ALSF – Anflugbefeuerungssystem mit sequenziellen Blitzlichtern

Airport Lighting Aviation Safety Instrument Landing System Runway Lighting

ALSF – Anflugbefeuerungssystem mit sequenziellen Blitzlichtern

Definition

Anflugbefeuerungssystem mit sequenziellen Blitzlichtern (ALSF) ist ein hochintensives, präzises Anflugbefeuerungssystem, das am Anflugende von Instrumentenlandebahnen installiert wird. Seine Hauptfunktion ist es, klare, standardisierte visuelle Hinweise für Piloten zu liefern, die vom Instrumentenflug zur visuellen Landung übergehen, insbesondere bei geringer oder eingeschränkter Sicht. ALSF-Systeme kombinieren feste (dauerhaft leuchtende) und dynamische (sequenziell blitzende) Lichter, die entlang der Landebahnmittellinie und auf Querbalken bis zu 914 Meter (3.000 Fuß) von der Landebahnschwelle angeordnet sind.

Einsatzorte:
ALSF ist erforderlich für Landebahnen, die Präzisionsanflüge unterstützen – Kategorie I (CAT I), Kategorie II (CAT II) und Kategorie III (CAT III) – an internationalen Großflughäfen, stark frequentierten Drehkreuzen und auf Flugplätzen mit regelmäßigem Betrieb bei schlechter Sicht.

Anwendung:
Piloten verlassen sich auf ALSF für Orientierung, Ausrichtung und Sinkflugführung während des Endanflugs, insbesondere bei instrumentenmeteorologischen Bedingungen (IMC) wie Nebel, Regen, Schnee oder nachts. Das System hilft Piloten, die Landebahnumgebung zu erkennen, sich an der Mittellinie auszurichten und sicher zur Landung abzusinken.

Literaturhinweise:

Zweck und Funktion des ALSF-Systems

Hauptfunktionen:

  • Eindeutige Landebahnidentifikation: Ermöglicht Piloten, die Landebahnumgebung bei schlechter Sicht schnell und präzise zu erkennen.
  • Übergangsführung: Erleichtert den Wechsel vom Instrumentenflug zu visuellen Referenzen während Anflug und Landung.
  • Ausrichtung und Orientierung: Unterstützt die seitliche Ausrichtung, vertikale Führung und Rollorientierung.
  • Arbeitsentlastung: Bietet sehr gut sichtbare, intuitive Lichtmuster, die die Arbeitsbelastung des Piloten reduzieren und das Situationsbewusstsein verbessern.
  • Betriebskontinuität: Unterstützt einen sicheren Landebahnbetrieb und maximiert die Flughafenkapazität auch bei widrigem Wetter.

Praxisbeispiel:
An einem nebligen Morgen sind die sequenziellen Blitzlichter des ALSF-2 oft die ersten visuellen Hinweise, die ein Pilot nach Unterschreiten der Mindestsicht erhält, und liefern entscheidende Ausrichtungs- und Sinkfluginformationen für eine sichere Landung.

Technische Spezifikationen des ALSF

Systemkomponenten

  • Dauerhaft leuchtende weiße Lichter:
    Entlang der verlängerten Mittellinie und auf Querbalken in regelmäßigen Abständen (in der Regel alle 30 m/100 Fuß) angeordnet. Dienen als dauerhafte Referenz für Ausrichtung und Sinkflug.

  • Sequenziell blitzende Lichter (SFL, „Rabbit“):
    Hochintensive Stroboskope entlang der Mittellinie, die in Richtung Landebahnschwelle in Sequenz blitzen, einen Bewegungseffekt erzeugen und die Tiefenwahrnehmung sowie die Führung zum Aufsetzpunkt verbessern.

  • Schwellenlichter:
    Grüne, dauerhaft leuchtende Lichter, die den Beginn der nutzbaren Landebahn für die Landung markieren.

  • Rote Seitenbalkenlichter (nur ALSF-2):
    Dauerhaft leuchtende rote Lichter, seitlich in Schwellenähe angeordnet, die die seitlichen Begrenzungen markieren und bei der Rollorientierung helfen.

  • Decision Bar:
    Ein Querbalken aus Lichtern 305 Meter (1.000 Fuß) vor der Landebahnschwelle, der als visuelle Referenz für die Mindestsinkflughöhe dient.

Typische ALSF-2-Konfiguration

KomponenteAnordnung/Menge
Dauerhaft leuchtende weiße LichterMittellinie & Querbalken, bis zu 144 Einheiten
Grüne Schwellenlichter49 Einheiten an der Landebahnschwelle
Rote Seitenbalkenlichter54 Einheiten (9 Reihen x 6, nur ALSF-2)
Sequenziell blitzende Lichter (SFL)15 Einheiten entlang der Mittellinie

Länge:

  • ALSF-1: 732 m (2.400 Fuß)
  • ALSF-2: Bis zu 914 m (3.000 Fuß)
  • Lichter alle 30 m (100 Fuß), Querbalken in bestimmten Abständen.
ALSF-2 Lichtmuster

Literaturhinweise:

Sequenziell blitzende Lichter (SFL) – Rolle und Betrieb

Definition
Sequenziell blitzende Lichter (SFL) sind ein zentrales Element des ALSF und bestehen aus hochintensiven Stroboskopen, die in schneller Folge entlang der Anflugmittellinie blitzen und so den „Rabbit“-Effekt erzeugen.

Zweck und Wirkung:

  • Sehr gut sichtbar bei schlechtem Wetter, wenig Licht und nachts.
  • Die bewegte Blitzsequenz zieht die Aufmerksamkeit des Piloten auf sich und bietet dynamische Hinweise zu Tiefe, Ausrichtung und Richtung.
  • Die Sequenz endet an der Decision Bar (1.000 Fuß vor der Schwelle), um in der Endphase der Landung nicht abzulenken.

Technische Details:

  • Sequenzrate: 2 Zyklen pro Sekunde (ICAO/FAA-Standard)
  • Synchronisation: Für einen gleichmäßigen, eindeutigen Effekt unerlässlich; jede Störung kann die Sicherheit beeinträchtigen.
  • Einstellbare Intensität: Lichtstärke kann an die Umgebungsbedingungen angepasst werden, gesteuert durch die Flugsicherung oder den Piloten.

Literaturhinweise:

ALSF-Systemkonfigurationen

ALSF-1

  • Einsatz: CAT I-Präzisionsanflugbahnen
  • Merkmale:
    • Dauerhaft leuchtende weiße Mittellinien- und Querbalkenlichter
    • Sequenziell blitzende Lichter
    • Keine roten Seitenbalkenlichter
    • Systemlänge: typischerweise 732 m (2.400 Fuß)

ALSF-2

  • Einsatz: CAT II/III-Präzisionsanflugbahnen (geringste Sicht)
  • Merkmale:
    • Alle ALSF-1-Merkmale
    • Rote Seitenbalkenlichter (seitliche Führung)
    • Verlängerte Systemlänge, bis zu 914 m (3.000 Fuß)
    • Zusätzliche Querbalken für verbesserte Führung
MerkmalALSF-1ALSF-2
ZielkategorieCAT ICAT II/III
Systemlänge732 m (2.400 Fuß)732–914 m (2.400–3.000 Fuß)
SeitenbalkenNeinJa
Decision BarJaJa
Sequenziell blitzende LichterJaJa

Literaturhinweise:

Betrieb und Anwendung des ALSF

  • Flugsicherungskontrolle: Die Intensität und der Betrieb des ALSF werden von Fluglotsen je nach Wetterlage und Verkehr angepasst.
  • Pilotensteuerung: An einigen unkontrollierten Flughäfen können Piloten das ALSF per Funk aktivieren und einstellen.
  • Visuelle Hinweise:
    • Decision Bar: Piloten müssen diese erkennen, bevor sie unter die Mindesthöhe sinken.
    • Farbkodierung: Grün (Schwelle), Weiß (Ausrichtung), Rot (Seitenbalken).

Betriebsszenarien:

  • Anflüge bei schlechter Sicht: ALSF-2 liefert entscheidende Hinweise für sichere Landungen bei Nebel, Schnee oder starkem Regen.
  • Nachtbetrieb: Das ALSF umreißt den Anflug- und Landebahnbereich und unterstützt die räumliche Orientierung.
  • Komplexes Gelände: Quer- und Seitenbalken helfen, Hindernisse zu vermeiden, indem sie klare Referenzpunkte bieten.

Regulatorische Standards für ALSF

  • ICAO (Anhang 14):
    • CAT I: Erfordert ALSF-1 oder gleichwertig
    • CAT II/III: Erfordert ALSF-2 oder gleichwertig
    • Vorgaben zu Platzierung, Farbe, Intensität und Systemlänge
  • FAA:
    • ALSF-1 für CAT I, ALSF-2 für CAT II/III
    • Decision Bar und sequenziell blitzende Lichter sind auf CAT II/III vorgeschrieben
    • Einstellbare Intensität für alle Lichtquellen erforderlich
StandardCAT I-LandebahnCAT II/III-Landebahn
ICAOALSF-1 oder äquiv.ALSF-2 oder äquiv.
FAAALSF-1ALSF-2
Systemlänge≥732 m (2.400 Fuß)bis zu 914 m (3.000 Fuß)
SFL erforderlichOptionalVorgeschrieben

Literaturhinweise:

Historischer Kontext des ALSF

  • Ursprünge: Nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals am Arcata–Eureka Airport, Kalifornien, zur Unterstützung von Anflügen im Nebel eingesetzt.
  • Technologische Entwicklung:
    • 1950er: Einführung von hochintensiven Stroboskopen (SFL) am JFK, New York.
    • Globale Standardisierung durch ICAO und FAA folgte.
  • Modernisierung:
    • LED-Technik, digitale Steuerung, Fernüberwachung und automatische Fehlererkennung sind heute weit verbreitet.

Bildergalerie:
Approach Lighting Systems auf Wikimedia Commons

Verwandte Befeuerungssysteme

  • MALSR: Medium Intensity Approach Lighting System mit Runway Alignment Indicator Lights; für CAT I-Landebahnen.
  • SSALR: Vereinfachtes kurzes Anflugbefeuerungssystem mit RAIL; wird eingesetzt, wo Platz oder betriebliche Anforderungen ein vollständiges ALSF verhindern.
  • REIL: Runway End Identifier Lights; synchronisierte Blitzlichter an den Schwellenenden.
  • PAPI/VASI: Visuelle Gleitweg-Hilfen (rot/weiße Lichter), die den korrekten Anflugwinkel anzeigen.
  • HIRL: Hochintensive Landebahnbefeuerung; markiert die Landebahnkanten.

Literaturhinweise:

ALSF-Beispiele und Anwendungsfälle

Beispiel 1: CAT III ILS-Anflug im Nebel

Ein Airbus A350 nähert sich einem großen internationalen Flughafen im dichten Nebel. Die sequenziellen Blitzlichter des ALSF-2 („Rabbit“) sind die ersten visuellen Hinweise unterhalb der Mindestsicht und führen den Piloten mit dynamischen und statischen Referenzen zu einer sicheren Landung.

Beispiel 2: Nachtbetrieb an einem Drehkreuz

Eine Boeing 737 nutzt beim CAT II-Anflug in der Nacht die weißen Mittellinien- und Querbalkenlichter, roten Seitenbalken sowie sequenziellen Blitzlichter des ALSF-2, um reibungslos vom Instrumenten- zum Sichtflug überzugehen.

Beispiel 3: Pilotengesteuerte Befeuerung an einem Regionalflughafen

Ein Regionaljet-Pilot aktiviert das ALSF-1 per Funk an einem unkontrollierten Flughafen und ermöglicht so eine sichere Landung bei schlechter Sicht anhand der Anfluglichter.

Zusammenfassung

ALSF-Systeme sind zentrale Bestandteile der globalen Flughafeninfrastruktur und bieten die notwendige visuelle Führung für sichere, effiziente Landungen nach Instrumentenanflugverfahren. Ihre standardisierte Konfiguration und ihr Betrieb, wie von ICAO und FAA vorgeschrieben, gewährleisten Sicherheit und Kapazität an Flughäfen weltweit – unabhängig von Wetter oder Sicht.

Weiterführende Literatur:

Häufig gestellte Fragen

Wofür steht ALSF bei der Flughafenbefeuerung?

ALSF steht für Anflugbefeuerungssystem mit sequenziellen Blitzlichtern, eine hochintensive Flughafenbefeuerung am Anflugende von Instrumentenlandebahnen. Sie bietet sowohl dauerhaft leuchtende als auch sequenziell blitzende Lichter, um Piloten während der Landung, besonders bei schlechter Sicht, zu führen.

Was ist der Unterschied zwischen ALSF-1 und ALSF-2?

ALSF-1 ist für CAT I-Landebahnen konzipiert und verfügt über dauerhaft leuchtende weiße Mittellinien- und Querbalkenlichter sowie sequenzielle Blitzlichter, aber keine roten Seitenbalkenlichter. ALSF-2 wird für CAT II/III-Landebahnen mit strengeren Sichtanforderungen verwendet und ergänzt rote Seitenbalken sowie häufig eine verlängerte Systemlänge für verbesserte seitliche und vertikale Führung.

Wie funktionieren die sequenziellen Blitzlichter (SFL) in ALSF-Systemen?

Sequenzielle Blitzlichter, auch als 'Rabbit' bekannt, sind hochintensive Stroboskope entlang der Anflugmittellinie. Sie blitzen in schneller Folge in Richtung Landebahnschwelle, erzeugen einen Bewegungseffekt und lenken so die Aufmerksamkeit des Piloten, verbessern die Tiefenwahrnehmung, Ausrichtung und das Situationsbewusstsein beim Anflug.

Warum sind ALSF-Systeme für den Flughafenbetrieb wichtig?

ALSF-Systeme sind entscheidend für die Aufrechterhaltung eines sicheren und effizienten Flughafenbetriebs bei schlechter Sicht wie Nebel, starkem Regen oder nachts. Sie maximieren die Nutzung und Sicherheit der Landebahn, indem sie Piloten eindeutige visuelle Anhaltspunkte für eine sichere Landung nach Instrumentenanflugverfahren geben.

Wer legt die Standards für ALSF-Systeme fest?

Die Standards für ALSF werden von der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) in Anhang 14 und von der Federal Aviation Administration (FAA) in den USA festgelegt. Diese Standards regeln Konfiguration, Farbe, Intensität und Platzierung der ALSF-Komponenten, um weltweite Einheitlichkeit und Sicherheit zu gewährleisten.

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