ASDA – Verfügbare Beschleunigungs-Stopp-Distanz: Luftfahrt-Glossar
Deklarierte Distanzen in der Flughafenplanung und im Flugbetrieb
Deklarierte Distanzen sind wichtige, von Flughafenbehörden festgelegte Werte (gemäß ICAO Anhang 14 und FAA AC 150/5300-13B), die angeben, welche maximalen Bereiche einer Start- und Landebahn sowie zugehörige Flächen für Start, Startabbruch und Landung verfügbar sind. Die vier Hauptarten deklarierten Distanzen sind:
- Takeoff Run Available (TORA)
- Takeoff Distance Available (TODA)
- Accelerate-Stop Distance Available (ASDA)
- Landing Distance Available (LDA)
Diese Werte sind entscheidend für Sicherheit, Einhaltung von Vorschriften und exakte Flugzeugleistungsberechnungen. Sie entsprechen nicht immer der physischen Startbahnlänge, da Faktoren wie Stoppbahnen, Clearways, verschobene Schwellen sowie Sicherheits- und Hindernisschutzvorgaben eine Rolle spielen. Das Verständnis und die korrekte Anwendung jeder deklarierten Distanz sind für einen sicheren und regelkonformen Flughafen- und Flugbetrieb unerlässlich.
Verfügbare Beschleunigungs-Stopp-Distanz (ASDA): Definition und Zweck
Die ASDA ist die Länge der Startbahn plus einer eventuellen deklarierten Stoppbahn, die einem Flugzeug zur Verfügung steht, um aus dem Stillstand bis zur Startentscheidungs-Geschwindigkeit (V1) zu beschleunigen und – falls erforderlich – den Start abzubrechen und vollständig zum Stehen zu kommen. Dieser Wert wird von der Flughafenbehörde festgelegt und veröffentlicht.
- Quelle: ICAO Anhang 14, FAA AIM 4-3-9
- Zweck: Definiert die maximal verfügbare Strecke für Startabbruchsverfahren.
- Vorgabe: Die für das Flugzeug laut Flughandbuch (AFM/POH) berechnete Beschleunigungs-Stopp-Distanz darf die veröffentlichte ASDA nicht überschreiten.
- Einbeziehung: Gibt es eine deklarierte Stoppbahn, wird sie in die ASDA einbezogen; andernfalls ist die ASDA auf die nutzbare Startbahnlänge beschränkt.
Die ASDA basiert stets auf umfassenden Sicherheits- und Regulierungsbewertungen, einschließlich Startbahnsicherheitsbereichen (RSA), Runway Protection Zones (RPZ) und Hindernisanalysen. Betreiber und Piloten müssen für alle Startleistungsberechnungen immer die veröffentlichte ASDA verwenden – nicht die physische Startbahnlänge.
Deklarierte Startbahndistanzen: Umfassende Definitionen
Takeoff Run Available (TORA)
TORA ist die Länge der Startbahn, die für den Bodenlauf des Flugzeugs während des Starts als geeignet erklärt wurde. Sie entspricht meist der physischen Startbahn, kann aber aus Sicherheitsgründen auch kürzer sein.
Wichtige Punkte:
- Einschluss von Stoppbahn oder Clearway erfolgt nicht.
- Wesentlich für Berechnungen des Startlaufs.
- Offizielle Flughafendokumentation für TORA stets prüfen.
Takeoff Distance Available (TODA)
TODA ist die Summe aus TORA und einer eventuellen deklarierten Clearway. Die Clearway ist ein hindernisfreier Bereich hinter dem Startbahnende, der nicht das Gewicht des Flugzeugs tragen muss.
Wichtige Punkte:
- Nur für Flugzeuge, die für Clearway-Nutzung zugelassen sind, darf TODA in Berechnungen einbezogen werden.
- Das Flugzeug muss vor Ende der Startbahn (TORA) abheben.
Accelerate-Stop Distance Available (ASDA)
ASDA ist die deklarierte Länge der Startbahn plus einer eventuellen Stoppbahn, die einem Flugzeug zur Verfügung steht, um bis zur Startentscheidungs-Geschwindigkeit zu beschleunigen und – falls nötig – den Start abzubrechen und sicher zu stoppen.
Wichtige Punkte:
- Stoppbahnen werden ausschließlich in der ASDA berücksichtigt.
- Überschreitet die erforderliche Beschleunigungs-Stopp-Distanz die ASDA, ist ein Start nicht zulässig.
Landing Distance Available (LDA)
LDA ist die für die Landung als geeignet deklarierte Startbahnlänge, gemessen von der (ggf. verschobenen) Schwelle bis zum Bahnende. Stoppbahnen oder Clearways werden nicht einbezogen.
Wichtige Punkte:
- Landungen müssen innerhalb der LDA abgeschlossen werden.
- Verschobene Schwellen und Hindernisse können die LDA verkürzen.
Startbahnmerkmale, die deklarierte Distanzen beeinflussen
Stoppbahnen
Eine Stoppbahn ist ein präparierter Bereich, mindestens so breit wie die Startbahn, der ein Flugzeug bei einem Startabbruch aufnehmen kann, jedoch nicht für den regulären Betrieb genutzt wird. Sie wird nur in der ASDA berücksichtigt, nicht in TORA, TODA oder LDA.
Clearways
Eine Clearway ist ein hindernisfreier Bereich hinter dem Startbahnende, der vom Flughafen kontrolliert wird und nicht tragfähig sein muss. Sie wird nur in der TODA für zugelassene Operationen berücksichtigt.
Verschobene Schwellen
Eine verschobene Schwelle ist ein von Beginn der Startbahn versetzter Landepunkt, meist aufgrund von Hindernissen oder Belagsproblemen. Landungen müssen hinter der verschobenen Schwelle erfolgen.
Startbahnsicherheitsbereiche (RSA) und Runway Protection Zones (RPZ)
Der RSA ist ein geebneter, freigehaltener Bereich zur Schadensminimierung bei Überrollen oder Ausweichmanövern. Die RPZ ist ein Bodenbereich hinter dem Startbahnende zum Schutz der Öffentlichkeit. Beide können zu Reduktionen deklarierten Distanzen führen, falls Mindeststandards nicht erfüllt werden.
ASDA im Vergleich zur physischen Startbahnlänge
Die ASDA kann aufgrund folgender Faktoren kürzer, gleich oder länger als die physische Startbahn sein:
- Einbeziehung von Stoppbahnen (ASDA > Startbahnlänge)
- Regulatorische oder physische Einschränkungen (ASDA < Startbahnlänge)
- Hindernisse, unzureichende Sicherheitsbereiche oder Flächennutzungsbeschränkungen
Wichtig: Verwenden Sie immer ausschließlich die deklarierte ASDA – nie annehmen, dass sie der physischen Startbahnlänge entspricht.
Ausgewogene und unausgewogene Feldlängen: Einfluss auf die ASDA
Ausgewogene Feldlänge
Die Startbahnlänge, bei der Beschleunigungs- und Beschleunigungs-Stopp-Distanz gleich lang sind. Die ASDA ist dabei der limitierende Faktor für die Berechnung.
Unausgewogene Feldlänge
Kommt zum Einsatz, wenn ASDA oder andere deklarierte Distanzen asymmetrische Einschränkungen schaffen; Berechnungen können zugunsten von Beschleunigungs-Stopp oder Beschleunigungs-Start erfolgen – je nach Flugzeugdaten und Vorschriften.
Praktische Anwendung der ASDA im Betrieb
Flugplanung
- Deklarierte Distanzen (TORA, TODA, ASDA, LDA) aus offiziellen Quellen beziehen.
- Flugzeugleistung anhand AFM/POH berechnen.
- Sicherstellen, dass die erforderliche Beschleunigungs-Stopp-Distanz die ASDA nicht überschreitet.
- Gewicht, Konfiguration oder Startbahnwahl entsprechend anpassen.
Flughafenplanung
- Deklarierte Distanzen werden durch physische Merkmale, Sicherheitsanforderungen und Betriebsbedarf bestimmt.
- Stoppbahnen können gebaut werden, um die ASDA zu erhöhen.
- Deklarierte Distanzen können „auf dem Papier“ reduziert werden, etwa wegen Hindernissen oder Sicherheitsbereichseinschränkungen.
Praxisbeispiele für ASDA und deklarierte Distanzen
ASDA kürzer als TORA
- Teterboro (KTEB) Runway 01: Physische Länge 7.000 ft, ASDA 6.090 ft wegen RPZ-Flächennutzung.
- Naples (KAPF) Runway 14: Physische Länge 5.000 ft, ASDA 4.550 ft wegen angrenzender Straße.
- Ähnliche Einschränkungen gibt es an großen Flughäfen wie Anchorage, Miami, Atlanta, Chicago O’Hare und Dallas Love Field.
ASDA länger als TORA
- Wird auf einer 6.000-ft-Startbahn eine 1.000-ft-Stoppbahn gebaut, beträgt die ASDA 7.000 ft (sofern alle Sicherheits- und Regelanforderungen erfüllt sind).
Anwendungsfälle und Szenarien mit ASDA
- Startleistungsbegrenzung: Übersteigt die erforderliche Beschleunigungs-Stopp-Distanz die ASDA, müssen Gewicht reduziert oder eine andere Startbahn gewählt werden.
- Triebwerksausfall bei V1: Die ASDA gewährleistet genügend Strecke, um nach einem abgebrochenen Start sicher zu stoppen.
- Vorschrifteneinhaltung: Für Leistungsberechnungen darf ausschließlich die deklarierte ASDA verwendet werden, alles andere ist ein Verstoß und Sicherheitsrisiko.
Typische Fehlerquellen und betriebliche Hinweise
- Verwenden Sie für Leistungsberechnungen niemals die physische Startbahn, Stoppbahn oder Clearway, es sei denn, sie sind offiziell als Teil der ASDA deklariert.
- Prüfen Sie immer die aktuellen, veröffentlichten deklarierten Distanzen für jedes Bahnende.
- Verschobene Schwellen verkürzen die LDA und können andere deklarierte Distanzen beeinflussen.
- Achten Sie auf Änderungen der deklarierten Distanzen durch Bauarbeiten oder neue Vorschriften.
- Die Nutzung nicht deklarierter Werte ist verboten und unsicher.
Wo finde ich deklarierte Distanzen?
Deklarierte Distanzen werden veröffentlicht in:
- FAA Chart Supplement (A/FD)
- Jeppesen-Flughafenkarten
- ICAO Aeronautical Information Publications (AIPs)
- Canada Flight Supplement
- Achten Sie auf das Symbol des „umgedrehten D“ auf US-Karten.
Verwandte Begriffe und Konzepte
Startbahnsicherheitsbereich (RSA)
Ein geebneter Bereich zur Minimierung von Schäden bei Überrollen oder Ausweichmanövern. Kann der RSA nicht bereitgestellt werden, werden deklarierte Distanzen gegebenenfalls reduziert.
Runway Protection Zone (RPZ)
Bodenbereich zum Schutz von Menschen und Sachwerten hinter der Startbahn; strenge Flächennutzungsauflagen gelten hier.
Engineered Materials Arresting System (EMAS)
Ein Bett aus zerdrückbarem Material am Bahnende für überrollende Flugzeuge. EMAS kann kürzere deklarierte Distanzen erlauben oder mangelnde RSA kompensieren, ist jedoch nur dann Teil der deklarierten Distanzen, wenn es offiziell veröffentlicht ist.
Verschobene Schwelle
Eine von Beginn der Startbahn versetzte Landeschwelle, die die LDA verkürzt und gegebenenfalls andere deklarierte Distanzen beeinflusst.
Zusammenfassung
Die ASDA ist eine sicherheitskritische, deklarierte Startbahndistanz und repräsentiert die maximale Strecke, die einem Flugzeug zur Verfügung steht, um bis V1 zu beschleunigen und – falls nötig – bei einem Startabbruch sicher zu stoppen. Sie wird von Flughafenbehörden festgelegt und veröffentlicht und kann sich durch Einbeziehung von Stoppbahnen oder regulatorische Vorgaben von der physischen Startbahnlänge unterscheiden. Das korrekte Verständnis und die Anwendung der ASDA sowie der weiteren deklarierten Distanzen (TORA, TODA, LDA) sind für einen sicheren, regelkonformen und effizienten Flug- und Flughafenbetrieb unerlässlich. Nutzen Sie immer aktuelle, offizielle Quellen für deklarierte Distanzen und verwenden Sie niemals physische Maße oder Annahmen für Leistungsberechnungen.