Wendeplatte

Airport operations Runway infrastructure Aircraft ground movement

Wendeplatte (Runway Turnpad, Turning Pad, 180°-Wendefläche)

Eine Wendeplatte ist eine spezielle, asphaltierte Fläche, die am oder neben dem Ende einer Start- und Landebahn errichtet wird, um Flugzeugen – insbesondere großen Verkehrsflugzeugen – ein sicheres und effizientes Wenden um 180 Grad zu ermöglichen. Diese Infrastruktur wird als Runway Turnpad, Turning Pad oder 180-Grad-Wendefläche bezeichnet. Sie ist erforderlich, wenn allein die Bahnbreite für große Flugzeuge nicht ausreicht oder wenn am Bahnende keine Rollweganbindung vorhanden ist.

Wendeplatten werden präzise geplant und konstruiert, wobei insbesondere die Wendekreise und der Radstand der größten auf der Bahn eingesetzten Flugzeuge berücksichtigt werden. Ihre Geometrie – oft fächerförmig, halbkreisförmig oder kreisrund – richtet sich nach der Spurweite und dem Überhang des Hauptfahrwerks. Festigkeit und Griffigkeit des Belags entsprechen mindestens denen der Startbahn, um auch bei dynamischer Belastung und jedem Wetter sichere Traktion zu gewährleisten. Wendeplatten finden sich meist an Bahnenden ohne Rollwegabzweig, können aber auch an Zwischenpunkten zur betrieblichen Flexibilität vorhanden sein.

Fan-shaped Turn Pad at Rize-Artvin Airport showing centerline and edge markings

Betriebskontext: Warum und wo werden Wendeplatten benötigt?

Wendeplatten sind überall dort unerlässlich, wo die Geometrie der Bahn oder die Flughafeninfrastruktur die Bodenbewegungen von Flugzeugen einschränkt – typischerweise an Flughäfen, an denen die Bahnenden nicht an einen Rollweg angeschlossen sind. Flugzeuge müssen dann die Bahn entlang zurückrollen („Backtrack“), bis zum Ende fahren und dort mithilfe der Wendeplatte eine 180-Grad-Drehung durchführen, um für den Start auszurichten oder nach der Landung abzurollen.

Herausforderungen, die Wendeplatten lösen:

  • Beschränkte Bahnbreite: Große Flugzeuge (z. B. Boeing 777, A350, A380) benötigen einen größeren Wendekreis als ihn die meisten Startbahnen bieten.
  • Rollweg-Anbindung: Fehlt ein Parallelrollweg oder ein Abzweig am Bahnende, sind Wendeplatten für sicheres Manövrieren notwendig.
  • Oberflächenschutz: Wendeplatten verhindern Schäden und Spurrinnenbildung am Bahnbelag, die bei engen Wendemanövern schwerer Flugzeuge auf der Standardbahn entstehen würden.
  • Betriebsszenarien: Sie ermöglichen Backtrack-Abflüge, 180°-Wendungen nach der Landung, sichere Umsetzungen bei Wartungsarbeiten oder das rasche Freimachen der Bahn nach einem abgebrochenen Start.

Vorteile:
Wendeplatten erhöhen die Sicherheit, indem sie eine vorhersehbare, verstärkte Fläche für Bodenmanöver bieten. Sie schützen die Bahnintegrität, ermöglichen die Nutzung der gesamten Bahnlänge (entscheidend bei schweren oder Langstreckenstarts) und unterstützen eine Vielzahl von Flugzeugen, einschließlich Code-F-Jets.

Vorschriften und Richtlinien für Wendeplatten

ICAO-Standards

ICAO Doc 9981-2.4.1 und Anhang 14, Band 1 (Flugplätze), Kapitel 3 legen fest, wann und wie Wendeplatten bereitzustellen sind:

  • Für Flugzeuge der Codes D, E und F sind Wendeplatten am Bahnende zwingend erforderlich, wenn kein Rollweg vorhanden ist.
  • Für Codes A, B und C werden Wendeplatten empfohlen, sind aber nicht zwingend vorgeschrieben.

FAA-Standards

Die FAA fordert ausreichend asphaltierte Flächen an Bahnenden für sichere Wendemanöver, wie in AC 150/5300-13 („Airport Design“) beschrieben, auch wenn der Begriff „Turn Pad“ nicht immer verwendet wird. Markierungen, Beleuchtung und Darstellung auf Flughafenübersichten sind aus Sicherheits- und Konformitätsgründen geregelt.

Zusammenfassung: Vorschriften im Überblick

Flugzeug-CodeRollweg am Bahnende?Wendeplatten-Pflicht
D/E/FNeinZwingend vorgeschrieben
A/B/CNeinEmpfohlen

Technische und bauliche Details zu Wendeplatten

Geometrie und Abmessungen

  • Form: Typischerweise fächerförmig, halbkreisförmig oder kreisrund.
  • Abmessungen: Ergibt sich aus dem Wendekreis des größten Flugzeugs plus Sicherheitszuschlag. Für einen A380 kann der Durchmesser über 60 Meter betragen, für eine 737 etwa 30–40 Meter.
  • Schultern: Zusätzliche asphaltierte oder stabilisierte Fläche als Überlauf und zum Schutz vor Triebwerksstrahlen.

Oberfläche und Tragfähigkeit

  • Griffigkeit & Textur: Muss mindestens der Reibung der Bahn entsprechen; häufig gerillt für Entwässerung und Haftung.
  • Strukturelle Festigkeit: Ausgelegt auf die statischen und dynamischen Lasten der schwersten eingesetzten Flugzeuge.
  • Schubstrahlschutz: Schultern und Blast-Zonen verhindern Erosion und FOD-Entstehung.

Markierung und Beleuchtung

  • Markierungen: Verlängerte Mittellinien, Randlinien, teils Chevron-Muster oder Haltepositionen gemäß ICAO/FAA-Standards.
  • Beleuchtung: Randbefeuerung (blau/weiß) für Nacht-/Schlechtwetterbetrieb; Mittellinienbefeuerung kann bei komplexen Flugfeldern in die Platte hineinreichen.
  • Beschilderung: Aufgemalte oder beleuchtete Halte- und Richtungsanzeigen.

Kontrolle und Instandhaltung

  • Regelmäßige Inspektion: Umfasst Prüfung von Belag, Schultern, Markierungen, Beleuchtung und Oberflächengriff.
  • Wartung: Konzentriert sich auf Belagsintegrität, FOD-Entfernung, Schubstrahlerosion und Markierungssichtbarkeit.

Integration mit weiteren Flugplatzmerkmalen

Wendeplatten sind mit Bahnmarkierungen, Flughafenübersichten und Verfahren der Flugsicherung abgestimmt, um einen nahtlosen und sicheren Betrieb zu gewährleisten.

Anwendungsbeispiele und reale Flughäfen

Flughäfen mit Wendeplatten

  • Flughafen Rize-Artvin (LTFO), Türkei: Fächerförmige Wendeplatten mit klaren Markierungen und Schubstrahlschutz.
  • Zirku Airport (OMAZ), VAE: Bietet Wendeplatten für mittelgroße und große Flugzeuge, wo kein Parallelrollweg existiert.
  • Grant County International Airport (KMWH), USA: Nutzt große, kreisrunde Wendeplatten für zivile und militärische Jet-Betriebe.

Anwendungsbeispiele im Betrieb

  • Backtrack-Abflug: Eine 737 fährt auf die Bahn, rollt bis zum Ende zurück, nutzt die Wendeplatte für eine präzise 180°-Drehung und richtet sich zum Start aus.
  • Landung und Rückdrehung: Ein Regionaljet rollt bis zum Ende, wendet auf der Wendeplatte und rollt zum Vorfeld.
  • Notfall/abgebrochener Start: Die Wendeplatte bietet einen sicheren Bereich für Wendemanöver und das rasche Freimachen der Bahn.

Verwandte Begriffe und Konzepte

  • Bahnmarkierungen: Weiße Linien und Ziffern zur Führung der Flugzeuge; Wendeplatten können deren Verlängerungen enthalten.
  • Rollweg-/Bahnkreuzung: Fehlt diese, sind Wendeplatten oft nötig.
  • Haltepositionsmarkierung: Zeigt, wo Flugzeuge/Fahrzeuge vor der Einfahrt auf die Bahn halten müssen.
  • Runway Safety Area (RSA): Gradiertes Umfeld der Bahn; Wendeplatten sind gesondert, können aber integriert sein.
  • Bewegungsfläche: Alle Flächen für Flugzeugbewegungen, inkl. Wendeplatten; erfordert Freigabe der Flugsicherung.
  • Bahnschultern: Asphaltierte/stabilisierte Flächen neben Bahn oder Wendeplatte für Tragfähigkeit und Schubstrahlschutz.

Planungsparameter für Wendeplatten (Techniktabelle)

PlanungselementAngabe/Überlegung
FormFächerförmig, halbkreisförmig oder kreisrund
Durchmesser/RadiusEntsprechend des Wendekreises des größten Flugzeugs plus Sicherheitszuschlag (z. B. 60+ Meter für Code F)
BelagsstärkeMindestens gleich oder stärker als Bahn; trägt statische und dynamische Lasten
OberflächenreibungMindestens bahnentsprechend; oft gerillt oder strukturiert
SchulternAsphaltiert/stabilisiert, für gelegentliche Überfahrt und Schubstrahlschutz
MarkierungenVerlängerte Mittellinien, Randlinien, Chevron-Muster, Haltepositionen gemäß ICAO/FAA
BeleuchtungRandbefeuerung, ggf. Mittellinienbefeuerung, entsprechend Bahn-/Rollwegstandard
InspektionRegelmäßig, nach Unwettern oder starker Nutzung
WartungsschwerpunkteBelagsintegrität, Reibung, FOD-Beseitigung, Markierungssichtbarkeit, Beleuchtung

Reales Beispiel: Wendeplatte am Flughafen Rize-Artvin

Turn Pad at Rize-Artvin Airport: fan-shaped, marked for safe aircraft turning

Das Foto zeigt eine typische fächerförmige Wendeplatte, klar mit Mittellinienführung markiert und mit verstärkten Schultern für sicheres, effizientes Manövrieren von Flugzeugen ausgestattet.

Literatur und weiterführende Quellen

Glossar-Schlüsselwörter

Bahnmarkierungen, Rollweg Startbahn, Haltepositionsmarkierungen, Runways Taxiways, aufgemalte Halteposition, Aufsetzzone, Flugsicherung, Runway Holding Position, Flughafenübersicht, Runway Safety Area, Rollwegmarkierungen, Runway Incursions, Bahnmittellinie, aufgemalter Rollweg, Bewegungsfläche, Runway Taxiway, Flughafenbetrieb, Bodenfahrzeuge

Wendeplatten sind ein wesentliches, oft unterschätztes Element der Flughafeninfrastruktur und stellen sicher, dass selbst die größten Flugzeuge auf beengten Flugplätzen weltweit sicher und effizient betrieben werden können.

Häufig gestellte Fragen

Sind Wendeplatten an allen Flughäfen vorgeschrieben?

Wendeplatten sind nicht überall vorgeschrieben. Ihre Notwendigkeit hängt von der Bahnbreite, der Rollwegführung und den eingesetzten Flugzeugtypen ab. Für große Flugzeuge (ICAO-Codes D/E/F), die Bahnen ohne Endrollwege nutzen, schreibt die ICAO Wendeplatten zwingend vor. Für kleinere Flugzeuge oder Bahnen mit ausreichender Rollwegführung sind sie möglicherweise nicht erforderlich.

Worin unterscheiden sich Wendeplatten von Blast Pads oder Stopways?

Wendeplatten sind asphaltiert, damit Flugzeuge dort Wendemanöver durchführen können. Blast Pads werden gebaut, um den Schubstrahl von Triebwerken am Bahnende aufzunehmen, und sind nicht zum Rollen gedacht. Stopways sind Bahnverlängerungen für Notfälle und werden nicht für reguläre Bewegungen oder Wendemanöver von Flugzeugen genutzt.

Welche Markierungen findet man auf einer Wendeplatte?

Typische Markierungen umfassen verlängerte Mittellinien, Randlinien und manchmal Chevron-Muster oder Haltepositionslinien. Diese entsprechen den ICAO- und FAA-Standards und dienen der Orientierung der Piloten bei Wendemanövern und der Sicherheit.

Dürfen Bodenfahrzeuge Wendeplatten benutzen?

Nur mit ausdrücklicher Freigabe durch die Flugsicherung. Als Teil der Bewegungsfläche sind Wendeplatten für Flugzeuge und autorisierte Fahrzeuge reserviert, um die Betriebssicherheit zu gewährleisten.

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