Gleitpfad

Aviation Instrument Approach Flight Safety Navigation

Gleitpfad – Umfassendes Glossar und Technische Übersicht

Definition und Grundkonzept

Der Gleitpfad ist die exakte vertikale Flugbahn, der ein Luftfahrzeug im Endanflug auf die Landebahn folgt. Diese Flugbahn hat typischerweise einen konstanten Winkel von drei Grad vom Final Approach Fix (FAF) bis zur Landeschwelle und ist auf Hindernisfreiheit, stabilisierten Sinkflug und sichere Landung ausgelegt. Sie ist Grundlage für Präzisions- wie Nicht-Präzisionsanflugverfahren.

Die Gleitpfadführung erfolgt durch verschiedene Technologien:

  • Instrumentenlandesystem (ILS) Gleitwegsender (bodengebundene Funkstrahlen)
  • Satellitengestützte Systeme wie Localizer Performance with Vertical Guidance (LPV) mit WAAS
  • Barometrische Vertikalnavigation (Baro-VNAV) in modernen Flugmanagementsystemen
  • Visuelle Hilfen wie Precision Approach Path Indicator (PAPI) und Visual Approach Slope Indicator (VASI)

Alle gewährleisten, dass Piloten (und Autopiloten) eine mit den veröffentlichten Anflugverfahren übereinstimmende Flugbahn überwachen und einhalten können. Die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Gleitpfadführung beeinflusst direkt die Anflugminima—sie legt die niedrigsten sicheren Höhen für Landung oder Durchstart fest.

ICAO- und FAA-Vorschriften definieren den Gleitpfad als vertikale Führungskomponente sowohl für Präzisions- (z. B. ILS) als auch Nicht-Präzisionsanflüge und machen ihn zu einem Grundpfeiler sicherer, wetterunabhängiger Flughafenoperationen.

Prinzipien und Mechanismen der Gleitpfadführung

Gleitpfadführungen vermitteln einen festen Sinkflugwinkel—meist drei Grad—und ermöglichen ein stabilisiertes Anflugprofil sowie Hindernisfreiheit. Diese Systeme umfassen:

Bodengebundenes ILS-Gleitwegsystem

  • Senderstandort: 750–1.200 Fuß vor der Landeschwelle, seitlich versetzt zur Mittellinie
  • Frequenz: 329,15–335,00 MHz
  • Cockpitanzeige: Gleitwegabweichungsnadel
  • Piloten-/Autopilotaktion: Sinkrate anpassen, um Anzeige zentriert zu halten

Satellitengestützte Vertikalleitung (LPV/WAAS)

  • Technologie: GPS-Satelliten + WAAS-Korrekturen
  • Daten: Final Approach Segment (FAS) Datenblock in Navigationsdatenbank
  • Anzeige: Vertikale Abweichungsanzeige, ähnlich ILS
  • Minima: Bis zu 200 ft DA möglich

Barometrische Vertikalnavigation (Baro-VNAV)

  • Referenz: Flugzeug-Baro-Höhenmesser (QNH-Einstellung und Temperaturkompensation)
  • System: Flugmanagementsystem (FMS) berechnet synthetischen Gleitpfad
  • Einschränkungen: Empfindlich gegenüber Temperatur-/Druckfehlern; höhere Minima nötig

Visuelle Gleitpfad-Anzeigen (VGSI)

  • Systeme: PAPI, VASI
  • Anzeige: Farbige Lichter zeigen die Position über/unter/auf dem Gleitpfad
  • Einsatz: Sichtflugbedingungen oder als Kontrolle elektronischer Führung

Ein stabilisierter Anflug über Gleitpfadführung reduziert die Arbeitsbelastung des Piloten, erhöht die Sicherheit und unterstützt die behördlichen Kriterien für stabilisierte Anflüge. Moderne Autopiloten können den Gleitpfad bis zu den Minima verfolgen, was Sicherheit und Effizienz weiter verbessert.

Typen der Vertikalleitung für Anflüge

1. Instrumentenlandesystem (ILS) Gleitweg

ILS ist der weltweite Standard für Präzisionsanflüge. Der Gleitwegsender sendet einen Funkstrahl in festem Winkel (meist drei Grad). Kategorien (Cat I, II, III) definieren immer niedrigere Minima und Sichtbedingungen, wobei Cat III nahezu nullsichtige Autolandungen unterstützt. ILS erfordert präzise Kalibrierung und Schutzbereiche zur Vermeidung von Störungen.

2. RNAV (GPS)-Anflüge mit Vertikalleitung

Localizer Performance with Vertical Guidance (LPV)

  • GPS gestützt durch WAAS ermöglicht winkelbasierte, ILS-ähnliche Führung
  • Minima: Bis zu 200 ft DA, aber nicht ICAO-“Präzision” wegen fehlender Bodenüberwachung

Lateral Navigation/Vertical Navigation (LNAV/VNAV)

  • Vertikalflugbahn: Linear, basierend auf GPS oder barometrischen Daten
  • Minima: Typischerweise 250–400 ft DA, abhängig von Temperatur/Druck
  • Nur Hinweis gebender Gleitpfad basierend auf veröffentlichtem Sinkflugwinkel
  • Nicht hindernisfrei, dient der Situationsübersicht

3. Visuelle Gleitpfad-Anzeigen (VGSI)

PAPI und VASI geben direktes visuelles Feedback zum Anflugwinkel. Piloten müssen bei Sichtbedingungen den VGSI-Anzeigen folgen, sofern nicht aus Sicherheitsgründen eine niedrigere Flugbahn erforderlich ist.

Vergleich der Vertikalleitungs-Systeme

SystemFührungVertikale FührungMinimaICAO-KlasseFlugzeugausrüstungHinweise
ILSBodengebundenPräzision (winkelig)50 ft DA (Cat III)PräzisionsanflugILS-EmpfängerAutoland-fähig
LPVGPS/WAASAPV (winkelig)200 ft DA (min)APV (nicht Präzision)WAAS-GPSNicht Cat II/III
LNAV/VNAVGPS/Baro-VNAVAPV (linear)250–400 ft DAAPV (nicht Präzision)Baro-VNAV FMS/WAAS-GPSTemperatur-/Druckkorrektur erforderlich
LNAVGPSKeine (nur lateral)MDA (höher)Nicht-PräzisionIFR-GPS (RAIM)Step-down-Fixes erforderlich
LPGPS/WAASKeine (nur lateral)MDANicht-PräzisionWAAS-GPSDort eingesetzt, wo vertikale Führung begrenzt ist
LNAV+V / LP+VGPS/WAASNur HinweisMDANicht-PräzisionWAAS-GPSNicht für Hindernisfreiheit vorgesehen

Technische und Ausstattungsanforderungen

ILS

  • Flugzeug: ILS-Empfänger, Gleitwegantenne
  • Boden: Localizer-, Gleitweg-Sender, Marker-Beacons
  • Einschränkungen: Anfällig für Gelände, Störungen, regelmäßige Kalibrierung erforderlich

GPS/WAAS

  • Flugzeug: IFR-zugelassenes GPS; WAAS-fähig für LPV/LP
  • Integrität: RAIM (ohne WAAS); WAAS liefert Echtzeit-Fehlerkorrektur
  • Datenbank: Muss aktuell sein für LPV/LP-Anflüge

Baro-VNAV

  • Flugzeug: FMS mit barometrischer Druck- und Temperaturintegration
  • Genauigkeit: Korrekte QNH-/Temperaturangabe erforderlich; Kaltwetterkorrekturen können Einsatz einschränken

Betriebsverfahren für Anflüge mit Vertikalleitung

ILS-Anflug

  1. ILS-Frequenz einstellen und identifizieren
  2. Localizer und Gleitweg abfangen
  3. Auf dem Gleitweg bis zur veröffentlichten DA sinken
  4. Landen oder bei fehlendem Sichtkontakt an der DA durchstarten

LPV-Anflug

  1. LPV-Verfahren im FMS laden
  2. Vor dem FAF „LPV“-Anzeige bestätigen
  3. Seitlichen/vertikalen Anzeigen bis zur DA folgen
  4. Landen oder an der DA durchstarten
  1. Baro-VNAV-Fähigkeit und QNH-/Temperatur-Einstellungen bestätigen
  2. Vertikalen Kurs des FMS bis zur DA überwachen
  3. Kaltwetterkorrekturen gegebenenfalls anwenden
  1. Laterale Kurse und Step-down-Höhen befolgen
  2. Auf jeder MDA verbleiben, bis die Landebahn sichtbar ist
  1. Für stabilisierten Sinkflug verwenden
  2. Nicht unter Step-down-Fix/MDA sinken, bis Sichtkontakt besteht

Visuelle Gleitpfad-Anzeigen (VGSI): PAPI und VASI

Visuelle Hilfen sind bei Sichtbedingungen entscheidend für die Ausrichtung im Anflug. PAPI und VASI geben klare, farbcodierte Rückmeldung (z.B. zwei weiße/zwei rote Lichter = auf Gleitpfad). Piloten sind verpflichtet, diesen zu folgen, sofern nicht aus Sicherheitsgründen eine niedrigere Höhe erforderlich ist.

Regulatorische Klassifizierung und ICAO-Standards

  • Präzisionsanflug (PA): ILS, GBAS (GLS)
  • Anflug mit vertikaler Führung (APV): LPV, LNAV/VNAV
  • Nicht-Präzisionsanflug (NPA): LNAV, LP, VOR, NDB

ICAO Annex 10 und FAA-Richtlinien spezifizieren technische und betriebliche Standards, inklusive Hindernisfreiheit und Signalqualität.

Ausrüstungsstandards und Zulassung

  • ILS: Zugelassener Empfänger und Pilotenqualifikation erforderlich
  • LPV/LNAV/VNAV: WAAS- oder Baro-VNAV-zertifizierte Avionik, aktuelle Datenbank, geschulte Besatzung
  • Operator: Muss die Mindestgeräteausstattung (MEL) für geplante Anflüge erfüllen

Hindernisse, Missed Approaches und Sicherheitsmargen

Zertifizierte vertikale Führung (ILS, LPV, LNAV/VNAV) gewährleistet Hindernisfreiheit im geschützten Luftraum. Hinweisgebende Pfade tun dies nicht. Jeder Anflug hat ein veröffentlichtes Missed Approach-Verfahren, das mit der DA (Präzision) oder MAP (Nicht-Präzision) zusammenfällt.

Temperatur- und Höhenmessereinflüsse

Kalte Temperaturen führen dazu, dass Baro-Höhenmesser zu niedrig anzeigen, was die Hindernisfreiheit gefährdet. Baro-VNAV-Anflüge können unter bestimmten Temperaturen verboten sein; Piloten müssen Korrekturen anwenden oder alternative Minima laut Karte nutzen.

Systemintegrität und Ausfälle

Alle Systeme verfügen über Integritätsüberwachung—ILS schaltet ab, wenn außerhalb der Toleranz, WAAS kann fehlerhafte Satelliten ausschließen, und RAIM warnt Piloten bei GPS-Anomalien. Piloten müssen vorbereitet sein, alternative Verfahren zu nutzen oder durchzustarten, falls die Integrität verloren geht.

Menschliches Verhalten und Pilotenverantwortung

Piloten müssen stets die Art der angezeigten Führung prüfen, Systemstatus überwachen, erforderliche Korrekturen vornehmen und veröffentlichte Minima und Step-down-Fixes beachten. Ausbildung und Routine mit allen verfügbaren Führungssystemen sind für sichere, effiziente Instrumentenanflüge unerlässlich.

Durch umfassendes technisches und betriebliches Verständnis des Gleitpfads sorgen Piloten, Fluglotsen und Flughafenplaner für sichere und effiziente Anflüge unter allen Wetterbedingungen. Die Auswahl und korrekte Nutzung der Gleitpfadführungen—ILS, LPV, Baro-VNAV und visueller Hilfen—sind Grundvoraussetzung für moderne Flugsicherheit und Leistungsfähigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Welchen Zweck hat der Gleitpfad in der Luftfahrt?

Der Gleitpfad bietet eine standardisierte, hindernisfreie vertikale Flugbahn für Luftfahrzeuge im Endanflug und gewährleistet einen sicheren Sinkflug bis zur Landeschwelle—typischerweise in einem Winkel von drei Grad. Dies minimiert das Risiko von Geländekollisionen, unterstützt stabilisierte Anflüge und erhöht die Landungssicherheit für Piloten und Passagiere.

Wie liefert das Instrumentenlandesystem (ILS) Gleitpfadführung?

ILS verwendet einen Gleitwegsender in der Nähe der Landebahn, der einen Funkstrahl in einem präzisen Winkel (meist drei Grad) aussendet. Flugzeuge mit ILS-Empfänger interpretieren dieses Signal und zeigen dem Piloten Steuerhinweise an, der die Sinkrate entsprechend anpasst, um auf dem Gleitpfad zu bleiben. Moderne Autopiloten können den Gleitweg automatisch verfolgen und so Präzisionsanflüge auch bei geringer Sicht unterstützen.

Worin unterscheiden sich ILS-, LPV- und Baro-VNAV-Vertikalleitungen?

ILS ist ein bodengestütztes System, das präzise, winkelbasierte vertikale und laterale Führung bietet. LPV verwendet GPS mit WAAS-Erweiterung zur Erzeugung eines virtuellen Gleitpfads, der ILS ähnelt, jedoch satellitenbasiert ist. Baro-VNAV erzeugt eine vertikale Flugbahn auf Basis barometrischer Höhendaten und erfordert genaue Temperatur- und Druckangaben. Jedes System hat eigene Minima, Ausrüstungsanforderungen und regulatorische Einstufungen.

Wann sollten Piloten visuelle Gleitweg-Anzeigen wie PAPI oder VASI nutzen?

Piloten sollten visuelle Gleitweg-Anzeigen (PAPI, VASI) bei Sichtanflügen oder als Querprüfung elektronischer Führung nutzen. Diese Systeme liefern sofortiges visuelles Feedback zur Flugzeugposition relativ zum optimalen Gleitpfad und verbessern so Stabilität und Sicherheit des Anflugs, besonders wenn elektronische Führung nicht verfügbar oder gestört ist.

Welche Bedeutung haben Anflugminima wie DA, MDA und RVR?

Anflugminima definieren die niedrigsten Höhen (Decision Altitude—DA, Minimum Descent Altitude—MDA) und Sichtweiten (Runway Visual Range—RVR), bei denen eine Landung mit einem bestimmten Anflugverfahren sicher versucht werden kann. Diese Minima werden bestimmt durch Präzision und Integrität des Leitsystems, Anforderungen an Hindernisfreiheit sowie Flugzeug- und Besatzungszertifizierung.

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