Clearway

Airport planning Runway design Aviation safety

Clearway in der Flughafen- und Startbahngestaltung

Definition und regulatorischer Kontext

Ein Clearway ist ein speziell definierter, rechteckiger Bereich hinter dem Ende einer Start- und Landebahn, der frei von Hindernissen gehalten und unter der Kontrolle der Flughafenbehörde steht. Nach Definition der International Civil Aviation Organization (ICAO) und der Federal Aviation Administration (FAA) dient ein Clearway nicht für Bodenrollen oder andere Bodenmanöver, sondern ausschließlich für die luftgestützte Startphase. Er ermöglicht es startenden Flugzeugen, ihren Anfangssteigflug bis zu einer bestimmten Höhe fortzusetzen, falls die physische Start- und Landebahn allein für eine sichere Startleistung nicht ausreicht.

Der Clearway ist Teil des Systems der „deklarierte Distanzen“, das für die Flughafenplanung und die Leistung von Flugzeugen von zentraler Bedeutung ist. Seine Abmessungen und Nutzung sind streng reguliert, um die Sicherheit zu gewährleisten; er muss jederzeit frei von Hindernissen bleiben. Im Gegensatz zu einem Stopway oder einer Runway Safety Area ist der Clearway ausschließlich ein luftgestütztes Sicherheitsmerkmal.

Zweck und betriebliche Bedeutung

Das Hauptziel des Clearway ist es, die Startleistung und -sicherheit zu verbessern – insbesondere für große oder schwer beladene Flugzeuge – indem ein garantiert hindernisfreier Bereich für den Anfangssteigflug bereitgestellt wird. Dies ist an Flughäfen von Bedeutung, bei denen eine physische Verlängerung der Startbahn nicht möglich ist, jedoch der betriebliche Bedarf längere Startstrecken erfordert.

Ein Clearway ermöglicht es, dass die veröffentlichte verfügbare Startstrecke (TODA) die tatsächliche Länge der Startbahn überschreitet. Ein Beispiel: Mit einer 9.000-Fuß-Startbahn und einem 800-Fuß-Clearway beträgt die TODA 9.800 Fuß – entscheidend für Flugzeuge, die mit maximalem Startgewicht oder in schwierigem Terrain operieren. Flugzeuge müssen bereits vor dem Eintritt in den Clearway in der Luft sein; er darf nicht für Bodenrollen, abgebrochene Starts oder Landungen genutzt werden. Der Clearway beeinflusst weder die Accelerate-Stop Distance Available (ASDA), die Takeoff Run Available (TORA) noch die Landing Distance Available (LDA).

Regulatorische Standards und Maßvorgaben

Regulatorischer Rahmen

Clearway-Standards sind in ICAO Annex 14 und FAA AC 150/5300-13B definiert. Sie begrenzen die maximale Länge eines Clearway auf 1.000 Fuß (305 Meter) oder die Hälfte der Startbahnlänge – je nachdem, was geringer ist – und fordern eine Mindestbreite, die der Startbahnbreite entspricht oder diese übertrifft, mindestens jedoch 500 Fuß (152 Meter).

Oberflächen- und Hinderniskriterien

Der Clearway kann asphaltiert, grasbewachsen, geschottert oder sogar Wasser sein (bei Wasserflugzeugoperationen), solange er hindernisfrei ist und für Einsatzfahrzeuge zugänglich bleibt. Kein Objekt darf die Clearway-Ebene durchdringen, ausgenommen zerbrechliche Navigationshilfen.

Wartung und Kontrolle

Flughafenbetreiber müssen den Clearway hindernisfrei halten und regelmäßig inspizieren. Jede Beeinträchtigung – etwa durch Bauarbeiten, Fahrzeuge oder Wildtiere – ist umgehend zu beseitigen. Der Status des Clearway muss korrekt in den Flughafendokumentationen und Luftfahrtpublikationen dargestellt werden.

System der deklarierten Distanzen und der Clearway

Deklarierte Distanzen standardisieren die Nutzung der Startbahn:

  • TORA (Takeoff Run Available): Nutzbare Startbahn für das Bodenrollen – Clearway nicht enthalten.
  • TODA (Takeoff Distance Available): TORA plus Clearway – Clearway erweitert nur den luftgestützten Abschnitt.
  • ASDA (Accelerate-Stop Distance Available): Startbahn und Stopway, geeignet für einen abgebrochenen Start – Clearway nicht enthalten.
  • LDA (Landing Distance Available): Für Landung deklarierte Startbahn – Clearway nicht enthalten.

Beispiel

Ein Flughafen mit einer 7.500-Fuß-Startbahn und einem 1.000-Fuß-Clearway deklariert:

  • TORA: 7.500 ft
  • TODA: 8.500 ft
  • ASDA: 7.500 ft (oder mehr, falls ein Stopway existiert)
  • LDA: 7.500 ft

Clearway vs. Stopway und Runway Safety Area

MerkmalZweckTrägt Flugzeuge?Enthalten in
ClearwayLuftgestützter StartabschnittNein (nur in der Luft)Nur TODA
StopwayVerzögerung bei StartabbruchJa (Bodenrollen)Nur ASDA
Runway Safety Area (RSA)AuslaufbegrenzungJa (begrenzt)Nicht in deklarierten Distanzen
  • Clearway: Ausschließlich für den luftgestützten Abschnitt – niemals für Bodennutzung.
  • Stopway: Vorbereitete Fläche für Startabbrüche – trägt Flugzeuge.
  • RSA: Umgibt die Startbahn zur Risikominderung von Ausläufern – trägt Fahrzeuge und Flugzeuge im Notfall.

Clearway in der Flughafenplanung und -gestaltung

Startbahndesign und Leistung

Die Einbeziehung eines Clearway ist eine strategische Entscheidung, die oft getroffen wird, wenn eine Verlängerung der Startbahn nicht möglich ist. Sie ermöglicht es Flughäfen, größere Flugzeuge abzufertigen und die betriebliche Flexibilität zu maximieren. Präzise Clearway-Daten müssen veröffentlicht werden, damit Piloten die sichere Startleistung unter verschiedenen Gewichten und Bedingungen berechnen können.

Umwelt- und praktische Faktoren

Nicht alle Flughäfen können Clearways vorhalten, bedingt durch Flächenverfügbarkeit, Umwelt- oder regulatorische Einschränkungen. Wo möglich, bieten Clearways erhebliche betriebliche Vorteile; werden sie entfernt, müssen deklarierte Distanzen und Betriebsverfahren entsprechend aktualisiert werden.

Standards, Zertifizierung und Einhaltung

Die Einhaltung der Vorschriften ist für Flughäfen, die Bundesmittel erhalten oder zertifiziert sind, verpflichtend. Alle Clearways müssen im Airport Layout Plan (ALP) enthalten und regelmäßig inspiziert werden. Jede Änderung des Clearway-Status ist unverzüglich den Behörden und Luftfahrtdatenanbietern zu melden.

Verwandte Konzepte und Begriffe

  • Stopway: Eine befestigte oder vorbereitete Fläche für Startabbrüche, nur in der ASDA enthalten.
  • Runway Safety Area (RSA): Umgibt die Startbahn zur Auslaufbegrenzung.
  • Deklarierte Distanzen: Standardisierte Startbahnlängen für sichere Operationen.
  • Obstacle Free Zone (OFZ): Geschützter Luftraum hinter der Startbahn für den sicheren Durchflug von Flugzeugen.
  • Runway Protection Zone (RPZ): Trapezförmiger Bodenbereich zum Schutz von Personen und Eigentum.
  • Airport Improvement Program (AIP): FAA-Förderprogramm für Infrastruktur, einschließlich Clearways.

Visuelle Darstellung

Beispiel: Tabelle deklarierter Distanzen

Deklarierte DistanzWert (ft)Anmerkungen
TORA8.000Nutzbare Startbahn für Bodenrollen
TODA9.000Enthält 1.000 Fuß Clearway
ASDA8.500Enthält 500 Fuß Stopway
LDA8.000Startbahn von Schwelle bis Ende

Übersichtstabelle: Clearway-Standards und -Nutzung

AspektBeschreibung
DefinitionRechteckige, hindernisfreie Fläche hinter dem Startbahnende für den luftgestützten Startabschnitt
HauptzweckErhöht die TODA, indem ein Bereich für den Anfangssteigflug nach dem Bodenrollen bereitgestellt wird
Maximale Länge1.000 Fuß (305 Meter) oder die Hälfte der Startbahnlänge
Minimale BreiteGleich oder größer als Startbahnbreite, mindestens 500 Fuß (152 Meter)
OberflächeVorbereitet/natürlich, für Einsatzfahrzeuge befahrbar, keine Hindernisse über Clearway-Fläche
KontrolleMuss unter der Kontrolle des Flughafenbetreibers stehen
Verwendung in BerechnungenNur in TODA enthalten, nicht in TORA, ASDA oder LDA
BeziehungUnterschied zu Stopway (für Startabbruch), RSA (für Auslauf), RPZ (für Flächenschutz)
ZertifizierungMuss für bundesgeförderte Flughäfen FAA AC 150/5300-13B entsprechen
WartungLaufende Inspektion und Beseitigung von Hindernissen erforderlich

Querverweise

  • Stopway: Fläche für Startabbruch, nur in der ASDA enthalten.
  • Runway Safety Area (RSA): Umgibt die Startbahn zum Schutz bei Ausläufern.
  • Deklarierte Distanzen: Standardisierte Startbahnlängenwerte für Planung und Betrieb.
  • Obstacle Free Zone (OFZ): Freizuhaltender Luftraum für sichere Start- und Landephasen.
  • Runway Protection Zone (RPZ): Bodenbereich zum Schutz von Personen und Eigentum hinter der Startbahn.

Weiterführende Literatur

  • ICAO Annex 14 – Flugplätze, Band I
  • FAA Advisory Circular AC 150/5300-13B – Flughafenplanung
  • Für Ihr Land relevante Luftfahrtinformationspublikationen (AIP)

Clearways sind grundlegend für einen sicheren und effizienten Flughafenbetrieb und müssen streng nach den regulatorischen Standards gepflegt werden, um die Sicherheit startender Flugzeuge und die Gesamtfunktionalität der Start- und Landebahnumgebung zu gewährleisten.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Hauptzweck eines Clearway an einem Flughafen?

Der Clearway bietet einen hindernisfreien Bereich hinter der Startbahn für die luftgestützte Startphase, sodass Flugzeuge ihren Anfangssteigflug sicher fortsetzen können und die deklarierte verfügbare Startstrecke (TODA) erhöht wird. Er ist essenziell, um größere, schwerere Flugzeuge oder Operationen zu ermöglichen, bei denen eine längere Startstrecke benötigt wird.

Dient ein Clearway für Bodenrollen oder abgebrochene Starts?

Nein. Der Clearway ist nicht für Flugzeuge am Boden vorgesehen. Flugzeuge müssen bereits in der Luft sein, bevor sie den Clearway betreten; er kann nicht für Bodenrollen, abgebrochene Starts oder Landungen genutzt werden.

Worin unterscheidet sich ein Clearway von einem Stopway?

Ein Stopway ist ein vorbereiteter Bereich, der mit der Startbahn ausgerichtet ist und ein Flugzeug bei einem abgebrochenen Start (rejected takeoff) tragen kann. Im Gegensatz zum Clearway wird der Stopway in die Berechnung der Accelerate-Stop Distance Available (ASDA) einbezogen und ist für die Bodennutzung vorgesehen.

Welche gesetzlichen Anforderungen gelten für Clearways?

Clearways müssen den Standards in ICAO Annex 14 und FAA AC 150/5300-13B entsprechen, die die maximale Länge (1.000 ft bzw. die Hälfte der Startbahnlänge), die Mindestbreite (Breite der Startbahn, mindestens 500 ft), Hindernisfreiheit und Kontrolle durch die Flughafenbehörde vorschreiben.

Wie werden Clearways für Piloten und Planer dargestellt?

Clearways werden in Flughafen-Layout-Plänen (ALPs) und in Luftfahrtveröffentlichungen (AIPs) dargestellt, sind aber auf dem Flugfeld in der Regel nicht markiert oder beleuchtet. Piloten verlassen sich auf veröffentlichte Daten für die Berechnung der Startleistung.

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