Rettungs- und Feuerlöschdienst (RFFS/ARFF)

Airport operations Safety Emergency response ICAO

Rettungs- und Feuerlöschdienst (RFFS/ARFF): Notfallservices in der Luftfahrt

Überblick

Aircraft Rescue and Fire Fighting (ARFF) bzw. Rettungs- und Feuerlöschdienste (RFFS) sind hochspezialisierte, ausgebildete und ausgerüstete Notfalleinheiten, die weltweit an Flughäfen agieren. Ihre Aufgabe ist es, Leben und Sachwerte bei Notfällen in der Luftfahrt zu schützen – insbesondere bei Flugzeugbränden, Gefahrstoffunfällen und komplexen Rettungsmaßnahmen. RFFS/ARFF-Dienste arbeiten unter strengen internationalen, regionalen und nationalen Vorgaben und sind ein wesentlicher Bestandteil der globalen Luftfahrtsicherheit.

Rechtlicher Rahmen

Internationale Standards
Der ICAO-Anhang 14, Band 1, legt weltweite Mindestanforderungen für den RFFS fest, darunter:

  • Flughafenkategorisierung basierend auf dem größten regelmäßig bedienten Flugzeug
  • Mindestmengen an Löschmitteln und Fahrzeugen
  • Drei-Minuten-Reaktionszeit zu jedem Betriebsbereich der Start-/Landebahn
  • Verpflichtende Grund- und jährliche Fortbildung inkl. Realbrandübungen

Regionale und nationale Vorgaben

  • EASA (Europa): Erfordert detaillierte Aufgaben-/Ressourcenanalyse und Dokumentation (ADR.OPS.B.010)
  • FAA (USA): 14 CFR Part 139 definiert Standards für US-Flughäfen
  • UK CAA und andere: Fordern oft zusätzliche Reserven an Löschmitteln, Kompetenzrahmen und szenariobasierte Validierung

Flughafenkategorisierung und Kapazität

Flughäfen werden je nach Länge und Breite des größten Flugzeugs einer RFFS-Kategorie (1–10) zugeordnet. Dies bestimmt:

  • Zahl und Typ der Löschfahrzeuge
  • Mindestmengen an Wasser/Schaum
  • Erforderliche Zusatzmittel (Pulver, CO₂)
  • Mindestanzahl an geschultem Einsatzpersonal

Beispiel: ICAO-Kategorie 10 (größtes Flugzeug)

  • 3+ Großschaumlöschfahrzeuge
  • 32.000+ Liter Wasser für Schaumerzeugung
  • Mehrere Schnellangriffsfahrzeuge
  • Zusätzliches Personal für gleichzeitige Brandbekämpfung und Rettung

Die Kapazität wird durch Aufgaben- und Ressourcenanalysen sowie regelmäßige szenariobasierte Übungen validiert.

Reaktionszeit

Definition: Zeit von der Alarmierung bis zur ersten Löschmittelabgabe am Schadensort.

  • ICAO, EASA, FAA: Unter 3 Minuten bis zu jedem Punkt der Betriebslandebahn
  • Beeinflusst durch Standort der Wache, Fahrzeugleistung, Flughafenlayout, Wetter und Personal
  • Regelmäßige Überprüfung durch Zeitübungen

Verzögerungen oder Kapazitätsverluste (Fahrzeuge, Personal, Wetter) müssen per NOTAM gemeldet werden und können den Flugbetrieb einschränken.

RFFS/ARFF-Personal

Rollen & Kernaufgaben:

  • Fahrzeugbedienung
  • Löschmittelabgabe
  • Schlauch- und Strahlrohreinsatz
  • Unterstützung bei Rettung und Evakuierung
  • Einsatzleitung

Personalausstattung:

  • Bestimmt durch Flughafenkategorie und validiert durch Aufgaben-/Ressourcenanalyse
  • Ausreichend, um alle kritischen Aufgaben gleichzeitig auszuführen

Ausbildung:

  • Grund- und jährliche Fortbildung (Realbrand, Rettung, Flugzeugkunde, Gefahrstoffe)
  • Einhaltung von ICAO-, EASA-, FAA- und nationalen Standards
  • Kompetenznachweise werden geführt und regelmäßig geprüft

Ausrüstung, Fahrzeuge und Löschmittel

Fahrzeuge

  • Großschaumlöschfahrzeuge: Große, schnelle Fahrzeuge mit Hochleistungs-Schaum-/Wassertanks, Dach- und Frontwerfern
  • Schnellangriffsfahrzeuge (RIVs): Kleinere, schnelle Fahrzeuge für Soforteinsätze
  • Spezialfahrzeuge: Rettungstreppen, Leitern, Amphibienfahrzeuge für Wasser-/Sumpfeinsätze

Löschmittel

  • AFFF (Aqueous Film Forming Foam): Für Kerosinbrände, bildet eine dampfdichte Sperrschicht
  • Pulverlöschmittel (z. B. Purple-K): Für schnelles Ablöschen von Kraftstoff- und Elektrobränden
  • CO₂: Für den Einsatz in engen Räumen oder bei Elektrobränden

Rettungswerkzeuge & PSA

  • Schläuche, Strahlrohre, Zwangsöffnungswerkzeuge (Äxte, hydraulische Spreizer/Schneider)
  • Wärmebildkameras, Beleuchtungs- und Funkgeräte
  • PSA: Hitzeschutzanzüge (aluminiert), Pressluftatmer (PA), Rettungswesten für Wasserrettung

Einsatzleitung und Notfallplanung

Integration:

  • RFFS ist zentraler Bestandteil des Flughafen-Notfallplans (AEP) und arbeitet eng mit Sanitätsdiensten, Polizei und externer Feuerwehr zusammen
  • Einsatzleitungssystem sorgt für abgestimmte und priorisierte Reaktion

Einsatzstrategien:

  • Sofortige Schaumanwendung von außen zur Brandunterdrückung und Schaffung von Evakuierungswegen
  • Gleichzeitiger Einsatz von Rettungsteams für Zugang zur Kabine und Personenrettung
  • Zusammenarbeit mit externen Kräften bei Gefahrstoffunfällen, Massenanfällen oder Vorfällen außerhalb des Flughafengeländes

Besondere Aspekte

Herausfordernde Einsatzgebiete:

  • Flughäfen mit Wasser-/Sumpfnähe benötigen Amphibienfahrzeuge, Rettungsboote und spezielle Schulungen

Wartung & Einsatzbereitschaft:

  • Fahrzeuge und Ausrüstung werden ständig überprüft
  • Jede Einschränkung der Einsatzbereitschaft löst NOTAMs aus und kann die Flughafennutzung einschränken

Zusammenarbeit:

  • Effektive Kooperation mit Medizin, Polizei und externer Feuerwehr
  • Regelmäßige Großübungen und Entwicklung von Kommunikationsprotokollen

Aufsichtsbehörden:

  • Häufige Audits/Kontrollen zur Einhaltung von Vorgaben bei Personal, Ausbildung, Ausrüstung und Reaktionszeit

Umwelt- und Betriebstrends

  • Zunehmender Wechsel zu fluorfreien Schaumlöschmitteln zur Reduzierung der Umweltbelastung (PFAS-Problematik)
  • Verbesserte Auffang- und Reinigungsverfahren für Löschmittelrückstände
  • Nutzung fortschrittlicher PSA- und Fahrzeugtechnologien
  • Szenariobasierte, kompetenzorientierte Ausbildungsrahmen

Glossar wichtiger Begriffe

BegriffDefinition
ARFF/RFFSSpezialisierte Flughafenfeuerwehr für Notfalleinsätze in der Luftfahrt.
ReaktionszeitZeitraum von der Alarmierung bis zur ersten Löschmittelabgabe am Einsatzort.
ICAO-KategorieSystem zur Flughafeneinstufung für den RFFS nach größtem bedientem Flugzeug.
GroßschaumlöschfahrzeugGroßes Löschfahrzeug mit Hochleistungs-Schaum-/Wassertank.
Schnellangriffsfahrzeug (RIV)Kleines, schnelles Fahrzeug für Soforteinsätze.
AFFF (Aqueous Film Forming Foam)Hauptschaummittel für Kerosinbrände.
PulverlöschmittelPulver für schnelles Ablöschen von Bränden.
Pressluftatmer (PA)Atemschutzgerät für RFFS-Personal.
HitzeschutzanzugHitzereflektierender Anzug zum Schutz vor Feuer.
Flughafen-Notfallplan (AEP)Integrierter Notfallplan für den Flughafen.
Aufgaben- und RessourcenanalyseBewertung des Mindestbedarfs an Personal/Ausrüstung für den RFFS.
RealbrandübungÜbung zur Simulation von Flugzeugbränden.
NOTAMNotice to Airmen; Meldung zur Flughafenkapazität.
RumpfdurchdringungswerkzeugWerkzeug zum Aufbrechen des Flugzeugrumpfs.
EinsatzleitungStrukturiertes Notfallführungssystem.
ZusatzlöschmittelErgänzende Löschmittel (z. B. CO₂, Pulver).

Beispielszenarien

Flugzeugbrand auf der Startbahn:
RFFS-Fahrzeuge treffen innerhalb von drei Minuten ein, setzen Schaum zur Brandbekämpfung ein, schaffen Evakuierungswege und unterstützen die Rettungskräfte beim Betreten des Flugzeugs.

Flugunfall im Wasser:
Amphibienfahrzeuge und Rettungsboote kommen zum Einsatz. Das Personal nutzt Rettungswesten und tragbare Löscher, um Feuer zu bekämpfen und Überlebende zügig zu retten.

Gefahrgutunfall:
Der RFFS verwendet Speziallöschmittel, befolgt HAZMAT-Protokolle, koordiniert mit Gefahrstoffteams und minimiert Exposition sowie Umweltauswirkungen.

Best Practices und zukünftige Herausforderungen

  • Modernisierung der Fahrzeugflotte für Zuverlässigkeit und effektive Löschmittelabgabe
  • Umstellung auf fluorfreie Schaummittel
  • Betonung szenariobasierter, kompetenzorientierter Ausbildung
  • Stärkung der Zusammenarbeit mit anderen Einsatzkräften
  • Lückenlose Dokumentation und regelmäßige Audits der Einsatzbereitschaft

Fazit

Rettungs- und Feuerlöschdienste (RFFS/ARFF) sind ein unverzichtbarer Bestandteil der Flughafensicherheitsinfrastruktur und gewährleisten eine schnelle, effektive Notfallreaktion auf Luftfahrtvorfälle. Durch intensive Ausbildung, moderne Ausrüstung und die Einhaltung internationaler Standards schützen sie Leben und Sachwerte und sichern weltweit höchste Standards der Luftfahrtsicherheit.

Häufig gestellte Fragen

Was ist die Hauptaufgabe des RFFS/ARFF an Flughäfen?

RFFS/ARFF-Einheiten sind spezialisierte Notfallteams an Flughäfen, die für das schnelle Eingreifen bei Luftfahrtvorfällen – vor allem Flugzeugbränden, Gefahrstoffnotfällen und Rettungseinsätzen – verantwortlich sind. Ihr Hauptziel ist es, die Überlebenschancen von Passagieren und Besatzung zu maximieren, Gefahren einzudämmen und sichere Evakuierungen zu unterstützen.

Welche Vorschriften regeln die RFFS/ARFF-Einsätze?

RFFS/ARFF-Einsätze unterliegen internationalen Vorgaben wie ICAO Anhang 14, regionalen Bestimmungen wie EASA ADR.OPS.B.010 und nationalen Vorschriften, z.B. FAA Part 139 in den USA. Diese regeln Antwortzeiten, Ausrüstung, Personal, Ausbildung und Einsatzprotokolle.

Wie wird die benötigte RFFS-Kapazität für einen Flughafen bestimmt?

Die RFFS-Kapazität richtet sich in erster Linie nach dem größten regelmäßig eingesetzten Flugzeug am Flughafen, wobei Gesamtlänge und Rumpfbreite berücksichtigt werden. Die ICAO teilt Flughäfen in 10 Kategorien ein, die jeweils Mindestanforderungen an Fahrzeuge, Löschmittel und geschultes Personal festlegen, um die Einsatzbereitschaft für den schlimmsten Fall zu gewährleisten.

Wie schnell muss der RFFS/ARFF reagieren?

Die ICAO schreibt vor, dass RFFS/ARFF jede Stelle einer in Betrieb befindlichen Start- und Landebahn innerhalb von drei Minuten nach der Alarmierung erreichen und mit der Löschmittelabgabe beginnen muss – unter optimalen Bedingungen. Dieser Standard gilt weltweit und wird regelmäßig durch Zeitübungen überprüft.

Welche Ausrüstung und Löschmittel verwendet der RFFS/ARFF?

RFFS/ARFF-Einheiten setzen speziell gebaute Fahrzeuge wie Großschaumlöschfahrzeuge und Schnellangriffsfahrzeuge ein, ausgestattet mit Hochleistungs-Schaum-/Wassertanks, Pulverlöschmitteln und Spezialwerkzeugen für Rettungen. Das Personal trägt Schutzausrüstung wie Hitzeschutzanzüge und Pressluftatmer (PA).

Wie werden RFFS/ARFF-Mitarbeiter geschult?

Das Personal absolviert eine Grund- und regelmäßige Fortbildung, einschließlich Realbrandübungen, Flugzeugkunde, Gefahrstoffhandhabung, Rettungsabläufe und regelmäßigen Kompetenzüberprüfungen – alles gemäß ICAO-, EASA- oder nationalen Standards.

Was passiert bei verringerter RFFS-Fähigkeit?

Jede Verringerung der RFFS-Fähigkeit – etwa durch Ausrüstungs- oder Personalengpässe – muss umgehend per NOTAM gemeldet werden. Aufsichtsbehörden können betriebliche Einschränkungen verhängen, bis die volle Einsatzbereitschaft wiederhergestellt ist, um die Sicherheit zu gewährleisten.

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