Rollfeld-Mittellinienbefeuerung (RCL)

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Rollfeld-Mittellinienbefeuerung (RCL) – Ausführliches Glossar

Was ist Rollfeld-Mittellinienbefeuerung (RCL)?

Die Rollfeld-Mittellinienbefeuerung (RCL) ist ein hochspezialisiertes, eingelassenes Befeuerungssystem, das exakt entlang der Mittellinie einer Flughafen-Start- und Landebahn installiert wird. Ihr Hauptzweck ist es, kontinuierliche und eindeutige visuelle Führung für Piloten beim Start, bei der Landung und beim Rollen zu bieten – insbesondere bei eingeschränkter Sicht durch Dunkelheit, Nebel, Niederschlag oder Schneebedeckung. RCL-Systeme sind für Präzisionsanflugbahnen (insbesondere für Bahnen mit ILS Kategorie II und III) gemäß ICAO Annex 14 und FAA AC 150/5340-30J vorgeschrieben.

Jede RCL-Leuchte ist eine robuste, bündig montierte Einheit, die dafür ausgelegt ist, den anspruchsvollen Bedingungen aktiver Start- und Landebahnen standzuhalten. Die Betriebslogik des Systems beinhaltet eine sorgfältig abgestimmte Farbsequenz – von reinem Weiß über abwechselnd Rot/Weiß bis hin zu komplett Rot, je näher das Flugzeug dem Bahnende kommt – und gibt Piloten so wichtige räumliche Orientierung und unterstützt rechtzeitige Entscheidungen. Die RCL arbeitet im Zusammenspiel mit anderen Flugbetriebsbefeuerungen, um eine umfassende, sichere und effiziente visuelle Umgebung für Flugbewegungen zu schaffen.

Funktion und Anwendungsbereiche

Wie funktioniert die RCL

Die Hauptfunktion der RCL ist es, Piloten eine kontinuierliche und präzise Mittellinienreferenz zu bieten, insbesondere wenn aufgemalte Markierungen verdeckt oder nicht sichtbar sind. Dies ist besonders wichtig bei:

  • Präzisionsanflugbetrieb: Für Bahnen der Kategorie II/III, bei denen Piloten sowohl Instrumenten- als auch visuelle Führung benötigen, um die genaue Ausrichtung auch bei niedrigen Entscheidungshöhen zu halten.
  • Start und Rollen bei schlechter Sicht: Wenn Wetterbedingungen die Sicht beeinträchtigen, sorgt die RCL dafür, dass das Flugzeug auf dem vorgesehenen Weg bleibt.
  • Bewusstsein für das Bahnende: Farbwechsel in den RCL-Leuchten liefern unmissverständliche Hinweise auf die verbleibende Bahnlänge und erhöhen so das Situationsbewusstsein der Piloten beim Ausrollen und Startabbruch.
  • Bahnbesetzung und Sicherheit: Die Integration mit Flugverkehrskontrolle und Runway Status Lights (RWSL) hilft, Eindringen und unbefugte Bewegungen zu verhindern.
  • Betriebliche Resilienz: Für den Dauerbetrieb mit Redundanzen und Diagnostik ausgelegt, um Sicherheit auch bei teilweisem Systemausfall zu gewährleisten.

Praktische Anwendungsbeispiele

  • Landung im Nebel (Autoland): Bei dichtem Nebel nutzen Großraumflugzeuge den hellen, farbkodierten RCL-Weg, um sicher zu landen, wenn äußere Anhaltspunkte fast unsichtbar sind.
  • Schneebedingungen: An Flughäfen mit häufigem Schneefall bleiben RCL-Leuchten nach dem Räumen sichtbar, während aufgemalte Mittellinien oft zugeschoben sind.
  • Nacht & Regen: Die RCL sorgt auch bei Dunkelheit oder starkem Regen für eine klare, zuverlässige Mittellinie und reduziert Richtungsabweichungen bei hohen Geschwindigkeiten.

Technische Spezifikationen

Bauweise und Haltbarkeit

  • Leuchtentyp: Bündig/eingelassen, mit standardisierten Durchmessern von 8 Zoll (203 mm) oder 12 Zoll (305 mm).
  • Materialien: Hochfeste, korrosionsbeständige Aluminiumlegierungen; saphirbeschichtete Prismen für Abriebfestigkeit.
  • Höhe: ≤6,35 mm über der Fahrbahn, um Beschädigungen durch Überrollen zu vermeiden.
  • Schutzart: IP68 für vollständigen Staub- und Wasserschutz.
  • Betriebstemperatur: Von -55°C bis +85°C.
  • Lebensdauer: Über 20 Jahre, widersteht wiederholter mechanischer, thermischer und chemischer Belastung.

Elektrische und optische Eigenschaften

  • Lichtquelle: Hocheffiziente LEDs (Standard), einige ältere Optionen mit Halogen.
  • Leistungsaufnahme: Typisch 19 W (weiß) und 15 W (rot) pro Seite bei 6,6 A in Reihenschaltung.
  • Spannung: Umax 5,8 V, Umin 1,7 V.
  • Lichttechnische Werte: Erfüllt ICAO- und FAA-Anforderungen an Intensität, Farbe und Gleichmäßigkeit.
  • Bidirektionale Abstrahlung: Unterstützt Betrieb in beiden Richtungen der Landebahn.

Farbe, Abstand und Betriebslogik

Farblogik

  • Weiß: Über den größten Teil der Mittellinie.
  • Abwechselnd Rot/Weiß: Beginnt 900 Meter (3.000 Fuß) vor dem Bahnende.
  • Rot: Die letzten 300 Meter (1.000 Fuß), signalisiert das bevorstehende Bahnende.

Dieser Farbverlauf gibt Piloten sofort eine visuelle Information über die verbleibende Bahnlänge und unterstützt die Entscheidungsfindung in Hochstressphasen.

Abstand

  • Bahnen der Kategorie I: 30 Meter (98 Fuß) Abstand.
  • Bahnen der Kategorie II/III: 15 Meter (49 Fuß) Abstand für bessere Führung bei schlechter Sicht.
  • Ausrichtung: Die Leuchten werden innerhalb von 0,75 Metern (2,5 Fuß) zur aufgemalten Mittellinie installiert, um höchste Genauigkeit zu gewährleisten.

Normen und Vorschriften

RCL-Systeme sind weltweit reguliert, um Interoperabilität, Zuverlässigkeit und Sicherheit sicherzustellen.

  • ICAO Annex 14, Band I: Legt technische und betriebliche Anforderungen für RCL auf allen Präzisionsanflugbahnen (CAT II/III) fest, darunter Farblogik, Abstand, Lichttechnik und Redundanz.
  • FAA AC 150/5340-30J/46E: US-Standards zu Planung, Installation, Wartung und Zertifizierung von RCL-Leuchten.
  • Zertifizierung: RCL-Einheiten werden auf mechanische Haltbarkeit, Lichtleistung und Umweltbeständigkeit getestet und müssen regelmäßige Audits und Betriebskontrollen bestehen.

Einbauanforderungen

Montage und Zubehör

  • Basisdosen: Standardisierte flache Dosen (8"/12"), die in die Bahn eingelassen oder verdübelt werden.
  • Adapter-/Schneepflugringe: Sorgen für bündigen Sitz und schützen vor Schneepflugschäden.
  • Bodenbelagskompatibilität: Geeignet für Beton und Asphalt.
  • Montagewerkzeuge: Spezielles Werkzeug gewährleistet korrekte Höhe, Neigung und Ausrichtung.

Elektrische Integration

  • Reihenschaltungen: Die RCL wird über zertifizierte, feuchtigkeitsgeschützte Anschlüsse an Flugfeldbeleuchtungskreise angebunden.
  • Systemintegration: Vollständig kompatibel mit Aufsetzzonen-, Bahnenend- und Stoppleuchten sowie moderner Bodenbewegungsführung.

Dokumentation

Hersteller liefern Montageanleitungen, Ausrichtungsleitfäden und Inbetriebnahme-Checklisten, die von Installateuren und Prüfern genutzt werden.

Wartung und Diagnostik

LED-Lebensdauer

  • Minimaler Wartungsaufwand: LEDs bieten eine Lebensdauer von über 50.000 Stunden und erfordern nur regelmäßige Reinigung und Sichtkontrolle.
  • Diagnostik: Viele Leuchten ermöglichen Fernüberwachung, Fehlererkennung und Leistungsprüfung.
  • Enteisung: In kalten Regionen verhindern Enteisungssätze Eis- und Schneebildung und sichern den ganzjährigen Betrieb.
  • Reinigung & Prüfung: Regelmäßiges Entfernen von Schmutz, Gummi und Chemikalien für klare Optik; elektrische und lichttechnische Prüfungen gemäß behördlichen Vorgaben.
  • Fehlerbenachrichtigung: Optionale Ausfall-/Offenfunktionen melden Störungen sofort und unterstützen proaktive Wartung.

Produktvarianten und Technologien

LED vs. Halogen

  • LED: Industriestandard bei Neuanlagen; effizient, langlebig, unterstützt fortschrittliche Überwachung.
  • Halogen: Nur noch in Bestandsanlagen; höherer Wartungs- und Energiebedarf.

CEDD®-Technologie

  • Contactless Energy & Data Distribution (CEDD®): Induktive Energie- und Datenübertragung reduziert Fehlerquellen und ermöglicht schnelle Umkonfiguration sowie fortschrittliche Diagnostik.

Optionale Ausstattungen

  • Einzellampensteuerung: Fernüberwachung und Steuerung einzelner Leuchten möglich.
  • Saphirbeschichtete Prismen: Für erhöhte Abriebfestigkeit.
  • Enteisung: Sichert Sichtbarkeit bei Frost.
  • Diagnoseschnittstelle: Für vorausschauende Wartung und schnelle Fehlerbehebung.

Verwandte Befeuerungsprodukte

  • Schwellen- & Flügelbalkenleuchten: Markieren den Beginn der Landebahn für anfliegende Flugzeuge.
  • Aufsetzzonenbefeuerung: Definiert den optimalen Landepunkt.
  • Bahnenendbefeuerung: Kennzeichnet das physische Ende der Bahn.
  • Rollweg-Mittellinienbefeuerung: Führt Flugzeuge auf Rollwegen, besonders bei schlechter Sicht.

Praktische Beispiele und Anwendungsfälle

Flughafen Amsterdam Schiphol (AMS)

Durchgehende RCL auf CAT-III-Bahnen ermöglicht sicheres Starten und Landen bei Nebel, Schnee und Nacht. Der Einsatz von LED und CEDD® senkt Energie- und Wartungskosten.

London Stansted (STN)

Kombiniert RCL mit Runway Status Lights und fortschrittlicher Bodenbewegungsführung, um das Risiko von Bahnverletzungen zu minimieren und die Betriebsleistung zu steigern.

Vancouver International (YVR)

Mit Enteisungssätzen und Schneepflugringen ausgestattete RCL-Leuchten sichern Zuverlässigkeit bei häufigem Schnee und Eis – für ganzjährige Sicherheit.

Szenariobeispiele

  • Winterbetrieb: Enteisung und Schneezubehör halten die RCL auch bei verschütteten Markierungen sichtbar.
  • Modernisierung: Flughäfen rüsten alte Halogen-RCL auf LED und CEDD® für mehr Effizienz und Diagnostik um.
  • Sicherheit der Bodenbewegung: RCL mit Stoppleuchten ist ein zentraler Bestandteil der Bodenbewegungskontrolle und reduziert Bahnbahnüberschreitungen.

Downloads und Referenzen

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Dieses Glossar dient als umfassende Ressource für Luftfahrtprofis, Flughafenbetreiber und alle, die sich für die Technologien und Standards interessieren, die weltweit einen sicheren und effizienten Betrieb auf Start- und Landebahnen gewährleisten.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Rollfeld-Mittellinienbefeuerung (RCL)?

Die Rollfeld-Mittellinienbefeuerung (RCL) ist ein in die Fahrbahn eingelassenes System von Lichtern, das entlang der Mittellinie einer Start- und Landebahn installiert wird. Sie bietet Piloten eine klare, durchgehende visuelle Referenz – insbesondere bei schlechter Sicht oder bei Nacht – und unterstützt so sicheres Starten, Landen und Rollen. RCL ist für Präzisionsanflugbahnen (Kategorie II/III) nach ICAO- und FAA-Standards vorgeschrieben.

Wie erhöht die RCL die Sicherheit auf der Start- und Landebahn?

Die RCL erhöht die Sicherheit, indem sie eine eindeutige laterale Führung bietet, selbst wenn aufgemalte Mittellinien durch Dunkelheit, Nebel, Schnee oder Regen verdeckt sind. Die Lichter verwenden außerdem eine Farbsequenz (weiß, abwechselnd rot/weiß, rot), um die verbleibende Bahnlänge anzuzeigen und Piloten beim Ausrollen nach der Landung oder bei Startabbrüchen zu unterstützen.

Welche technischen Standards gelten für die RCL?

RCL-Systeme müssen den Vorgaben von ICAO Annex 14 und FAA AC 150/5340-30J/46E entsprechen. Diese Standards legen die Haltbarkeit der Leuchten, die lichttechnische Leistung, Farbigkeit, Abstände (typischerweise 15–30 Meter) und Farbverläufe fest. Die Leuchten sind meist bündig eingebaut, LED-basiert und für extreme Umweltbedingungen ausgelegt.

Sind LED-Leuchten Standard für die RCL?

Ja, moderne RCL-Systeme verwenden hocheffiziente LEDs für eine lange Lebensdauer, geringeren Energieverbrauch und fortschrittliche Funktionen wie variable Intensitätsregelung und Diagnostik. LEDs ersetzen zunehmend ältere Halogensysteme, da sie langlebiger und kostengünstiger sind.

Wie funktioniert die Farblogik der RCL?

Auf dem größten Teil der Landebahn leuchten die RCL-Lichter weiß. 900 Meter vor Bahnende wechseln sie zwischen rot und weiß; die letzten 300 Meter sind komplett rot. Diese Sequenz gibt Piloten eine klare visuelle Information über die verbleibende Bahnlänge.

Wie werden RCL-Leuchten installiert und gewartet?

RCL-Leuchten werden bündig in standardisierte Basisdosen eingebaut, die mit Asphalt und Beton kompatibel sind. Der Wartungsaufwand ist bei LEDs minimal und beschränkt sich meist auf Reinigung und Sichtprüfung. Moderne Diagnosesysteme und Enteisungssätze können die Zuverlässigkeit insbesondere in rauem Klima weiter erhöhen.

Welche Flughäfen nutzen RCL-Systeme?

Große internationale Flughäfen wie Amsterdam Schiphol, London Stansted und Vancouver International nutzen RCL, um auch bei Nacht, Nebel, Schnee und hohem Verkehrsaufkommen einen sicheren Betrieb zu gewährleisten. RCL ist auf allen Bahnen mit Präzisionsanflugbetrieb Standard.

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