Dunst

Aviation Weather Air Quality Atmospheric Science Meteorology

Dunst – Atmosphärische Trübung mit Sichtminderung (Meteorologie)

Dunst bezeichnet eine atmosphärische Trübung, die durch das Schweben extrem kleiner, trockener fester oder flüssiger Partikel in der Luft verursacht wird. Dies führt zu verminderter Sichtweite und einem milchigen oder verblassten Himmelsbild. Im Gegensatz zu Nebel und Dunst (Mist) – die aus Wassertröpfchen bestehen – besteht Dunst hauptsächlich aus Aerosolen: mikroskopisch kleinen Partikeln oder Tröpfchen aus natürlichen und vom Menschen verursachten Quellen. In der Luftfahrt wird Dunst mit dem Code „HZ“ in meteorologischen Beobachtungen (METAR/SPECI) gemeldet und stellt ein bedeutendes betriebliches und umweltbezogenes Problem dar.

Haze (smog) in New York City

Definition und Hauptmerkmale

Dunst wird von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) als eine Verringerung der horizontalen Sichtweite definiert, die durch suspendierte, trockene Partikel verursacht wird, die einzeln zu klein sind, um sichtbar zu sein. Diese Partikel – von 0,001 bis 10 Mikrometer (µm) – stammen aus Staub, Rückständen von Verbrennungen, Sulfaten, Nitraten, Meersalz, organischen Stoffen und Ruß.

Kernmerkmale:

  • Erscheinungsbild: Milchiger, bläulicher oder gräulicher Himmel; verblasste Farben und geringer Kontrast.
  • Sichtweite: Verringert in der Regel die horizontale Sichtweite auf unter 10 km (6 mi), aber über 1 km (0,62 mi); stärkere Reduktion wird als Nebel, Rauch oder Staub klassifiziert.
  • Optik: Partikel streuen sichtbares Licht, insbesondere blaue Wellenlängen, was einen Aufhellungseffekt oder eine opalisierende Wirkung verursacht.
  • Hygroskopisches Wachstum: Viele Dunstpartikel nehmen bei hoher Luftfeuchtigkeit Feuchtigkeit auf, was ihre Größe und Streueffizienz erhöht.

Wissenschaftliche Zusammensetzung und Partikeldynamik

Dunst entsteht durch eine komplexe Mischung feiner Aerosole in der unteren Troposphäre. Dazu gehören:

  • Mineralstaub: Aus Wüsten, Trockengebieten und gestörten Oberflächen.
  • Sulfate/Nitrate: Sekundäre Aerosole, gebildet durch atmosphärische Reaktionen mit SO₂ und NOₓ, verbunden mit fossiler Verbrennung.
  • Organische Aerosole: Aus Waldbränden, Fahrzeugabgasen und flüchtigen organischen Verbindungen (VOCs).
  • Meersalz: Entsteht durch Wellenbewegung und das Platzen von Bläschen an der Meeresoberfläche.
  • Ruß/Schwarzer Kohlenstoff: Entsteht durch unvollständige Verbrennung fossiler Brennstoffe oder Biomasse.

Wasseraufnahme: Viele Dunstpartikel sind hygroskopisch, quellen auf und streuen mehr Licht bei relativer Luftfeuchtigkeit über 60–75 %. Das erklärt, warum Dunst in feuchten Perioden intensiver werden kann, selbst ohne neue Partikelemissionen.

Aerosol Optical Depth (AOD): Ein wichtiger Messwert für Dunst; AOD quantifiziert die säulenintegrierte Konzentration von Aerosolen. Hohe AOD-Werte deuten auf starken Dunst und geringe Bodensicht hin.

Entstehungsmechanismen und atmosphärische Prozesse

Dunst bildet und hält sich durch das Zusammenspiel aus Emission, Transport, Chemie und Meteorologie:

Natürliche Quellen:

  • Staubstürme: Wind wirbelt feine Mineralpartikel von trockenen Oberflächen auf.
  • Meeresgischt: Küstennaher Dunst durch salzhaltige Meerespartikel.
  • Vulkane: Ausbrüche emittieren Asche und Sulfat-Aerosole.
  • Biomasseverbrennung: Wald- und Flächenbrände.

Anthropogene Quellen:

  • Industrielle Emissionen: Fabriken, Kraftwerke und Fahrzeuge emittieren PM, SO₂, NOₓ und VOCs.
  • Landwirtschaft: Brandrodung, Bodenbearbeitung und Viehhaltung.
  • Städtische Aktivität: Dichte Besiedlung erzeugt eine komplexe Mischung aus primären und sekundären Aerosolen.

Atmosphärische Prozesse:

  • Schwebung und Transport: Partikel werden vom Wind aufgewirbelt und regional oder global transportiert.
  • Hygroskopisches Wachstum: Partikel nehmen Wasser auf und streuen verstärkt.
  • Photochemische Reaktionen: Sonnenlicht wandelt Gase in sekundäre Aerosole um.
  • Atmosphärische Stabilität: Inversionen halten Partikel bodennah und verschärfen Dunst.
  • Langstreckentransport: Feine Partikel können Tausende Kilometer reisen und regionale Dunstereignisse verursachen.
Types of haze: plume, layered, and uniform haze. (NPS)

Abgrenzung zu Nebel, Dunst, Staub und Rauch

PhänomenHauptzusammensetzungPartikelgrößeWassergehaltSichtminderungFeuchtigkeit zur BildungErscheinungsbildHauptunterscheidung zu Dunst
DunstTrockene Aerosole0,001–10 µmGering<10 km, >1 km>60–75 % (für Quellung)Milchig, verblasstTrocken, keine Wassertröpfchen
NebelWassertröpfchen1–10 µmSehr hoch<1 km100 % (gesättigt)Dick, weißFlüssige Tröpfchen, dicht
Dunst (Mist)Wassertröpfchen1–10 µmHoch1–10 km95–100 %Grau, dünnWasserbasiert, weniger dicht
StaubMineralpartikel1–100 µmSehr geringVariabelTrocken, windigBraun/gelblichGrößer, sichtbare Körner
RauchVerbrennungs-Aerosole0,01–1 µmGeringVariabelTrockenBlau-grau/braunUrsprung: Verbrennung

Dunst ist einzigartig durch seine Zusammensetzung aus submikron- bis mikron-großen trockenen Partikeln, die einzeln nicht sichtbar sind und durch Lichtstreuung die Sicht mindern. Nebel und Dunst (Mist) sind wasserbasiert; Staub und Sand umfassen größere, sichtbare Partikel; Rauch stammt aus Verbrennung.

Arten von Dunst

  • Photochemischer Dunst: Entsteht durch sonnenlichtgetriebene chemische Reaktionen von SO₂, NOₓ und VOCs. Hauptursache für städtischen Smog.
  • Staubdunst: Überwiegend aus Mineralstaub, verbreitet bei Dürren und Wüstenwinden.
  • Rauchdunst: Aus Waldbränden oder Verbrennung, kann lange bestehen und weite Strecken zurücklegen.
  • Vulkanischer Dunst („Vog“): Von Vulkanausbrüchen, enthält Asche und Sulfate.
  • Salzdunst: Aus Meersalz, typisch in Küstenregionen.

Auswirkungen von Dunst

Sichtweite

Dunst verringert die Sichtweite drastisch und beeinflusst Verkehr und Landschaftsästhetik:

  • Luftfahrt: Verschlechtert Sicht auf Landebahnen, Gelände und Verkehr; erschwert VFR-Betrieb.
  • See-/Straßenverkehr: Erhöht Navigationsfehler und Unfallrisiko.
  • Landschaftsverlust: Dämpft Landschaften und verdeckt entfernte Merkmale.

Luftfahrt & Verkehrssicherheit

  • Fehlanflüge/Umleitungen: Sicht unter Mindestwerten verhindert sichere Landungen.
  • Erhöhte Arbeitsbelastung der Piloten: Mehr Instrumentennutzung, Risiko visueller Täuschungen.
  • Runway Incursions/CFIT: Geringer Kontrast erhöht betriebliche Gefahren.

Gesundheit

  • Atemwegs-/Herz-Kreislauf-Risiko: Feine Partikel (PM2,5/PM10) verursachen oder verschlimmern Asthma, Bronchitis, Herzkrankheiten und erhöhen die Sterblichkeit.
  • Gefährdete Gruppen: Kinder, ältere Menschen und chronisch Kranke sind besonders gefährdet.
  • Chronische Exposition: Langfristiger Dunst erhöht Morbiditäts- und Sterblichkeitsraten.

Umwelt- & Klimaauswirkungen

  • Verminderte Landschaftsqualität: Verblasste Farben, Verlust der Sichtqualität in Parks und Naturräumen.
  • Versauerung: Sulfate/Nitrate im Dunst lagern sich ab und versauern Böden/Wasser.
  • Klima: Aerosole beeinflussen Strahlungsbilanz, Wolkenbildung und regionales Wetter.

Überwachung, Messung und Berichterstattung

Sichtweitenmessung

  • Menschliche Beobachtung: Orientierung an bekannten Landmarken.
  • Transmissometer: Messen Lichtdämpfung über eine feste Strecke.
  • Nephelometer: Bestimmen Lichtstreuung durch Partikel.
  • Fernerkundung: Satelliten (MODIS, CALIPSO) und bodengestütztes LIDAR erfassen Aerosole und Dunst.

Luftqualität und Spezialnetzwerke

  • PM2,5/PM10-Messgeräte: Überwachen Feinstaub/Grubstaub in Echtzeit.
  • AQI: Fasst Daten zu Gesundheitsrisikokategorien zusammen.
  • IMPROVE/AERONET: Spezialnetzwerke für Schutzgebiete und Klimaforschung.

Meteorologische Standards

  • METAR/SPECI: ‘HZ’-Code wird verwendet, wenn die Sichtminderung durch trockene Partikel verursacht wird.
  • ICAO/WMO: Definieren internationale Kriterien für Dunstmeldungen.

Bemerkenswerte Fallstudien

Nationalparks

Clear vs. hazy conditions at Look Rock, Great Smoky Mountains National Park.

Nationalparks wie der Grand Canyon und die Great Smoky Mountains erleben dramatische Sichtverluste durch Dunst; Aussichten von über 100 Meilen reduzieren sich auf unter 20 Meilen.

Asiatischer Dunst

Wald- und Torfbrände in Indonesien verursachen grenzüberschreitenden Dunst, der die Luftqualität und den Verkehr in Südostasien beeinträchtigt. Schwere Ereignisse schließen Flughäfen, unterbrechen den Schiffsverkehr und führen zu Gesundheitskrisen.

Vulkanischer Vog

Große Ausbrüche (z. B. Kīlauea, Eyjafjallajökull) schleudern Asche und Sulfataerosole in die Luft, was regionalen oder globalen Dunst erzeugt, der Wochen bis Monate anhalten kann.

Städtischer photochemischer Smog

Städte wie Los Angeles und Peking erleben photochemische Dunstereignisse durch Fahrzeug- und Industrieemissionen, Sonnenlicht und Inversionen – mit starker Sichtminderung und Gesundheitsrisiken.

Anwendungsfälle und Anwendungen

Luftfahrtmeteorologie

  • Flugplanung: METAR- und TAF-Berichte informieren Piloten/Disponenten über Dunst.
  • Anflug/Landung: Dunst beeinflusst die Verfügbarkeit visueller und instrumenteller Verfahren.
  • VFR/IFR-Übergänge: Dunst kann IFR-Betrieb oder Flugausfälle erzwingen.

Wetterdienste

  • Warnungen/Hinweise: Bei starkem Dunst werden entsprechende Meldungen ausgegeben.
  • Prognosen: Numerische Modelle sagen Dunstentwicklung und -verlagerung voraus.

Umweltpolitik

  • Emissionskontrollen: Beschränkungen können bei starkem Dunst durchgesetzt werden.
  • Regionale Dunstprogramme: Ziel: Sichtverbesserung in Schutzgebieten.

Fernerkundung & Klima

  • Satellitenüberwachung: Bietet Echtzeit-Karten des Dunstgeschehens.
  • Klimamodellierung: Berücksichtigt Aerosoleffekte auf Strahlungsantrieb und Wolkeneigenschaften.

Öffentliche Gesundheit

  • Hinweise: Informieren über Luftqualitätsrisiken und Schutzmaßnahmen.
  • Forschung: Epidemiologische Studien quantifizieren die Gesundheitsauswirkungen von Dunst.

Umweltverträglichkeitsprüfung

  • Sichtweitenstudien: Werden bei der Planung neuer Industrie-/Kraftwerksprojekte zum Schutz von Landschaftspanoramen eingesetzt.

Dunst ist ein komplexes, facettenreiches Phänomen mit entscheidenden Auswirkungen auf Verkehr, Gesundheit, Umwelt und Klima. Seine Überwachung und Minderung stehen im Mittelpunkt der Luftfahrtsicherheit, des Luftqualitätsmanagements und des Erhalts der Naturschönheit weltweit.

Häufig gestellte Fragen

Wie unterscheidet sich Dunst von Nebel?

Dunst besteht aus trockenen, feinen Partikeln (Aerosolen), die Licht streuen, die Sichtweite verringern und dem Himmel ein verblasstes Aussehen verleihen. Nebel hingegen besteht aus schwebenden Wassertröpfchen und erfordert nahezu gesättigte Luftfeuchtigkeit, was zu einer viel dichteren Trübung und typischerweise geringerer Sichtweite führt (<1 km im Vergleich zu Dunst mit >1 km).

Warum ist Dunst in der Luftfahrtmeteorologie wichtig?

Dunst verringert die horizontale Sichtweite, besonders nahe der Oberfläche, und erschwert es Piloten, Landebahnen, Gelände und andere Flugzeuge zu erkennen. Er wird in METARs als 'HZ' gemeldet und kann zu Fehlanflügen, Umleitungen und verstärkter Instrumentennutzung führen, insbesondere unter Sichtflugregeln (VFR).

Was verursacht Dunst?

Dunst entsteht durch eine Mischung natürlicher und menschengemachter Aerosole wie Mineraltstaub, Sulfate, Nitrate, Meersalz, organische Verbindungen und Ruß. Diese Partikel streuen Sonnenlicht, und ihre Konzentration steigt mit Emissionen, Transport und atmosphärischer Stagnation. Hohe Luftfeuchtigkeit kann Dunst verstärken, indem sie hygroskopische Partikel anschwellen lässt, was mehr Licht streut.

Wie wird Dunst überwacht und gemeldet?

Dunst wird mithilfe bodengestützter Sichtbeobachtungen, Transmissometern, Nephelometern und Fernerkundung durch Satelliten (z.B. MODIS, CALIPSO) erfasst. In der Luftfahrt wird Dunst formal als 'HZ' in METAR- und SPECI-Codes gemeldet, wenn die Sichtminderung auf trockene Partikel und nicht auf Wassertröpfchen oder Niederschlag zurückzuführen ist.

Welche gesundheitlichen Auswirkungen hat Dunst?

Feine Partikel im Dunst (insbesondere PM2,5) können tief in die Lunge eindringen, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschlimmern und das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und vorzeitigen Tod erhöhen. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen und Personen mit chronischen Krankheiten.

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