Anflugzone

airport operations runway safety approach procedures

Anflugzone

Definition und Regulatorischer Rahmen

Die Anflugzone ist ein exakt definierter Luftraum- sowie Bodenabschnitt vor der Landebahnschwelle, der gezielt entworfen und reguliert ist, um einen sicheren, stabilisierten Sinkflug und die Ausrichtung des Flugzeugs auf die Landebahn für die Landung zu ermöglichen. Sie ist grundlegend für Sicht- wie Instrumentenanflüge, wobei Entwurf und Betriebskriterien von internationalen und nationalen Luftfahrtbehörden wie der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) und der US-Luftfahrtbehörde FAA festgelegt werden.

Die Anflugzone umfasst sowohl eine Anflugfläche – eine gedachte, geneigte Ebene, die sich von der Landebahnschwelle auswärts und aufwärts erstreckt – als auch den zugehörigen Luftraumabschnitt, durch den Flugzeuge im Endanflug fliegen müssen. Ihre Geometrie, Anforderungen an die Hindernisfreiheit sowie die Integration von Navigations- und visuellen Hilfen sind in ICAO Anhang 14 und FAA Title 14 CFR Part 77 detailliert beschrieben.

Wichtige Punkte:

  • Befindet sich unmittelbar vor der Landebahnschwelle, vom Final Approach Fix (FAF) oder Final Approach Point (FAP) bis zur Schwelle.
  • Bietet einen sicheren, hindernisfreien und regulierten Sinkflugkorridor.
  • Unterstützt sowohl Instrumenten- als auch Sichtanflüge und integriert elektronische sowie visuelle Landungshilfen.

Räumliche und Geometrische Merkmale

Gestaltung der Anflugfläche

Die Anflugfläche ist ein dreidimensional geneigter Bereich, der sich von der Landebahnschwelle auswärts und aufwärts erstreckt und so konzipiert ist, dass Hindernisfreiheit und ein sicherer Sinkflug gewährleistet sind.

LandebahntypInnenbreiteAußenbreiteLänge ab SchwelleSteigung
Präzision CAT I300 m1200 m3000 m2,5 % (1,43°)
Präzision CAT II/III300 m1800 m3000 m2,0 % (1,15°)
Nicht-Präzision150 m600 m2500 m2,5 % (1,43°)

Quellen: ICAO Anhang 14 Vol. I , FAA CFR Part 77

Lage und Begrenzungen

  • Startpunkt: An der Landebahnschwelle.
  • Ende: Erstreckt sich über eine vorgeschriebene Distanz, verbreitert sich und steigt zur Gewährleistung der Hindernisfreiheit.
  • Bezug zur Befeuerung: Umfasst den Bereich über und um die Anflugbefeuerungssysteme (ALS).

Betriebliche Auswirkungen

  • Hindernisbegrenzungsflächen (OLS): Die Anflugfläche ist Teil der OLS und schützt den Endanflug vor Hindernissen.
  • Bereitstellung des Gleitpfads: Die Anflugfläche ist auf Standardgleitwinkel (meist 3°) für sicheren Sinkflug ausgelegt.

Beziehung zu anderen Flughafen-Betriebsbereichen

Landebahnschwelle, Endanflug und Aufsetzzone

  • Landebahnschwelle: Der physische Beginn der Landebahn für Landungen, mit charakteristischen Streifen markiert.
  • Endanflugsegment: Der Abschnitt vom FAF/FAP bis zur Landebahnschwelle, in dem Piloten in die Lande-Konfiguration übergehen und die Ausrichtung halten.
  • Aufsetzzone (TDZ): Die ersten 3.000 Fuß oder ein Drittel der Landebahn hinter der Schwelle, markiert für sichere Landung und Verzögerung.
  • Zielpunkt: Markierungen (breite weiße Rechtecke) meist 1.000 Fuß hinter der Schwelle, dienen als visuelle Gleitpfadreferenz.

Schematische Darstellung

|---Anflugzone---|---Schwelle---|---Zielpunkt---|---Aufsetzzone---|
        |               |                |                   |
   (FAF/FAP)     (Landebahnbeginn)  (1.000 ft)      (Erste 3.000 ft)

Quellen: FAA AIM, 4-3-3

Zweck und Funktion

Kontrollierter Sinkflug und Sicherheit

Die Anflugzone ist der Übergangsbereich vom Anflug zur Landung und sorgt für einen stabilisierten Sinkflug. Piloten nutzen diese Zone, um:

  • Sich mit Navigationshilfen und visuellen Referenzen auf die Landebahn auszurichten.
  • Auf einem Standardgleitpfad (meist 3°) zu sinken.
  • Sich auf Abfangen und Aufsetzen vorzubereiten (Fahrwerk, Klappen, Geschwindigkeit konfigurieren).

Ziele:

  • Hindernisfreiheit: Keine Bauwerke dürfen die Anflugfläche durchdringen.
  • Führung: Unterstützt sowohl Instrumenten- (IMC) als auch Sichtanflüge (VMC).
  • Standardisierung: Gewährleistet wiederholbare, sichere Anflüge – unabhängig von Flugzeugtyp oder Wetter.

Quellen: ICAO Doc 8168 , FAA Airplane Flying Handbook, Ch. 9

Verfahren im Betrieb

Standardisiertes Anflugverfahren

  1. Einfädeln: Ausrichtung auf die verlängerte Landebahnmittellinie mit ILS, VOR, RNAV oder visuellen Hinweisen.
  2. Konfiguration: Fahrwerk ausfahren, Klappen wählen, Geschwindigkeit für die Landung einstellen.
  3. Sinkpfad: Gleichmäßige Sinkrate auf dem Gleitpfad halten, unter Nutzung von visuellen Hilfen (PAPI, VASI) oder ILS.
  4. Zielpunkt: Zielpunkt während des stabilisierten Anflugs im Sichtfeld konstant halten.
  5. Abfangen und Aufsetzen: Abfangen bei ~50 Fuß über der Schwelle einleiten; Aufsetzen erfolgt innerhalb der Aufsetzzone.

Instrumentenanflug

  • FAF/FAP: Punkt, an dem der Endanflug beginnt; beim ILS wird hier der Gleitpfad eingefangen.
  • Missed Approach Point (MAP): Wenn die erforderlichen Sichtreferenzen fehlen, Einleitung des Durchstarts.

Sichtanflug

  • Platzrunden-Einflug: Einflug in die Platzrunde, visuelle Ausrichtung, Nutzung von Markierungen/PAPI/VASI zur Führung.

Quellen: FAA Instrument Procedures Handbook

Visuelle Hinweise und Markierungen

Landebahnmarkierungen

  • Schwelle: Mehrere weiße Streifen quer zum Landebahnbeginn.
  • Zielpunkt: Zwei breite Rechtecke, 1.000 Fuß hinter der Schwelle.
  • Aufsetzzone: Reihen weißer Balken alle 500 Fuß bis zu 3.000 Fuß.

Anflugbefeuerungssysteme (ALS)

  • Zweck: Visuelle Verlängerung der Landebahnmittellinie, unterstützt den Übergang vom Instrumenten- zum Sichtflug.
  • Typen: ALSF-1/2 (hochintensiv), MALSR (mittel), SSALR/ODALS (vereinfacht).

Beispielhafter Aufbau eines ALS

[Landebahnschwelle]
|---Barrenfeuer---|---Sequenzblitzleuchten---|
(Erstrecken sich bis zu 2.400 ft vor der Schwelle)

Visuelle Gleitweganzeiger

  • VASI: Rote und weiße Lichtbalken neben der Landebahn.
  • PAPI: Reihe aus vier Leuchten, rot/weiß-Kombination für präzise Führung.

Sichtbild

  • Der Zielpunkt bleibt während des stabilisierten Anflugs im Sichtfenster konstant.
  • Die Landebahnränder laufen beim Sinken perspektivisch zusammen.

Quellen: ICAO Anhang 14, Abschnitte 5.3 & 5.4

Sicherheits- und Regulatorische Aspekte

Hindernisfreiheit

  • Hindernisfreier Bereich (OFZ): Die Anflugfläche muss frei von Hindernisdurchdringungen bleiben.
  • Regulatorische Standards: ICAO Anhang 14 und FAA Part 77 legen präzise Kriterien fest.

Stabiler Anflug

  • Definition: Flugzeug ist vollständig konfiguriert, auf Geschwindigkeit und Gleitpfad bei 1.000 Fuß AGL (IMC) bzw. 500 Fuß (VMC).
  • Vorgabe: Durchstart, wenn diese Stabilisierung nicht erreicht wird.

Einhaltung der Aufsetzzone

  • Vorgabe: Landung innerhalb des ersten Drittels oder der ersten 3.000 Fuß der Landebahn.
  • Abweichung: Aufsetzen außerhalb dieser Zone kann als Zwischenfall gewertet werden.

Häufige Gefahren

  • Runway Incursion: Unbefugtes Betreten der Anflugzone.
  • Falsche Bahnlandung: Verwechslung der Lande-Runway.

Quellen: FAA Airplane Flying Handbook

Technisches Glossar

BegriffDefinition
AnflugzoneLuftraum und Flugweg vor der Landebahnschwelle für sicheren, kontrollierten Sinkflug.
EndanflugLetztes Anflugsegment, ausgerichtet auf Mittellinie, sinkend zur Landung.
ZielpunktMarkierung als Gleitpfadreferenz, 1.000 ft hinter der Schwelle.
Aufsetzzone (TDZ)Erste 3.000 ft oder ein Drittel der Landebahn hinter der Schwelle für die Landung.
LandebahnschwelleBeginn der nutzbaren Landebahn, durch Streifen markiert.
GleitwegStandardmäßiger Sinkwinkel (meist 3°) für den Endanflug.
Final Approach Fix (FAF)Beginn des Endanflugs bei Instrumentenanflügen.
AnflugbefeuerungssystemBefeuerung, die sich in die Anflugzone erstreckt und die visuelle Bahnaufnahme unterstützt.
Hindernisfreier Bereich (OFZ)Geschützter Bereich im Anflug, der frei von Hindernissen gehalten wird.

Beispiele und Anwendungsfälle

Beispiel Sichtanflug

Ein Pilot eines Allgemeinen-Luftfahrt-Flugzeugs geht in den Endanflug, erkennt die Zielpunkt-Markierungen und PAPI-Leuchten und hält einen 3°-Gleitweg ein. Bei 50 Fuß über der Landebahnschwelle wird abgefangen und das Aufsetzen erfolgt in der TDZ.

Beispiel Instrumentenanflug

Ein Verkehrsflugzeug führt einen ILS-Anflug der Kategorie I durch. Am FAF fängt die Besatzung Localizer und Gleitweg ein. Das Anflugbefeuerungssystem hilft bei der finalen Ausrichtung, während das Flugzeug vom Instrumenten- in den Sichtflug übergeht und die Schwelle in korrekter Höhe für eine sichere Landung überfliegt.

Kurzbahnlandung

Auf einer kurzen Landebahn muss der Anflug besonders präzise erfolgen. Das Flugzeug wird frühzeitig vollständig konfiguriert, der Sinkflug stabilisiert auf den Zielpunkt ausgerichtet und ein zeitiges Abfangen sorgt für das Aufsetzen innerhalb des ersten Drittels der Bahn.

Praktische Tipps für Piloten

  • Zielpunkt nutzen: Den Zielpunkt als Referenz für den Gleitweg und nicht als Aufsetzpunkt verwenden.
  • Früh stabilisieren: Flugzeug konfigurieren und stabilisieren, bevor die Anflugzone erreicht wird.
  • Hilfen nutzen: PAPI, VASI und ALS insbesondere bei schlechter Sicht verwenden.
  • Sichtbild beachten: Zielpunkt im Sichtfenster konstant halten.
  • Umgebung berücksichtigen: Wind, Bahngefälle oder Nässe bei Anflug und Bremsweg beachten.
  • Anflug besprechen: Alle Verfahren und Hinweise für die gewünschte Landebahn durchgehen.
  • Nicht auf Schwelle zielen: Hindernisfreiheit ist mit dem Zielpunkt berechnet.
  • Durchstart bei Bedarf: Bei unstabilem Anflug oder wenn kein Aufsetzen in TDZ möglich ist, Durchstart einleiten.

Irrtümer und Fehlervermeidung

Irrtum/FehlerKorrektur/Erklärung
Auf die Landebahnschwelle zielenErhöht das Risiko des Unterschießens; Zielpunkt für Gleitweg nutzen.
Auf dem Zielpunkt aufsetzenAbfangen verschiebt das Aufsetzen hinter den Zielpunkt; das ist korrekt.
Späte AnflugstabilisierungKann zu harten Landungen oder Überrollen führen; bei 1.000/500 ft AGL stabilisieren.
Klappen einfahren wegen UnterschießensFührt zu schnellem Sinken/Tragkraftverlust; stattdessen mit Schub und Nicklage korrigieren.
Hinweise der Anflugbefeuerung ignorierenReduziert Situationsbewusstsein, besonders bei schlechter Sicht.

Quellen und Danksagung

Übersichtstabelle: Schlüsselmerkmale der Anflugzone

AspektDetails
DefinitionLuftraum und Flugweg vor der Landebahnschwelle für kontrollierten Sinkflug und Landung.
BegrenzungenFAF/FAP bis Landebahnschwelle, inklusive Luftraum über Anflugbefeuerung und Markierungen.
Markierungen & HilfenSchwelle, Zielpunkt, Aufsetzzone, PAPI/VASI, Anflugbefeuerungssysteme.
Standardgleitweg3°, sofern nicht durch Verfahren oder Gelände anders vorgegeben.
HindernisfreiheitGeschützt durch Anflugfläche und OFZ-Kriterien.
Stabiler AnflugErforderlich bis 1.000 ft AGL (IMC) oder 500 ft AGL (VMC); Durchstart, wenn nicht erreicht.

Häufig gestellte Fragen

Wie wird die Anflugzone hinsichtlich Abmessungen und Steigung definiert?

Die Abmessungen und die Steigung der Anflugzone hängen von der Landebahnkategorie und dem Anflugtyp ab. Beispielsweise beginnt eine Präzisionsanflugfläche (CAT I) typischerweise an der Landebahnschwelle, ist dort 300 Meter breit, weitet sich auf 1200 Meter, erstreckt sich 3000 Meter hinaus und steigt mit einer Steigung von 2,5 %. Diese Parameter sind in ICAO Anhang 14 und FAA Part 77 genau festgelegt.

Warum ist die Hindernisfreiheit in der Anflugzone so wichtig?

Die Hindernisfreiheit gewährleistet, dass Flugzeuge sicher sinken können, ohne Gefahr einer Kollision mit Gelände oder Bauwerken. Regulierungsbehörden definieren gedachte Anflugflächen, die hindernisfrei bleiben müssen, um einen sicheren Betrieb zu ermöglichen – insbesondere bei schlechter Sicht oder Instrumentenwetterbedingungen.

Was ist der Unterschied zwischen der Anflugzone und der Aufsetzzone?

Die Anflugzone ist der Luftraum- und Bodenbereich vor der Landebahnschwelle, der Flugzeuge zur Landebahn führt. Die Aufsetzzone ist der Bereich der Landebahn unmittelbar hinter der Schwelle, in dem das Flugzeug landen soll – typischerweise die ersten 3.000 Fuß oder ein Drittel der Landebahnlänge.

Wie unterstützen visuelle und elektronische Hilfen Piloten in der Anflugzone?

Visuelle Hilfen wie Anflugbefeuerung (ALS), PAPI und VASI liefern Informationen zu Gleitpfad und Ausrichtung. Elektronische Hilfen (ILS, RNAV, VOR) bieten seitliche und vertikale Führung, insbesondere unter Instrumentenwetterbedingungen, und sorgen für einen stabilisierten Anflug und einen reibungslosen Übergang zur Landung.

Was sollten Piloten tun, wenn der Anflug in der Anflugzone unstabil wird?

Ist der Anflug bis 1.000 Fuß über Grund bei Instrumentenbedingungen oder 500 Fuß bei Sichtflugbedingungen nicht stabilisiert, müssen Piloten einen Durchstart einleiten, da ein Fortsetzen zu harten Landungen, Landebahnüberschreitungen oder anderen Vorfällen führen könnte.

Erhöhen Sie Flughafensicherheit und Betrieb

Das Verständnis und die Beachtung des Designs der Anflugzone sind entscheidend für einen sicheren, effizienten Flughafenbetrieb und ein reduziertes Risiko von Zwischenfällen.

Mehr erfahren

Anflugfläche

Anflugfläche

Eine Anflugfläche ist eine gedachte, geneigte Fläche, die sich vom Ende einer Start- und Landebahn nach außen und oben erstreckt und den nutzbaren Luftraum für ...

5 Min. Lesezeit
Airport design Obstruction surfaces +2
Flugplatz

Flugplatz

Ein Flugplatz ist ein festgelegtes Gebiet an Land oder Wasser – einschließlich Gebäuden, Anlagen und Ausrüstung – das für die Ankunft, den Abflug und die Bodenb...

5 Min. Lesezeit
Aviation Airports +3