Überrollfläche – befestigter Bereich hinter dem Landebahnende

Airport Operations Aviation Safety Runway Infrastructure

Überrollfläche – befestigter Bereich hinter dem Landebahnende in der Flughafeninfrastruktur

Definition und Luftfahrt-Kontext

Eine Überrollfläche in der Luftfahrt bezeichnet den befestigten oder speziell angelegten Bereich, der sich über das definierte Ende einer Landebahn hinaus erstreckt. Ihr Hauptzweck ist es, als Sicherheitsreserve für Flugzeuge zu dienen, die während der Landung oder eines abgebrochenen Starts nicht innerhalb der verfügbaren Landebahnlänge zum Stehen kommen. Überrollflächen helfen, die Folgen von Landebahn-Ausflügen – also Ereignissen, bei denen ein Flugzeug die Landebahn verlässt – zu mindern. Je nach regulatorischem Kontext werden Überrollflächen auch als Runway Safety Area (RSA), Runway End Safety Area (RESA) oder mit einem Engineered Material Arresting System (EMAS) ausgestattet bezeichnet.

Überrollflächen sind ein grundlegender Bestandteil der Flughafenplanung. Sie werden sowohl von nationalen (FAA, Transport Canada etc.) als auch internationalen (ICAO) Luftfahrtbehörden gefordert, da Landebahn-Ausflüge in der Unfallstatistik häufig und gravierend sind. Ihr Design berücksichtigt Faktoren wie Flughafengröße, Flugzeugtyp, betriebliche Gefahren, geografische und städtische Einschränkungen – mit dem übergeordneten Ziel, Risiken für Leben, Flugzeuge und Infrastruktur zu reduzieren.

Runway Safety Area (RSA): Gestaltung und Funktion

Eine Runway Safety Area (RSA) ist eine speziell vorbereitete Fläche, die die Landebahn umgibt. RSAs sind so konzipiert, dass sie das Risiko von Schäden an Flugzeugen bei Unterschreitung, Überschreitung oder Ausrutschen minimieren.

Hauptmerkmale

  • Abmessungen: Bis zu 500 Fuß Breite und 1.000 Fuß hinter jedem Landebahnende für Großjet-Betrieb (kann je nach Flughafen variieren).
  • Oberfläche: Angelegte Grasnarbe, Kies oder Asphalt, hindernisfrei und tragfähig für Flugzeuge und Einsatzfahrzeuge.
  • Vorschrift: Von der FAA für alle kommerziellen US-Flughäfen vorgeschrieben (FAA AC 150/5300-13).

Zweck

Die RSA bietet eine passive Sicherheitsreserve für Flugzeuge, die die Landebahn überrollen oder verlassen, und ermöglicht kontrolliertes Abbremsen sowie schnellen Zugang für Notdienste. Wo eine vollständige RSA nicht realisierbar ist, können Alternativen wie EMAS eingesetzt werden.

Runway End Safety Area (RESA): Internationale Standards

Eine Runway End Safety Area (RESA) ist ein angelegter Bereich hinter dem Landebahnstreifen, der von ICAO Annex 14, Volume I, für Landebahnen, die größere Flugzeuge bedienen, gefordert wird.

ICAO-Standards

  • Mindestlänge: 90 Meter (295 Fuß)
  • Empfohlene Länge: 240 Meter (787 Fuß), wenn möglich
  • Oberfläche: Verdichteter Boden, Kies oder anderes geeignetes, tragfähiges Material
  • Funktion: Nimmt Bewegungsenergie des Flugzeugs bei Überschreitung oder Unterschreitung auf oder bremst es ab

Die internationale Umsetzung variiert je nach Geografie und Ressourcen, aber RESA gilt weltweit als Best-Practice für die Landebahnsicherheit.

Engineered Material Arresting System (EMAS): Technologie und Anwendung

Das Engineered Material Arresting System (EMAS) ist eine technische Lösung für Flughäfen, bei denen Platzmangel eine vollständige RSA- oder RESA-Installation verhindert.

Funktionsweise von EMAS

  • Material: Zerdrückbare, leichte zellulare Betonblöcke
  • Leistung: Gibt unter dem Gewicht eines Flugzeugs planbar nach und stoppt überrollende Maschinen sicher
  • Typische Länge: 180–300 Fuß, individuell auf jeden Flughafen ausgelegt
  • Effektivität: Stoppt Flugzeuge bei Geschwindigkeiten bis zu 70 Knoten; in über 21 realen Fällen nachgewiesen

Einsatzorte

EMAS wird an großen internationalen und regionalen Flughäfen installiert (z. B. JFK, Chicago O’Hare, Philadelphia International, Teterboro) und ist von der FAA als alternative Sicherheitsmaßnahme bei Platzbeschränkungen anerkannt.

Regulatorischer Rahmen

  • FAA (USA): Advisory Circular 150/5300-13 legt Standards für RSA und EMAS fest.
  • ICAO: Annex 14, Volume I definiert RESA-Anforderungen.
  • Transport Canada/TSB: Verfolgt risikobasierte Ansätze mit zunehmender Anpassung an die ICAO nach bedeutenden Vorfällen.

Die Umsetzung kann je nach lokalen Gegebenheiten variieren, das Ziel ist jedoch eine einheitliche Sicherheit für alle Operationen.

Technische Spezifikationen

ÜberrollflächentypStandardabmessungOberflächenmaterialTragfähigkeitsanforderungRegulierungsbehörde
RSABis zu 500 ft breit, 1.000 ft hinterAngelegte Grasnarbe, Kies, AsphaltMuss Flugzeuge/Einsatzfahrzeuge tragenFAA
RESAMin. 90 m, empf. 240 mVerdichteter Boden, Kies, technisches FüllmaterialMuss Flugzeuge/Rettungsfahrzeuge tragenICAO
EMAS180–300 ft (individuell)Zerdrückbarer zellularer BetonGibt unter Flugzeuggewicht nachFAA

Eine fachgerechte Anlage, Entwässerung und Wartung ist für alle Überrollflächentypen essenziell.

Betriebliches Motiv: Warum Überrollflächen wichtig sind

Landebahn-Ausflüge gehören zu den häufigsten und gefährlichsten Ereignissen in der Luftfahrt. Überrollflächen:

  • Bieten zusätzlichen Anhalteweg in Notsituationen
  • Reduzieren den Verlust von Menschenleben und Flugzeugschäden
  • Ermöglichen sicheren Zugang für Einsatzfahrzeuge
  • Sind besonders an Flughäfen mit begrenztem Raum wegen städtischer oder geografischer Einschränkungen entscheidend

Fallbeispiele: Wirksamkeit von Überrollflächen

  • Teterboro Airport (2010): Gulfstream G-IV wurde nach Überrollen der Landebahn durch EMAS sicher gestoppt.
  • Reading Regional (2021): Cessna Citation Excel wurde durch EMAS gestoppt, Verletzungen wurden verhindert.
  • Witham Field (2021): Vintage L-39 Jet durch EMAS sicher gestoppt.
  • Philadelphia International (2025): EMAS-Installation brachte die RSA in Einklang mit FAA-Vorgaben und erhöhte die Sicherheit, wo eine physische Erweiterung nicht möglich war.

Diese Beispiele zeigen, wie Überrollflächen und EMAS in der Realität Leben retten und Schäden verringern.

Ingenieurtechnische Herausforderungen und Innovationen

  • Räumliche Einschränkungen: Stadtentwicklung, Gewässer oder Gelände können eine Verlängerung der Landebahn verhindern.
  • Kosten: Hohe Investitionen für Bau und Instandhaltung, insbesondere bei EMAS.
  • Regulatorische Unterschiede: Die Harmonisierung schreitet voran, mit zunehmender Anpassung an ICAO-Standards weltweit.
  • Innovation: Forschung an neuen Bremssystemen und Sicherheitskennzahlen läuft kontinuierlich.

Überrollflächentypen: Übersichtstabelle

ÜberrolltypBeschreibungStandardmaße/MaterialienRegelwerkBeispielhafte Umsetzung
RSAAngelegter, hindernisfreier BereichBis zu 500 ft breit, 1.000 ft hinterFAA AC 150/5300-13Die meisten US-Flughäfen
RESAAngelegter SicherheitsbereichMin. 90 m, empf. 240 m; Kies/BodenICAO Annex 14Große internationale Flughäfen
EMASTechnisch entwickeltes Bremssystem180–300 ft; zerdrückbarer BetonFAAJFK, PHL, Teterboro

Glossar wichtiger Begriffe

  • Überrollung: Flugzeug rollt über das Landebahnende hinaus, meist bei Landung oder abgebrochenem Start.
  • RSA: Runway Safety Area; angelegter, hindernisfreier Puffer rund um die Landebahn.
  • RESA: Runway End Safety Area; von der ICAO vorgeschriebener angelegter Bereich hinter dem Landebahnende.
  • EMAS: Engineered Material Arresting System; zerdrückbares Materialbett zum Stoppen von überrollenden Flugzeugen.
  • Landebahn-Ausflug: Jedes Ereignis, bei dem ein Flugzeug die Landebahn verlässt (Überrollung oder Abkommen).

Vertiefte technische Referenz

ICAO Annex 14, Volume I

Legt RESA-Mindestmaße (90 m, empfohlen 240 m), hindernisfreie Anlage und Oberflächenanforderungen für internationale Konformität fest.

FAA Advisory Circular 150/5300-13

Definiert Abmessungen, Bau und Wartung von RSA und EMAS für US-Flughäfen, einschließlich der Akzeptanz von EMAS als Alternative.

Transport Canada & TSB

Zunehmende Angleichung an ICAO, mit risikobasierten Empfehlungen und Fokus auf kanadische betriebliche Herausforderungen.

Bildergalerie: Überrollflächen-Installationen

Weiterführende Literatur

Überrollflächen – ob RSA, RESA oder EMAS – sind kritische Infrastruktur, retten Leben, verringern Risiken und sichern die Einhaltung globaler Sicherheitsstandards an Flughäfen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Landebahn-Überrollung?

Eine Landebahn-Überrollung tritt auf, wenn ein Flugzeug während der Landung oder eines abgebrochenen Starts nicht innerhalb der vorgesehenen Landebahnlänge zum Stehen kommt und über das Landebahnende hinausrollt. Überrollflächen sind darauf ausgelegt, die Folgen solcher Ereignisse zu minimieren, indem sie einen Sicherheitsbereich bieten.

Was ist der Unterschied zwischen RSA, RESA und EMAS?

RSA (Runway Safety Area) ist ein angelegter Sicherheitsbereich rund um die Landebahn, der in den USA von der FAA vorgeschrieben wird. RESA (Runway End Safety Area) ist ein international anerkannter angelegter Bereich hinter dem Landebahnende gemäß ICAO. EMAS (Engineered Material Arresting System) ist ein Bett aus zerdrückbarem Material, das Flugzeuge im Überrollfall stoppt und dort eingesetzt wird, wo der Platz für eine vollständige RSA- oder RESA-Umsetzung nicht ausreicht.

Warum sind Überrollflächen im Flughafendesign wichtig?

Überrollflächen sind entscheidend, um die Risiken von Landebahn-Ausflügen zu mindern – eine der häufigsten Unfallursachen in der Luftfahrt. Sie bieten zusätzlichen Anhalteweg, schützen Menschenleben, reduzieren Flugzeugschäden und erhöhen die Flughafensicherheit, insbesondere dort, wo Gelände oder städtische Umgebung eine Verlängerung der Landebahn begrenzen.

Wie werden Überrollflächen international geregelt?

International werden Überrollflächen durch Standards der ICAO (Annex 14 für RESA) und national durch Behörden wie die FAA in den USA oder Transport Canada geregelt. Diese Vorschriften legen Mindestmaße, Wartungs- und Leistungsstandards für Sicherheitsbereiche fest.

Wo wird EMAS installiert und wie effektiv ist es?

EMAS wird an Flughäfen installiert, bei denen aufgrund beengter Platzverhältnisse keine vollständigen RSA- oder RESA-Abmessungen möglich sind. Es verwendet zerdrückbares Material, das Flugzeuge sicher stoppt, und hat sich in über 21 realen Vorfällen als wirksam erwiesen, wobei Leben gerettet und Schäden verringert wurden.

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