Go-Around

Aviation safety Flight operations ATC Pilot procedures

Go-Around – Abgebrochene Landung mit eingeleitetem Steigflug (Flugbetrieb)

Definition

Ein Go-Around ist ein standardisiertes Manöver in der Luftfahrt, bei dem ein Pilot den Landeanflug abbricht und entweder vor dem Aufsetzen oder unmittelbar danach einen Steigflug von der Piste einleitet. Die Entscheidung kann entweder von der Besatzung oder auf Anweisung der Flugsicherung (ATC) getroffen werden, wenn eine sichere Landung nicht möglich ist. Go-Arounds sind ein Eckpfeiler der Flugsicherheit und eng verwandt mit dem Begriff Missed Approach (bei Instrumentenanflügen). Das Manöver wird manchmal auch als abgebrochene Landung bezeichnet und gilt niemals als Notfall oder Zeichen eines Pilotenfehlers – vielmehr ist es eine proaktive Sicherheitsmaßnahme.

Go-Arounds sind tief im regulatorischen Rahmenwerk verankert, wie z. B. in ICAO Annex 6, FAA Advisory Circulars und EASA-Prozeduren. Sie werden regelmäßig in Simulatoren geübt, sind in den Standardarbeitsverfahren (SOP) von Fluggesellschaften vorgeschrieben und werden durch das Air-Traffic-Management an Flughäfen weltweit unterstützt.

Etymologie und Verwendung

Der Begriff Go-Around stammt aus der frühen Luftfahrt, als Platzrunden (“circuits”) um das Flugfeld geflogen wurden. Konnte eine Landung nicht abgeschlossen werden, flogen die Piloten die Runde erneut – sie “gingen um die Platzrunde”. Heute ist der Ausdruck international in der Luftfahrt- und ATC-Phraseologie (siehe ICAO Doc 4444) standardisiert, sowohl bei Sicht- als auch Instrumentenbedingungen. Bei Instrumentenwetterbedingungen (IMC) ist “Missed Approach” das präzise Gegenstück.

In der Marinefliegerei wird für das gleiche Manöver der Begriff Wave-Off verwendet, insbesondere auf Flugzeugträgern. Trotz geänderter Luftraum- und Anflugverfahren bleibt der Begriff “Go-Around” integraler Bestandteil der Kommunikation zwischen Piloten und Fluglotsen weltweit.

Kontext im Flugbetrieb

Go-Arounds sind ein wesentlicher Bestandteil der Flugsicherheit und des Air-Traffic-Managements:

  • Flugbetrieb: Alle Flüge – kommerziell, privat, militärisch – beinhalten Go-Around-Planungen und Treibstoffreserven. Fluggesellschaften und Betreiber legen detaillierte SOPs mit Go-Around-Kriterien und Verantwortlichkeiten fest.
  • Flugsicherung: ATC integriert Go-Arounds in die Pistenbelegung, die Staffelung und die Sequenzierungsplanung, besonders an stark frequentierten Flughäfen. Moderne Technologien (A-SMGCS, RWSL) helfen, Auslöser für Go-Arounds durch Pistenüberquerungen zu minimieren.
  • Training und SMS: Go-Arounds werden regelmäßig im Simulator und bei Kompetenzchecks trainiert. Safety Management Systeme (SMS) nutzen Go-Around-Statistiken als Sicherheitsindikatoren.

Wann und warum Go-Arounds angewandt werden

Go-Arounds sind immer dann vorgeschrieben, wenn eine sichere Landung nicht gewährleistet werden kann. Auslöser sind unter anderem:

  • Unstabilisierter Anflug: Werden die Kriterien für einen stabilisierten Anflug am “Gate” (typischerweise 1.000 ft AGL bei IFR, 500 ft bei VFR) nicht erfüllt, ist ein Go-Around erforderlich. Kriterien: korrekte Geschwindigkeit, Sinkrate, Konfiguration, Ausrichtung.
  • Wetter: Plötzliche Windscherungen, Böen, Mikrobursts oder schlechte Sicht (laut ICAO Annex 3).
  • Pistenüberquerung/Hindernis: Das Vorhandensein von Flugzeugen, Fahrzeugen, Personen oder Fremdkörpern auf der Piste.
  • Anweisung der Flugsicherung: Verlust der Staffelung, Sequenzierungsprobleme oder unsichere Pistenbedingungen.
  • Technische/Mechanische Probleme: Zum Beispiel abnormale Fahrwerksanzeigen, Klappenprobleme.
  • Piloteneinschätzung: Auch ohne explizite Auslöser darf der Pilot jederzeit aus Sicherheits- oder Wahrnehmungsgründen einen Go-Around durchführen.
  • Nicht erfüllte Landekriterien: Fluggesellschaften definieren Kontrollpunkte im Approach-Briefing; werden diese nicht erreicht, ist ein Go-Around verpflichtend.

Regulatorischer Hinweis: Sowohl FAA als auch ICAO verlangen Go-Arounds bei Abweichungen von den Kriterien für einen stabilisierten Anflug ab festgelegten Höhen.

Häufigkeit und statistischer Kontext

Go-Arounds sind selten – etwa 0,2 % bis 0,8 % der Anflüge auf stark frequentierten Flughäfen (1 von 125–500 Anflügen). Die Häufigkeit variiert je nach Komplexität des Flughafens, Wetter und Verkehr:

  • Flughäfen: Höhere Raten an Flughäfen mit sich kreuzenden Pisten, dichtem Verkehr oder häufig schlechtem Wetter (z. B. LHR, DCA, HKG).
  • Piloten: Ein typischer Kurzstreckenpilot führt ein- bis zweimal pro Jahr einen Go-Around durch; Langstreckenpiloten noch seltener.
  • Treibstoffplanung: Vorschriften verlangen ausreichend Treibstoff für mindestens einen Go-Around.

Niedrige Go-Around-Raten sind nicht immer positiv: Eine Unteranwendung kann auf eine Zurückhaltung beim Abbruch unstabilisierter Anflüge hindeuten – ein bekannter Unfallfaktor. Sicherheitsprogramme überwachen die Raten, um Trends und Trainingsbedarf zu erkennen.

Das Go-Around-Verfahren: Schritt für Schritt

1. Leistung erhöhen: Go-Around-Schub setzen (bei Jets TOGA). 2. Steigwinkel einstellen: Sichere Steigfluglage einstellen (typisch 10–15° Nase hoch). 3. Fahrwerk/Klappen: Fahrwerk und Klappen stufenweise einfahren, sobald Geschwindigkeit und Höhe es zulassen. 4. Flugweg: Dem veröffentlichten Missed-Approach-Verfahren oder ATC-Anweisungen folgen. 5. Kommunikation: ATC informieren: “Tower, [Rufzeichen] geht um.” 6. Umkonfigurieren & planen: Vorbereitung für einen weiteren Anflug, Warteschleife oder Ausweichflughafen.

Die Reihenfolge lautet: Fliegen (Flugzeug steuern), navigieren (richtige Route fliegen), kommunizieren (ATC informieren).

Beispiel (Allgemeine Luftfahrt): Vollgas, Steigfluglage einnehmen, eine Klappenstufe einfahren, Steigflug bestätigen, restliche Klappen einfahren, Fahrwerk einziehen, kommunizieren, in Platzrunde oder Missed Approach einreihen.

Flugsicherung und Go-Arounds

ATC kann einen Go-Around anweisen oder auf einen Piloteneinleitungs reagieren:

  • ATC-Initiiert: “Go around, ich wiederhole, go around.” Sofortiges Befolgen erforderlich.
  • Pilot-Initiiert: Pilot meldet: “Tower, [Rufzeichen] geht um.”
  • Sequenzierung: ATC gibt Kurs, Höhe und Vektoren zur Staffelung aus.
  • Verhinderung von Pistenüberquerungen: Moderne Systeme (A-SMGCS, RWSL) minimieren Go-Arounds durch Pistenverletzungen.

Standardphraseologie:

ATC: “Speedbird 152, go around.”Pilot: “Going around, Speedbird 152.”

Sicherheitskontext und Missverständnisse

Go-Arounds sind ein wesentliches Sicherheitsnetz – kein Zeichen von Fehler oder Versagen:

  • Sicherheitsgewährleistung: Go-Arounds verhindern Unfälle durch unstabilisierte Anflüge oder unerwartete Situationen.
  • No-Fault-Policy: Fluggesellschaften und Behörden fördern eine Sicherheitskultur, in der Go-Arounds unterstützt werden.
  • Nicht selten oder riskant: Go-Arounds werden regelmäßig geübt, und das Risiko ist bei korrekter Durchführung gering. Das größere Risiko liegt im Verzicht auf einen Go-Around bei Bedarf.
  • Befugnis: Jeder Pilot kann einen Go-Around anordnen; auch ATC kann dies vorschreiben.

Unfallprävention: Viele Unfälle hätten durch einen Go-Around verhindert werden können. Nur ein kleiner Teil unstabilisierter Anflüge führt tatsächlich zu einem Go-Around – dies unterstreicht den Bedarf an kontinuierlichem Training und kultureller Unterstützung.

Risiken und Best Practices

Obwohl Go-Arounds grundsätzlich sicher sind, steigen die Risiken bei unsachgemäßer Durchführung:

  • Kontrollverlust: Falsche Steuerung von Steigwinkel, Schub oder Konfiguration kann zu Kontrollverlust oder Abweichungen führen.
  • Kollisionsrisiko: Nichtbefolgen der Missed-Approach-Prozedur oder ATC-Anweisungen kann zu Konflikten mit anderen Flugzeugen führen.
  • Pistenüberrollen: Der Versuch, aus einem unstabilisierten Anflug zu landen, statt durchzustarten, erhöht das Risiko eines Pistenüberrollens.

Best Practices:

  • SOP-Einhaltung: Strikte Befolgung von Checklisten und Verfahren.
  • Training: Häufiges Simulatortraining unter verschiedenen Szenarien (z. B. Einmot, schlechtes Wetter).
  • Briefing: Das Approach-Briefing muss immer einen Go-Around-Plan beinhalten.
  • Kommunikation: Zeitgerechte, klare Kommunikation mit ATC und Crew.

Regulatorische und branchenspezifische Leitlinien

  • ICAO Annex 6, 19 – Fordert die Aufnahme von Go-Arounds in SOPs und SMS.
  • FAA AC 120-71B – Enthält Details zu stabilisierten Anflügen und Go-Around-Politik.
  • EASA und nationale Behörden – Vorschrift für regelmäßiges Training und Leistungsüberwachung.
  • Flight Safety FoundationForschung und Ressourcen zur Go-Around-Entscheidungsfindung.

Zusammenfassung

Der Go-Around ist ein geplantes, positives Sicherheitsmanöver – kein Notfall oder Versagen. Es ist eine weltweit standardisierte, regulierte und geübte Reaktion auf jede Situation, in der eine sichere Landung nicht gewährleistet ist. Die Einhaltung der Go-Around-Verfahren ist ein Markenzeichen professioneller Fliegerei und ein zentrales Element der Flugsicherheit.

Weitere Informationen

Siehe auch

  • [Missed Approach]
  • [Stabilized Approach]
  • [Runway Incursion]
  • [Air Traffic Control]

Dieser Glossarbeitrag spiegelt die internationalen Best Practices der Luftfahrt und die aktuellen regulatorischen Standards (Stand: 2024) wider. Für verfahrens- oder flugzeugspezifische Details konsultieren Sie bitte die offiziellen Handbücher und Betriebsunterlagen Ihres Unternehmens.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Go-Around in der Luftfahrt?

Ein Go-Around ist ein Manöver, bei dem der Pilot die Landung abbricht und einen Steigflug von der Piste einleitet. Es wird durchgeführt, wenn eine sichere Landung aufgrund von Faktoren wie unstabilisiertem Anflug, Hindernissen auf der Piste, schlechtem Wetter oder Anweisungen der Flugsicherung nicht fortgesetzt werden kann. Go-Arounds sind standardisierte Sicherheitsverfahren, keine Notfallmaßnahmen.

Wie unterscheidet sich ein Go-Around von einem Missed Approach?

Ein Missed Approach ist ein spezifisches Verfahren im Zusammenhang mit Instrumentenanflügen, das die Route und Höhe beschreibt, die zu befolgen sind, wenn die erforderlichen Sichtzeichen an der Minimum Descent Altitude oder am Missed Approach Point nicht erlangt werden. 'Go-Around' ist ein weiter gefasster Begriff, der sowohl unter Sicht- als auch Instrumentenbedingungen für den Abbruch einer Landung in jeder Anflugphase, auch nach dem Aufsetzen, verwendet wird.

Wer kann einen Go-Around einleiten?

Ein Go-Around kann von der Flugbesatzung (jedem Piloten in einem Mehrmanncockpit) oder durch die Flugsicherung eingeleitet werden. Piloten sind geschult und befugt, diese Entscheidung jederzeit im Zweifel an der Sicherheit zu treffen – unabhängig von Hierarchie oder äußerem Druck.

Wie häufig kommen Go-Arounds vor?

Go-Arounds sind relativ selten und treten bei etwa 0,2 % bis 0,8 % der kommerziellen Anflüge auf – ungefähr bei jeder 125. bis 500. Landung, je nach Komplexität des Flughafens, Wetter und Verkehrsdichte. Trotz ihrer Seltenheit trainieren Piloten Go-Arounds intensiv, um ihre Kompetenz zu gewährleisten.

Gilt ein Go-Around als Pilotenfehler oder Notfall?

Nein, ein Go-Around ist weder ein Fehler noch ein Notfall. Es handelt sich um ein routinemäßiges, proaktives Sicherheitsmanöver, das gutes fliegerisches Können und die Einhaltung der Verfahren zeigt, wenn die Kriterien für eine sichere Landung nicht erfüllt sind.

Was sind die Hauptgründe für einen Go-Around?

Häufige Auslöser sind ein unstabilisierter Anflug, schlechtes Wetter (geringe Sicht, Windscherungen), Pistenüberquerungen oder Hindernisse, technische oder mechanische Probleme, Anweisungen der Flugsicherung und das Urteil des Piloten, wenn die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann.

Wie wird ein Go-Around durchgeführt?

Das Verfahren umfasst in der Regel das Setzen von Go-Around-Schub, das Einstellen einer sicheren Steigfluglage, das stufenweise Einfahren von Fahrwerk und Klappen, das Befolgen veröffentlichter Missed-Approach- oder ATC-Anweisungen sowie die klare Kommunikation der Absichten. Die Reihenfolge lautet: Flugzeug steuern (aviate), navigieren, kommunizieren.

Was passiert nach einem Go-Around?

Nach einem Go-Around wird das Flugzeug in einen stabilen Steigflug gebracht und folgt dem Missed-Approach-Verfahren oder einer von der Flugsicherung zugewiesenen Flugroute. Die Besatzung bereitet dann einen weiteren Anflug vor, geht in eine Warteschleife oder weicht gegebenenfalls aus. Der Prozess umfasst Checklisten und erneute Briefings nach Bedarf.

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