Telemetrie

Observability Monitoring Aviation IT Infrastructure

Telemetrie-Glossar: Umfassender Leitfaden zu Begriffen, Architektur und Anwendung

Telemetrie

Telemetrie ist die automatische Messung und Fernübertragung von Daten aus verteilten Quellen an einen zentralen Ort zur Überwachung, Analyse und Steuerung. Der Begriff stammt aus dem Griechischen tele (fern) und metron (messen) und ermöglicht die Sammlung von Betriebsparametern durch Sensoren oder Software-Agenten, die in Maschinen, Fahrzeugen oder digitalen Plattformen eingebettet sind.

Telemetrie bildet das Rückgrat von mission-kritischen Systemen in der Luftfahrt, Raumfahrt, IT-Infrastruktur, Energie, Gesundheitswesen und darüber hinaus. Sie funktioniert über eine Kette: Sensoren oder Agenten messen physikalische oder digitale Phänomene (Temperatur, Geschwindigkeit, Spannung, Systemleistung), übertragen Daten über verschiedene Kanäle (RF, Satellit, Mobilfunk, Ethernet) und liefern sie an ein zentrales System zur Speicherung, Visualisierung und automatisierten Reaktion.

In der Luftfahrt ist Telemetrie entscheidend für die Echtzeit-Überwachung von Flugzeugzustand, prädiktive Wartung und Einhaltung gesetzlicher Vorschriften. ICAO- und ARINC-Standards gewährleisten Interoperabilität und Datenintegrität und definieren strenge Anforderungen für Luftfahrt-Telemetriesysteme.

Sensor

Ein Sensor ist ein Gerät, das physikalische Phänomene – wie Temperatur, Druck, Beschleunigung, Feuchtigkeit oder Magnetfelder – erkennt und darauf reagiert, indem es diese in Signale zur Messung und Übertragung umwandelt.

Sensoren sind die Grundlage der Telemetrie und verbinden die physische Welt mit digitalen Überwachungsplattformen. In der Luftfahrt überwachen Sensoren kritische Parameter wie Fluggeschwindigkeit (Staurohre), Höhe, Triebwerksleistung (Vibration, EGT) und Umweltbedingungen. Moderne Sensoren verfügen oft über integrierte Diagnosen, Analog-Digital-Wandlung und müssen strengen Standards für Genauigkeit und Zuverlässigkeit (ICAO, ARINC) entsprechen.

Software-Agent

Ein Software-Agent ist ein leichtgewichtiges, autonomes Programm, das auf Servern, Endpunkten oder eingebetteten Geräten läuft, um digitale Telemetrie wie CPU-Auslastung, Speicherverbrauch, Netzwerkmetriken, Logs und Traces zu erfassen, vorzuverarbeiten und zu übertragen. Software-Agenten ermöglichen die Echtzeit-Überwachung in IT und Avionik und sind oft für den Einsatz in regulierten Umgebungen zertifiziert. Agenten können Daten aggregieren, filtern und sicher an zentrale Observability-Plattformen übertragen.

Metrik

Eine Metrik ist eine quantitative Messgröße, die im Zeitverlauf verfolgt wird – wie CPU-Auslastung, Speicherverbrauch, Netzwerklatenz, Motordrehzahl oder Umgebungstemperatur. Metriken werden typischerweise in Zeitreihendatenbanken (TSDBs) gespeichert und unterstützen Schwellenwertalarme, Trendanalysen und Kapazitätsplanung. Luftfahrtmetriken umfassen Höhe, Steigrate, Kabinendruck und mehr.

Ereignis

Ein Ereignis ist ein diskretes, mit Zeitstempel versehenes Vorkommnis, das eine bedeutende Änderung oder Aktion darstellt – wie Benutzeranmeldungen, Systemfehler, Konfigurationsänderungen oder Hardwareausfälle. Ereignisse werden mit Metadaten protokolliert und unterstützen forensische Analysen, Incident Response und Compliance-Audits.

Protokoll

Ein Protokoll ist ein Datensatz über Aktionen, Statusänderungen und Betriebsnachrichten, die von Systemen, Anwendungen oder Geräten generiert werden. Protokolle sind unverzichtbar für Debugging, Auditing und Sicherheitsanalysen und werden häufig von Plattformen wie ELK Stack oder Splunk erfasst, geparst und indexiert. Luftfahrtprotokolle (FDR/QAR) sind entscheidend für die Nachflug-Analyse und Unfalluntersuchungen.

Trace

Ein Trace verfolgt den End-to-End-Pfad einer Anfrage oder Transaktion über mehrere Komponenten hinweg und zeigt Abhängigkeiten, Zeitverläufe und Fehlerpunkte auf. Traces sind in verteilten Systemen (Mikroservices, IMA-Avionik) für Ursachenanalysen und Leistungsoptimierung unerlässlich. Standards wie OpenTracing und OpenTelemetry definieren portable Trace-Formate.

MELT (Metrics, Events, Logs, Traces)

MELT steht für Metrics, Events, Logs und Traces – die vier Säulen von Telemetriedaten. Gemeinsam bieten sie eine ganzheitliche Sicht auf Systemgesundheit und -verhalten und ermöglichen proaktive Überwachung, Fehlersuche und Optimierung. MELT ist grundlegend für Observability-Plattformen und wird von Organisationen wie CNCF und OpenTelemetry empfohlen.

Zeitreihendatenbank (TSDB)

Eine Zeitreihendatenbank (TSDB) ist für die Speicherung und Abfrage von Telemetriedaten nach Zeit optimiert. TSDBs (z.B. Prometheus, InfluxDB) verarbeiten hochfrequente Metrikströme, unterstützen Aufbewahrungsrichtlinien, Aggregation und schnellen Zugriff für Echtzeit- und historische Analysen – unverzichtbar für Luftfahrt- und Industrieüberwachung.

Data Lake

Ein Data Lake ist ein zentrales Repository zur Speicherung strukturierter und unstrukturierter Telemetriedaten im großen Maßstab. Data Lakes ermöglichen die Rohdatenaufnahme (Sensorströme, Protokolle, Binärdateien) sowie flexible Analysen, maschinelles Lernen und Compliance-Berichte. Effektive Data-Governance ist besonders in regulierten Branchen wie der Luftfahrt essenziell.

Protokoll

Ein Protokoll definiert Regeln zur Kodierung, Übertragung und Interpretation von Telemetriedaten. Beispiele sind:

  • MQTT: Leichtgewichtig, für IoT/ferne Sensoren.
  • HTTP/HTTPS: Webbasierte Telemetrie und APIs.
  • Modbus, OPC UA: Industrielle Automatisierung.
  • gRPC: Hochleistungsfähige Microservices.
  • SNMP: Netzwerkgeräteüberwachung.
  • ARINC 429/615A, ACARS, ADS-B: Luftfahrtstandards.

Die Protokollauswahl hängt von Bandbreite, Latenz, Zuverlässigkeit, Sicherheit und Compliance ab.

Observierbarkeit

Observierbarkeit ist die Fähigkeit, den internen Zustand eines Systems anhand seiner externen Ausgaben (Metriken, Ereignisse, Protokolle, Traces) abzuleiten. Observability-Plattformen aggregieren und analysieren MELT-Daten und ermöglichen Teams, Fragen wie „Was passiert?“, „Warum?“ und „Wie beheben?“ zu beantworten. In der Luftfahrt unterstützt Observierbarkeit kontinuierliche Sicherheitsgarantie und proaktives Risikomanagement.

Überwachung

Überwachung ist die kontinuierliche Messung und Alarmierung anhand von Systemzustands- und Leistungsindikatoren, die aus Telemetrie abgeleitet werden. Überwachungsplattformen (z.B. Prometheus, Nagios) bieten Dashboards, Benachrichtigungen und Integration in Incident-Workflows. In der Luftfahrt ist robuste Überwachung für Flugsicherheit und Compliance vorgeschrieben.

Prädiktive Wartung

Prädiktive Wartung nutzt Telemetrie und Analytik, um Geräteausfälle vorherzusagen und proaktive Maßnahmen zu ermöglichen. Durch die Analyse von Trends bei Vibration, Temperatur oder Fehlerraten schätzen prädiktive Modelle die verbleibende Lebensdauer von Komponenten. Flugzeugflotten setzen prädiktive Wartung ein, um Ausfallzeiten zu reduzieren und Wartungspläne zu optimieren.

Security Information and Event Management (SIEM)

SIEM-Plattformen aggregieren und analysieren Sicherheits-Telemetrie (Protokolle, Alarme, Ereignisse) für die Echtzeit-Erkennung und Reaktion auf Bedrohungen. SIEM unterstützt Compliance, schnelle Incident Response und die Integration in umfassende Observability-Pipelines. Luftfahrt-SIEM-Systeme überwachen IT- und Betriebssysteme auf Cyber-Bedrohungen und orientieren sich an ICAO-Cybersicherheitsstandards.

Datenübertragung

Datenübertragung in der Telemetrie umfasst die Kodierung und Übermittlung gemessener Daten an einen zentralen Hub mittels RF, Satellit, Mobilfunk, Ethernet oder serieller Verbindungen. Luftfahrt-Telemetrie nutzt Protokolle wie ARINC 429, ACARS und ADS-B, mit Redundanz und Verschlüsselung für Sicherheit und Zuverlässigkeit. Die Kanalauswahl hängt von Reichweite, Bandbreite und regulatorischen Vorgaben ab.

Datenverarbeitung

Datenverarbeitung umfasst das Bereinigen, Normalisieren, Anreichern und Validieren von Telemetrie vor Speicherung oder Analyse. Die Verarbeitung sichert Genauigkeit, Aktualität und Integrität der Daten – entscheidend für Compliance und operatives Vertrauen. Fortgeschrittene Pipelines können maschinelles Lernen für Anomalieerkennung oder prädiktive Analysen einsetzen.

Datenspeicherung

Datenspeicherung bezeichnet Mechanismen zur dauerhaften Ablage von Telemetriedaten – von Bord-Speichern bis zu Cloud- oder On-Premises-Datenbanken. Speichersysteme müssen hohe Aufnahmegeschwindigkeiten, Komprimierung, Aufbewahrungsrichtlinien und die Einhaltung von Vorschriften (z.B. ICAO-Vorgaben zur FDR-Datenaufbewahrung) unterstützen. Gestaffelte Speicherung optimiert Leistung und Kosten.

Visualisierung

Visualisierung wandelt Telemetrie in Dashboards, Diagramme und Karten um, um schnelle Situationsübersicht und Entscheidungsfindung zu ermöglichen. In der Luftfahrt versorgt Visualisierung Betriebszentren und Cockpit-Displays. Hochwertige Tools bieten interaktive Analysen, Alarmintegration und intuitive Gestaltung für betriebliche Sicherheit.

Benachrichtigung

Benachrichtigung ist die automatisierte Meldung abnormaler Bedingungen, die in Telemetrieströmen erkannt werden. Alarme können per E-Mail, SMS, Dashboards oder Incident-Plattformen gesendet und automatische Korrekturmaßnahmen auslösen. Effektive Benachrichtigung balanciert Sensitivität und Spezifität und ist durch Luftfahrtsicherheitsstandards vorgeschrieben.

Redundanz

Redundanz ist die doppelte Auslegung kritischer Telemetrie-Komponenten (Sensoren, Kanäle, Speicher), um einen kontinuierlichen Datenfluss bei Ausfällen sicherzustellen. Luftfahrtsysteme setzen Doppel-/Dreifachredundanz für Sensoren, Kommunikationsverbindungen und Speicher ein, mit automatischer Umschaltung, um strenge Zuverlässigkeitsanforderungen zu erfüllen.

Verschlüsselung

Verschlüsselung nutzt kryptografische Verfahren, um Telemetriedaten während der Übertragung und Speicherung zu schützen und so Vertraulichkeit und Integrität zu gewährleisten. Telemetrie-Verschlüsselung verwendet Protokolle wie TLS/SSL (Netzwerk) und AES (Speicher). Regulatorische Rahmenwerke (ICAO, DSGVO) schreiben Verschlüsselung für sensible Luftfahrt- und Betriebsdaten vor.

Fazit

Telemetrie ist das Datenrückgrat von mission-kritischen Operationen – sie liefert Echtzeiteinblicke, ermöglicht Sicherheit und Compliance und treibt Analytik und Automatisierung voran. Durch das Verständnis zentraler Konzepte wie Sensoren, Metriken, MELT, Protokolle, Observierbarkeit und Sicherheit können Organisationen aus Luftfahrt, IT und Industrie neue Leistungs-, Zuverlässigkeits- und Innovationspotenziale erschließen.

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Aviation telemetry system

Häufig gestellte Fragen

Wofür wird Telemetrie verwendet?

Telemetrie wird eingesetzt, um verteilte Systeme aus der Ferne zu überwachen, zu analysieren und zu steuern, indem Daten automatisch von Sensoren oder Software-Agenten an eine zentrale Plattform übertragen werden. Anwendungsbereiche reichen von der Flugüberwachung und prädiktiven Wartung in der Luftfahrt bis hin zur IT-Infrastruktur-Observierbarkeit und industriellen Automatisierung.

Was sind die Kernkomponenten eines Telemetriesystems?

Kernkomponenten sind Sensoren oder Software-Agenten zur Datenerfassung, Übertragungsprotokolle (wie MQTT, ARINC 429, HTTP), zentrale Datenspeicherung (TSDB, Data Lake), Datenverarbeitungspipelines, Visualisierungs-Dashboards und Benachrichtigungs-/Automatisierungssysteme. Redundanz und Verschlüsselung sind ebenfalls entscheidend für Sicherheit und Schutz.

Was bedeutet MELT in der Telemetrie?

MELT steht für Metrics, Events, Logs und Traces – die vier grundlegenden Telemetriedatenarten. Zusammen bieten sie einen umfassenden Überblick über Systemzustand, Leistung und Verhalten und unterstützen Observierbarkeit, Fehlersuche und Optimierung.

Wie werden Telemetriedaten gesichert?

Telemetriedaten werden durch Verschlüsselung (TLS/SSL für Datenübertragung, AES für gespeicherte Daten), Zugriffskontrollen, Authentifizierung und Integritätsprüfungen geschützt. In regulierten Branchen wie der Luftfahrt gewährleistet die Einhaltung von Standards (z.B. ICAO, ARINC, DSGVO) die Vertraulichkeit der Daten und den Schutz vor Manipulation.

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