; fehlen dort die visuellen Merkmale, ist der Fehlanflug erforderlich.
Bei einem RNAV-Anflug mit DA(H) 340 (250) fällt die Landen-/Fehlanflug-Entscheidung bei 250 Fuß über TDZE gemäß DH/DA-Logik.
Tipps:
Fallstricke:
Sicherheitsaspekte:
| Handlung bei DH/DA | Referenz |
|---|---|
| DH/DA bei Präzisionsanflug erreichen und Sicht/visuelle Merkmale prüfen | 14 CFR §91.175(c); ICAO Annex 6 |
| Sind erforderliche Merkmale sichtbar und Sicht erfüllt, Landung fortsetzen | FAA AIM, ICAO Doc 8168 |
| Nur ALS sichtbar: Sinken bis 100’ über TDZE; darunter weitere Merkmale nötig | „100-Fuß-Regel“ |
| Keine Merkmale/Sicht: sofort Fehlanflug – ohne Verzögerung | FAA/ICAO-Vorschriften |
| DH/DA im Mindestwerte-Abschnitt der Anflugkarte zu finden | FAA/Jeppesen-Anflugkarten |
Die Entscheidungshöhe (DH) ist ein Grundpfeiler der globalen Flugsicherheit. Sie bietet einen standardisierten, regulierten Punkt, an dem Piloten anhand visueller Referenzen und Sichtverhältnisse entscheiden, ob sie landen oder einen Fehlanflug einleiten. Das Verständnis der DH, ihres regulatorischen Kontexts, der operativen Verfahren sowie ihrer Beziehung zu DA, MDA und MAP ist essenziell für sichere, vorschriftsgemäße Instrumentenflugoperationen.
Weitere Informationen zu Instrumentenverfahren, Anflugkarten oder regulatorischen Leitlinien finden Sie im FAA AIM, ICAO Doc 8168 und bei Ihrer nationalen Luftfahrtbehörde.
Quellen
Die Entscheidungshöhe (DH) wird in Fuß über Grund (AGL) angegeben und bezieht sich auf die Höhe der Aufsetzzone der Piste, während die Entscheidungsflughöhe (DA) als Höhe über dem mittleren Meeresspiegel (MSL) gemessen wird. Beide dienen dem gleichen operativen Zweck als Entscheidungspunkt bei einem Präzisionsanflug; viele Anflugkarten führen beide Werte auf.
Wenn die erforderlichen visuellen Referenzen oder die notwendige Flugsicht bei der Entscheidungshöhe nicht gegeben sind, muss der Pilot sofort das Fehlanflugverfahren einleiten. Ein weiteres Sinken unter die DH ohne visuelle Anhaltspunkte ist sowohl unsicher als auch ein Verstoß gegen Vorschriften.
Ja, aber nur bis 100 Fuß über der Aufsetzzonenhöhe (TDZE), wenn bei DH lediglich das Anflugbefeuerungssystem sichtbar ist. Wenn rote End- oder Seitenbalken ebenfalls sichtbar sind, darf der Sinkflug und die Landung fortgesetzt werden. Sind bis 100 Fuß über TDZE keine weiteren Bahnumgebungsmerkmale sichtbar, muss ein Fehlanflug durchgeführt werden.
Auf Anflugkarten ist die DH typischerweise im Mindestwerte-Abschnitt aufgeführt, oft zusammen mit der Entscheidungsflughöhe (DA). Zum Beispiel bedeutet 'DA(H) 216 (200)' eine DA von 216 Fuß MSL und eine DH von 200 Fuß über TDZE. Piloten müssen die Kartenwerte vor jedem Anflug immer abgleichen.
Nein, die Entscheidungshöhe gilt nur für Präzisionsanflüge mit vertikaler und lateraler Führung, wie ILS oder MLS. Nicht-Präzisionsanflüge verwenden stattdessen die Mindestsinkflughöhe (MDA) und einen Fehlanflugpunkt (MAP).
Zugelassene visuelle Referenzen umfassen die Pisten-Schwelle, Schwellenbefeuerung oder -markierungen, Anflugbefeuerung, Runway-Ende-Kennlichter, Aufsetzzone oder deren Markierungen/Befeuerung, Pistenbefeuerung und visuelle Anflugwinkelanzeigen. Mindestens eine davon muss bei DH deutlich sichtbar sein, um fortzufahren.
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