Stoppstrecke

Airport operations Runway safety Aviation infrastructure

Stoppstrecke und verwandte Flughafeninfrastruktur: Ein umfassender Leitfaden

Einleitung

Das moderne Flughafendesign umfasst eine Vielzahl von Merkmalen, um Sicherheit, Effizienz und die Einhaltung von Vorschriften zu maximieren. Zu diesen gehört die Stoppstrecke als ein kritisches, jedoch oft missverstandenes Element. Dieser Leitfaden bietet einen tiefgehenden Einblick in Stoppstrecken, ihren Zusammenhang mit anderen Rollbahninfrastrukturen (wie Freistrecke, Blast Pad, EMAS und RESA) und ihre Rolle bei der Gewährleistung eines sicheren und effektiven Flugbetriebs. Außerdem werden relevante Standards, Markierungen, Leistungsberechnungen sowie bewährte Verfahren für Bau und Wartung beleuchtet.

Was ist eine Stoppstrecke?

Eine Stoppstrecke ist ein speziell gebauter, tragfähiger Bereich unmittelbar hinter dem Ende einer Rollbahn. Ihr Zweck ist es, zusätzliche Strecke für ein Flugzeug bereitzustellen, um im Falle eines abgebrochenen Starts nach dem Point of no Return (Entscheidungsgeschwindigkeit oder V1) sicher anhalten zu können. Im Gegensatz zur Hauptrollbahn ist die Stoppstrecke nicht für den normalen Start-, Lande- oder Rollbetrieb vorgesehen. Sie fungiert stattdessen als passives Sicherheitsmerkmal und erhöht die insgesamt verfügbare Beschleunigungs-Stopp-Strecke (ASDA).

Wichtige Merkmale

  • Lage: Jenseits des Bahnendes, in Verlängerung der Mittellinie.
  • Oberfläche: Befestigt und stark genug, um das schwerste Flugzeug auf der Bahn zu tragen.
  • Markierungen: Auffällige gelbe Zickzacklinien oder Diagonalstreifen.
  • Nutzung: Nur im Notfall, insbesondere bei abgebrochenen Starts.
  • Vorschriften: Festgelegt in ICAO Annex 14 und FAA Advisory Circulars.

Die Rolle der Stoppstrecke bei den deklarierten Rollbahnlängen

Zu wissen, wo die Stoppstrecke in den deklarierten Distanzen einzuordnen ist, ist für Flugbesatzungen und Flughafenbetreiber essenziell:

DistanzEnthält Stoppstrecke?Definition
TORA (Takeoff Run Available)NeinBefestigte Rollbahn für den normalen Startlauf.
TODA (Takeoff Distance Available)NeinTORA plus Freistrecke, nicht die Stoppstrecke.
ASDA (Accelerate-Stop Distance Available)JaTORA plus Stoppstrecke; gesamte Distanz für sicheres Beschleunigen und Abbremsen.
LDA (Landing Distance Available)NeinNutzbare Rollbahn nur für den Landelauf.

Stoppstrecke vs. Freistrecke vs. Blast Pad vs. EMAS

Das Verständnis der Unterschiede ist für Piloten und Flughafenplaner gleichermaßen wichtig:

  • Stoppstrecke: Tragfähig, ausschließlich für abgebrochene Starts; mit gelben Zickzacklinien markiert.
  • Freistrecke: Hindernisfreier Bereich für den Anfangssteigflug, nicht befestigt oder tragfähig; nicht zum Abbremsen.
  • Blast Pad: Befestigt, um Erosion durch Triebwerksstrahlen zu widerstehen, nicht für Flugzeuggewicht bei Überrollen ausgelegt.
  • EMAS (Engineered Material Arresting System): Speziell entwickeltes Material, um überrollende Flugzeuge sicher zu stoppen, häufig dort eingesetzt, wo wenig Platz ist.

Markierungen und Befeuerung

Markierungen der Stoppstrecke

  • Gelbe Zickzacklinien: Standardmarkierung, die anzeigt, dass der Bereich nicht für Start, Landung oder Rollen geeignet ist.
  • Lage: Direkt angrenzend an das Bahnende und über die gesamte Rollbahnbreite verlaufend.

Befeuerung

  • Stoppstreckenrandlichter: Können zur besseren Sichtbarkeit bei schlechten Lichtverhältnissen installiert werden.
  • Unterscheidung zu Rollbahnrandleuchten: Verhindert Verwechslungen durch Piloten in kritischen Phasen.

Leistungsberechnungen unter Einbeziehung der Stoppstrecken

ASDA (Beschleunigungs-Stopp-Strecke)

Die ASDA ist die Summe aus TORA und der Stoppstrecke. Sie gibt die maximale Strecke an, auf der ein Flugzeug bis zur Entscheidungsgeschwindigkeit (V1) beschleunigen und bei einem Startabbruch mithilfe von Rollbahn und Stoppstrecke vollständig zum Stillstand kommen kann.

Beispiel:
Wenn eine Rollbahn 2.500 Meter lang ist und eine 300 Meter lange Stoppstrecke aufweist, dann gilt:

  • ASDA = 2.800 Meter
  • TORA = 2.500 Meter
  • LDA = 2.500 Meter (Stoppstrecke nicht enthalten)

Keine Auswirkung auf TORA, TODA oder LDA

Die Stoppstrecke erhöht nicht die für normalen Start, Landung oder Freistreckenberechnung verfügbaren Distanzen.

Bau- und Wartungsstandards

  • Oberflächenfestigkeit: Muss das schwerste Flugzeug auf der dazugehörigen Rollbahn aufnehmen können.
  • Breite: Mindestens so breit wie die Rollbahn für einen nahtlosen Übergang.
  • Reibung und Ebenheit: Keine so hohen Anforderungen wie bei der Rollbahn, darf aber keine Gefahren (z. B. FOD) bergen.
  • Entwässerung: Wichtig, um stehendes Wasser und Aquaplaning zu verhindern.
  • Regelmäßige Kontrollen: Zur Sicherstellung der laufenden Einhaltung und Einsatzbereitschaft.

Verwandte Sicherheitsbereiche

Runway Safety Area (RSA)

Ein planiertes Areal um die Rollbahn, das das Schadensrisiko bei Unterfliegen, Überrollen oder Verlassen der Bahn verringert.

Runway End Safety Area (RESA)

Ein definierter Bereich hinter dem Rollbahnende, in der Regel mindestens 90 Meter lang gemäß ICAO, der Flugzeugschäden bei Überrollen oder Unterfliegen minimieren soll.

Engineered Material Arresting System (EMAS)

Eine Alternative zu langen RESAs oder Stoppstrecken, bestehend aus zerdrückbarem Beton oder zellulärem Material, um überrollende Flugzeuge in beengten Umgebungen sicher zu stoppen.

Verschobene Schwellen

Eine verschobene Schwelle ist ein auf der Rollbahn eingerichteter Punkt, der vom physischen Bahnende zurückversetzt ist und der Hindernisfreiheit oder dem Oberflächenschutz dient. Der Bereich vor einer verschobenen Schwelle darf für Start oder Ausrollen, aber nicht für das Aufsetzen bei der Landung genutzt werden.

Informationsquellen und Standards

  • ICAO Annex 14, Volume I: Internationale Standards für Rollbahn- und Stoppstreckendesign, Markierungen und Sicherheitsbereiche.
  • FAA Advisory Circulars (z. B. AC 150/5300-13, AC 150/5340-1): US-Standards für Rollbahn- und Stoppstreckendesign, Markierungen und Befeuerung.
  • Aeronautical Information Publications (AIP): Offizielle Flughafendaten zu deklarierten Distanzen, einschließlich Stoppstrecken.

Best Practices für Flughafenbetreiber

  • Korrekte Veröffentlichung der deklarierten Distanzen: Stoppstrecken nur in der ASDA berücksichtigen.
  • Regelmäßige Inspektion und Wartung: Oberflächenfestigkeit, Markierungen und Entwässerung sicherstellen.
  • Schulung des Personals: Piloten, Wartungspersonal und Bodenmitarbeiter über Funktion und Markierung der Stoppstrecke informieren.
  • Wachstum einplanen: Stoppstrecken so auslegen, dass zukünftige Steigerungen bei Flugzeuggröße und -gewicht berücksichtigt werden.

Fazit

Stoppstrecken sind ein wesentlicher Bestandteil der Rollbahnsicherheit und der Leistungsverplanung. Sie bieten eine tragfähige Fläche für Notbremsungen und erhöhen so die betriebliche Flexibilität und das Sicherheitsniveau bei kritischen Startszenarien. Die richtige Auslegung, Markierung und Wartung von Stoppstrecken sowie die klare Unterscheidung zu Freistrecke, Blast Pad und EMAS sind unerlässlich für einen sicheren Flughafenbetrieb und die Einhaltung von Vorschriften.

Für Flughäfen, die ihre Sicherheitsreserven und betriebliche Flexibilität erhöhen möchten, bleibt die Investition in gut ausgelegte Stoppstrecken und verwandte Infrastruktur eine bewährte Praxis in der internationalen Luftfahrt.

Weiterführende Literatur

Für weitere Beratung oder eine Konsultation zur Flughafensicherheitsinfrastruktur kontaktieren Sie unser Team oder vereinbaren Sie eine Demonstration .

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Stoppstrecke an einem Flughafen?

Eine Stoppstrecke ist ein definierter, rechteckiger Bereich am Ende einer Rollbahn, der so gebaut ist, dass er das Gewicht eines Flugzeugs im Falle eines abgebrochenen Starts tragen kann. Sie ist nicht für den regulären Flugzeugbetrieb gedacht, bietet aber zusätzliche Sicherheitsreserven für Notsituationen beim Abbremsen.

Worin unterscheidet sich eine Stoppstrecke von einer Freistrecke oder einem Blast Pad?

Eine Stoppstrecke ist speziell dafür gebaut, ein Flugzeug bei einem abgebrochenen Start aufzunehmen und wird nur in der Beschleunigungs-Stopp-Strecke (ASDA) berücksichtigt. Eine Freistrecke ist ein hindernisfreier Bereich für den Anfangssteigflug, nicht für Bodenrollen oder Bremsen. Ein Blast Pad ist so gebaut, dass es der Erosion durch Triebwerksstrahlen widersteht, kann aber das Gewicht eines überrollenden Flugzeugs nicht aufnehmen.

Wie sind Stoppstrecken markiert?

Stoppstrecken sind in der Regel mit gelben Zickzacklinien oder Diagonalstreifen gekennzeichnet, die deutlich anzeigen, dass der Bereich nicht für normale Start-, Lande- oder Rollvorgänge geeignet ist. Diese Markierungen sind durch ICAO- und FAA-Standards geregelt.

Werden Stoppstrecken in allen Rollbahnberechnungen berücksichtigt?

Stoppstrecken werden nur in der Beschleunigungs-Stopp-Strecke (ASDA) für Startleistungsberechnungen berücksichtigt. Sie sind nicht Teil der Takeoff Run Available (TORA), Takeoff Distance Available (TODA) oder Landing Distance Available (LDA).

Welche Bauanforderungen gelten für eine Stoppstrecke?

Eine Stoppstrecke muss so breit wie die Rollbahn sein und das schwerste Flugzeug tragen können, das die Bahn nutzt, muss aber nicht die gleiche Oberflächengüte oder Reibung wie die Bahn selbst aufweisen. Sie muss zudem ausreichend entwässert sein und frei von Hindernissen bleiben.

Erhöhen Sie die Flughafensicherheit mit moderner Rollbahninfrastruktur

Erfahren Sie, wie die Implementierung und Wartung von Stoppstrecken und anderen Sicherheitsmerkmalen auf der Rollbahn Risiken reduzieren, die betriebliche Flexibilität erhöhen und die Einhaltung internationaler Luftfahrtnormen verbessern können.

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