Surveillance Radar Element (SRE)

ATC Radar Military Approach Control

Surveillance Radar Element (SRE): Technische Detailreferenz

Das Surveillance Radar Element (SRE) ist ein kritisches, spezialisiertes bodengestütztes Radarsystem, das vorwiegend an Militärflugplätzen und ausgewählten gemischt genutzten Flugplätzen eingesetzt wird. Seine Hauptfunktion ist die weiträumige, panoramische Überwachung der Anflug- und Nahbereichszonen, wodurch Fluglotsen Flugzeuge auch bei Instrumentenflugbedingungen (IMC) ohne Sicht zuverlässig erkennen, verfolgen und vektorisieren können.

Zentrale Aufgaben und Rolle in der Anflugkontrolle

SREs bilden das Rückgrat der Überwachungsradar-Komponente in Präzisionsanflugsystemen und arbeiten eng mit Präzisionsanflugradaren (PAR) zusammen. Während das SRE ausschließlich Informationen zu Azimut (seitliche Richtung) und Entfernung (Distanz) liefert – also keine vertikalen (Höhen-)Daten – sind diese für das initiale und mittlere Anflug-Vektorisieren, die Staffelung der Ankünfte und das Ausrichten der Flugzeuge auf die Bahnachse vor der Endanflug-Phase essenziell.

Der typische Betriebsablauf mit SRE umfasst:

  • Initialer Anflug: Lotsen nutzen SRE-Daten, um anfliegende Flugzeuge im Nahbereich zu identifizieren und zu staffeln und dadurch sichere Abstände sowie einen effizienten Verkehrsfluss zu gewährleisten.
  • Zwischenanflug: Flugzeuge werden anhand von Kurs- und Entfernungsdaten so vektorisiert, dass sie mit der verlängerten Bahnachse ausgerichtet werden.
  • Übergang zum Endanflug: Am Initial Approach Fix (IAF) oder einem vergleichbaren Punkt erfolgt die Übergabe an den PAR-Lotsen, der dann mittels präziser seitlicher und vertikaler Führung den Endanflug steuert.

Dieses Verfahren ist besonders im militärischen Umfeld entscheidend, wo Wetter, Betriebsdichte und unterschiedliche Flugzeugleistungen maximale Flexibilität und Zuverlässigkeit erfordern.

Technische Merkmale und Architektur

Moderne SRE-Systeme sind auf hohe Leistungsfähigkeit, Modularität und Ausfallsicherheit ausgelegt. Nachfolgend wesentliche technische Merkmale moderner SRE-Installationen:

  • Frequenzbereich: S-Band (2–4 GHz) für primäre Überwachung; viele Systeme integrieren auch L-Band (SSR) für Transponderabfrage.
  • Reichweite & Abdeckung: Bis zu 70 nautische Meilen (NM) mit 360°-Rundumsicht; Sektorblanking für bis zu acht Sektoren zur Steuerung von EMV und Emissionssicherheit.
  • Antenne: Elektronisch gesteuerte Dualbeam-Antenne mit umschaltbarer Polarisation (linear/zirkular) für optimale Detektion unter wechselnden Umweltbedingungen.
  • Sender/Empfänger: Solid-State, modular, fehlertolerante Architektur; adaptive Wellenformgenerierung für szenariospezifische Pulsformen.
  • Clutter-Unterdrückung: Digitale Signalverarbeitung mit Adaptive Sensitivity Time Control (STC), Puls-Kompression und adaptiver beweglicher Zielerkennung (A-MTD).
  • BIT & Überwachung: Umfassende integrierte Selbsttests (BIT) für die Überwachung der Systemgesundheit; unterstützt schnelle Wartung und Fehlerisolierung.
  • Fern-/Unbemannter Betrieb: Sichere, vernetzte Schnittstellen ermöglichen Fernsteuerung und -überwachung – auch für Standorte mit minimaler oder keiner Personalbesetzung.
ParameterSpezifikation
Maximale ReichweiteBis zu 70 NM
FrequenzbereichS-Band (PSR), L-Band (SSR)
SektorblankingBis zu 8 Sektoren
PolarisationLinear/Zirkular (umschaltbar)
SendertypSolid State, modular, fehlertolerant
Clutter-UnterdrückungAdaptive STC, digitale Puls-Kompression, A-MTD
AntenneDualbeam, elektronische Steuerung
FernbetriebUnterstützt, mit vollständiger Statusüberwachung
BIT-AbdeckungVon der Antenne bis zur Signalauswertung

Betriebskontext: Militär und zivile Nutzung

Militärische Anwendungen

SREs sind unverzichtbar an Militärflugplätzen und unterstützen:

  • Allwetterbetrieb für unterschiedlichste Luftfahrzeuge (Jets, Transporter, Hubschrauber)
  • Schnelle Staffelung und Vektorisierung bei komplexen Anflugmustern oder taktischen Szenarien
  • Redundanz bei Ausfall von ILS, GNSS oder anderen Navigationshilfen
  • Betriebssicherheit durch Sektorblanking und Emissionskontrolle

In Frankreich sind SRE- und PAR-Anflüge gesetzlich ausschließlich Militärflügen (Circulation Aérienne Militaire, CAM) vorbehalten, zivile Nutzung ist auf Notfälle beschränkt. Die Verfahren sind im französischen Militär-AIP (MilAIP) dokumentiert.

Zivile und gemischt genutzte Flugplätze

In den USA und einigen anderen Ländern können SRE-ähnliche Anflüge (häufig als ASR oder SRA bezeichnet) für gemischt genutzte Flughäfen veröffentlicht sein. Hier können berechtigte Zivilflugzeuge Radar-Vektoranflüge nach diesem Prinzip anfordern, reine SRE-Verfahren bleiben jedoch im reinen Zivilbereich selten.

SRE vs. PAR, ASR und SRA

SystemSeitliche FührungVertikale FührungRolleTypischer Einsatz
SREJaNeinAnflugvektorisierungMilitärflugplätze
PARJaJaPräziser EndanflugMilitärflugplätze
ASRJaNeinNicht-präziser AnflugZivil/militärische Flugplätze
SRAJaNeinNicht-präziser AnflugZivil/militärische Flugplätze
SRE- und PAR-Systemdiagramm

Vorschriften und regionale Unterschiede

  • Frankreich: SRE und PAR sind strikt militärisch; Verfahren nur im MilAIP zu finden.
  • USA: ASR- und PAR-Anflüge sind für einige gemischt genutzte Flughäfen veröffentlicht; zivile Nutzung an dafür vorgesehenen Standorten mit entsprechenden Minima erlaubt.
  • UK/Commonwealth: SRA-Verfahren bieten vergleichbare Controller-Vektoranflüge gemäß ICAO und nationalen Regelungen.

Anwendungsfälle und Beispiele

  • Militärisch (z.B. Luftwaffenstützpunkt Avord, Frankreich): SRE führt militärische Anflüge zum IAF, dann Übergabe an PAR für die Präzisionslandung. Zivile Nutzung nur im Notfall.
  • Zivil (z.B. Nassau, Bahamas): SRE-Anflugkarten für bestimmte Bahnen veröffentlicht; Lotsen geben Kurs und Entfernung an, Piloten müssen die Bahn visuell aufnehmen.
  • Gemischt genutzt (z.B. Key West International, USA): ASR-Anflüge für Militär und autorisierten zivilen Verkehr verfügbar.

Betriebsszenarien:

  • Betrieb bei schlechter Sicht oder IMC als primäre oder Backup-Anflugmethode
  • Ausbildung von Lotsen und Piloten für nicht-präzise, bodenkontrollierte Anflüge
  • Notbetrieb bei Ausfall von ILS oder GNSS-Navigationshilfen

Abkürzungen

AbkürzungBedeutung
SRESurveillance Radar Element
PARPräzisionsanflugradar
GCAGround-Controlled Approach
ASRAirport Surveillance Radar
SRASurveillance Radar Approach
CAMCirculation Aérienne Militaire (Militärische Flüge, FR)
CAGCirculation Aérienne Générale (Zivile Flüge, FR)
IAFInitial Approach Fix
SSRSekundärradar (Secondary Surveillance Radar)
PSRPrimärradar (Primary Surveillance Radar)

Bildreferenz

Zusammenfassung

Das Surveillance Radar Element (SRE) ist eine grundlegende Technologie der militärischen Anflugkontrolle und ermöglicht einen sicheren, effizienten und widerstandsfähigen Bahnbetrieb unter allen Wetterbedingungen. Seine leistungsfähigen Überwachungs-, Vektorisierungs- und Redundanzfunktionen bieten entscheidende Unterstützung für den routinemäßigen und den Notbetrieb auf Flugplätzen.

Für weitere Informationen zur Integration oder Modernisierung von SRE-Fähigkeiten an Ihrem Standort kontaktieren Sie uns oder vereinbaren Sie eine Demo .

Häufig gestellte Fragen

Was macht das Surveillance Radar Element (SRE)?

Das SRE liefert den Fluglotsen Echtzeit-Radardaten zur Flugzeugposition in Azimut (Richtung) und Entfernung (Distanz). Es wird verwendet, um Flugzeuge während der Anflugphase – insbesondere an Militärflugplätzen – zu überwachen und zu vektorisieren und sorgt so für eine sichere Staffelung und Ausrichtung auf die Landebahn, bevor an das Präzisionsanflug-System übergeben wird.

Wie unterscheidet sich ein SRE von einem Präzisionsanflugradar (PAR)?

Das SRE liefert ausschließlich Azimut- und Entfernungsinformationen und bietet eine weiträumige Überwachung für die Initial- und Zwischenanflugphasen. Das PAR hingegen stellt sowohl seitliche (Azimut) als auch vertikale (Elevation) Führung in einem engen Sektor für die finale Präzisionsanflugphase bereit und führt das Flugzeug bis zur Landeschwelle.

Wird das SRE in der zivilen Luftfahrt eingesetzt?

Das SRE ist primär eine militärische Technologie. An manchen gemischt genutzten (zivil-militärischen) Flughäfen können ähnliche Verfahren auch für zivile Flugzeuge verfügbar sein, aber reine SRE-Systeme und -Verfahren sind meist militärischen Flügen vorbehalten – insbesondere in Ländern wie Frankreich. In den USA können vergleichbare ASR- und PAR-Anflüge für zivile Nutzung an bestimmten Flughäfen veröffentlicht werden.

Was sind die wichtigsten technischen Merkmale moderner SRE-Systeme?

Moderne SREs nutzen S-Band-Frequenzen für optimale Erkennung und Wetterdurchdringung, elektronisch gesteuerte Dualbeam-Antennen, Solid-State-Sender und fortschrittliche digitale Signalverarbeitung zur Clutter-Unterdrückung und beweglichen Zielerfassung. Viele unterstützen Fernbedienung und unbemannten Betrieb, Sektorblanking und durchgehende integrierte Selbsttests (BIT) für hohe Zuverlässigkeit.

Warum sind SREs bei schlechter Sicht oder eingeschränkten Betriebsbedingungen wichtig?

Wenn visuelle Anhaltspunkte fehlen (z.B. Nebel, Nacht, starker Niederschlag), liefern SREs den Lotsen präzise und aktuelle Positionsdaten der Flugzeuge. Dadurch ist eine sichere Anflug-Staffelung und Bahnzuweisung möglich, sodass die Staffelungs- und Sicherheitsabstände auch bei Ausfall primärer Navigationshilfen eingehalten werden.

Können SREs unbemannt oder ferngesteuert betrieben werden?

Ja, moderne SRE-Installationen unterstützen häufig die Fern- oder sogar den unbemannten Betrieb, wobei Überwachung und Steuerung von zentralen Flugsicherungsstellen über sichere Netzwerke erfolgen. Dadurch ist eine Radarabdeckung auch an abgelegenen oder wenig besetzten Flugplätzen ohne ständiges Vor-Ort-Personal möglich.

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