Was ist ein visueller Gleitpfad-Anzeiger (VGSI)?
VGSI – Visueller Gleitpfad-Anzeiger (Flughafenbefeuerung)
Definition
Ein visueller Gleitpfad-Anzeiger (VGSI) ist ein bodengestütztes Flughafenbefeuerungssystem, das Piloten während des Endanflugs und der Landung eine sofortige, visuelle Sinkflughilfe bietet. Durch die Projektion farbcodierter Lichter, die aus großer Entfernung sichtbar sind, ermöglichen VGSIs Piloten, ihre vertikale Position im Verhältnis zum optimalen Gleitpfad einer bestimmten Landebahn schnell zu beurteilen. Diese Systeme sind entscheidend für die Hindernisfreiheit und sorgen dafür, dass Flugzeuge die Landebahnschwelle im richtigen Winkel erreichen.
VGSIs bieten keine seitliche (links-rechts) Führung, sondern dienen ausschließlich als vertikale Navigationshilfe. Sie sind an einer Vielzahl von Flughäfen zu finden – von kleinen Verkehrslandeplätzen bis hin zu großen internationalen Drehkreuzen – und ergänzen häufig elektronische Hilfsmittel wie das Instrumentenlandesystem (ILS). VGSI-Systeme sind international durch Organisationen wie die ICAO (Anhang 14) und nationale Behörden (z. B. FAA) standardisiert.
Das System arbeitet, indem es Strahlen mit abrupten Farbwechseln (typischerweise Rot und Weiß) projiziert, sodass Piloten je nach ihrer vertikalen Position unterschiedliche Farbmuster sehen. Diese visuellen Hinweise erlauben sofortige Korrekturen, erhöhen die Landebahnsicherheit und verringern das Risiko von kontrolliertem Flug in den Boden oder Landebahnüberläufen.
Zweck und Bedeutung
Sicherheit
Der Hauptzweck eines VGSI ist es, Piloten ein klares, visuelles Signal über ihre Position im Verhältnis zum vorgeschriebenen Gleitwinkel während des Anflugs zu geben. Durch eindeutige Farbmuster unterstützen VGSIs stabilisierte Anflüge – der Schlüssel zu sicheren Landungen und zur Minimierung von Anflug- und Landeunfällen, die statistisch die gefährlichste Flugphase darstellen.
Sicherheitssteigerung steht im Mittelpunkt: VGSIs liefern standardisierte Gleitpfad-Hinweise und ermöglichen dadurch konsistente Anflüge auf jedem Flughafen und bei jeder Wetter- und Lichtbedingung. Sie sind besonders wichtig, wenn die Sicht auf Gelände oder Landebahn eingeschränkt ist – durch Dunst, Niederschlag oder Nachtbetrieb. Korrekte VGSI-Führung stellt sicher, dass Piloten den Mindestabstand zu Hindernissen einhalten und in der richtigen Landebahnzone aufsetzen.
Vorschriften
Luftfahrtbehörden (FAA, EASA, ICAO) legen Installations- und Betriebsstandards für VGSIs fest. So verlangt die FAA VGSIs auf Bahnen für Turbojets oder bei Bedarf für Anflugführung. Die ICAO schreibt VGSIs auf allen Präzisionsanflugbahnen vor, sofern nicht gleichwertige Sicherheit anders gewährleistet ist. Vorschriften verlangen von Piloten, den VGSI-Gleitpfad einzuhalten, sofern keine andere Höhe zur Sicherheit erforderlich ist.
Ausbildung
VGSIs sind in der Pilotenausbildung unverzichtbar und stärken die visuelle Beurteilung und Kontrolle des Anflugpfads. Für Flugschüler und Umsteiger auf neue Flugzeuge oder Flughäfen bieten VGSIs einen objektiven Standard für sichere Anflüge.
Zusammengefasst:
VGSIs sind nicht nur visuelle Hilfsmittel, sondern zentrale Sicherheitssysteme, die weltweit die Betriebssicherheit von Landebahnanflügen unterstützen.
Haupttypen von VGSI-Systemen
1. Visual Approach Slope Indicator (VASI)
VASI ist eines der ältesten und am weitesten verbreiteten VGSI-Systeme. Es verwendet Lichtbalkenpaare (nah und fern), die rechtwinklig zur Landebahnmittellinie angeordnet sind. Jeder Balken hat mehrere Lichter, die scharf getrennte rote (unten) und weiße (oben) Strahlen aussenden. Die vom Piloten gesehene Farbe hängt von seiner vertikalen Position ab.
Aufbau und Anordnung
- Zwei-Balken-VASI: Nahe und ferne Balken, bietet dreistufige Anzeige (über, auf oder unter Gleitpfad)
- Drei-Balken-VASI: Zusätzlicher Mittelbalken für große Flugzeuge, dadurch zwei getrennte Gleitpfade (oberer für große, unterer für kleine Flugzeuge)
- Tri-Color-VASI: (seltener) Zeigt Rot, Grün oder Bernstein, kompakte Anzeige für kleine Flugplätze
Die Anordnung der Balken ist so konstruiert, dass der Farbwechsel genau im gewünschten Gleitwinkel erfolgt, unter Berücksichtigung der Landebahnhöhe und von Hindernissen.
Funktionsprinzip
- Über Gleitpfad: Beide Balken erscheinen weiß.
- Auf Gleitpfad: Naher Balken weiß, ferner Balken rot.
- Unter Gleitpfad: Beide Balken erscheinen rot.
Drei-Balken-VASI:
- Große Flugzeuge nutzen Mittel-/Fernebalken, kleine Flugzeuge Nah-/Mittelbalken wegen der Cockpithöhe.
Anzeigen und Merksätze
| Naher Balken / Ferner Balken | Anzeige | Merksatz („Rot über Weiß, alles im Bereich“) |
|---|---|---|
| Weiß / Weiß | Zu hoch | „Weiß über Weiß, flieg’ die ganze Nacht.“ (zu hoch) |
| Weiß / Rot | Auf Gleitpfad | „Rot über Weiß, alles im Bereich.“ |
| Rot / Rot | Zu niedrig | „Rot über Rot, Gefahr im Lot.“ (sofort steigen) |
Reichweite
- Tag: ≥3 Meilen sichtbar (ICAO: 5 km/2,7 NM)
- Nacht: Bis zu 20 Meilen
- Sektor: ±10° zur Landebahnmittellinie, 4 NM ab Schwelle
- Gleitwinkel: Meist 3,0°, bis zu 4,5° bei Hindernissen
Beispiel
Ein Regionalflughafen mit VASI ermöglicht sowohl Schulungs- als auch Linienflugzeugen einen sicheren Anflug, wobei jeder die passenden Balken je nach Cockpithöhe nutzt.
Sicherheitshinweise
- Anzeigen nur im Landebahnmittellinien-Sektor gültig.
- „Rot über Rot“ erfordert sofortigen Steigflug.
- VASI berücksichtigt keine versetzten Schwellen, sofern nicht kalibriert.
Referenzdiagramme


2. Precision Approach Path Indicator (PAPI)
PAPI ist der aktuelle ICAO- und FAA-Standard und bietet eine feinere Auflösung als VASI. Es besteht aus vier (manchmal zwei) Lichteinheiten in einer Reihe, typischerweise auf der linken Seite der Landebahn. Jede Leuchte ist so eingestellt, dass sie bei einem bestimmten Winkel Rot oder Weiß zeigt.
Aufbau und Anordnung
- Standard: Vier Lichter, 250–400 ft von der Schwelle, 50–200 ft vom Rand entfernt
- Abgekürzt: Zwei Lichter (für kleine Flugplätze)
Funktionsprinzip
- 4 Weiß: Deutlich zu hoch
- 3 Weiß/1 Rot: Etwas zu hoch
- 2 Weiß/2 Rot: Auf Gleitpfad
- 1 Weiß/3 Rot: Etwas zu niedrig
- 4 Rot: Deutlich zu niedrig
Dadurch sind kleinere, präzisere Korrekturen als bei VASI möglich.
Anzeigen und Merksätze
| Anzeige | Gleitpfadstatus | Bedeutung |
|---|---|---|
| 4 Weiß | Zu hoch | Sinken, um Gleitpfad zu erreichen |
| 3 Weiß, 1 Rot | Etwas zu hoch | Etwas sinken |
| 2 Weiß, 2 Rot | Auf Gleitpfad | Anflug fortsetzen |
| 1 Weiß, 3 Rot | Etwas zu niedrig | Etwas steigen |
| 4 Rot | Zu niedrig | Sofort steigen |
Merksätze:
„Rot über Weiß, alles im Bereich.“
„Vier Rot, Gefahr droht.“
„Weiß rechts, hoch wie ein Drachen.“
Reichweite
- Tag: ≥5 Meilen
- Nacht: Bis zu 20 Meilen
- Sektor: ±10° zur Mittellinie, 3,4 NM ab PAPI
- Gleitwinkel: 3,0° Standard (bei Hindernissen steiler möglich)
Beispiel
Eine Boeing 777 im Anflug auf Heathrow nutzt das PAPI-Signal „zwei Rot, zwei Weiß“ zur Bestätigung des sicheren Gleitpfads.
Sicherheitshinweise
- PAPI ist präziser als VASI und ideal für Großflugzeuge.
- Vier Rot oder vier Weiß erfordern sofortige Korrektur.
- Anzeigen nur im Mittelliniensensor gültig – immer Anflugkarten prüfen.
Referenzdiagramm

3. Pulsating Light Approach Slope Indicator (PLASI)
PLASI ist ein kompaktes, einteiliges VGSI, das an kleinen Flughäfen mit begrenztem Platz oder Budget beliebt ist. Es sendet stetige oder pulsierende Rot-/Weiß-Lichter aus. Pulsrate und Farbe zeigen dem Piloten die Position zum Gleitpfad.
Aufbau und Anordnung
- Einzelnes Lichtmodul: Nahe der Aufsetzzone, mittig oder seitlich zur Landebahn
Funktionsprinzip
- Stetiges Weiß: Auf Gleitpfad
- Pulsierendes Weiß: Über Gleitpfad (Pulsrate steigt mit Höhe)
- Stetiges Rot: Etwas unter Gleitpfad
- Pulsierendes Rot: Deutlich unter Gleitpfad (Pulsrate steigt mit Abweichung)
Anzeigen und Merksätze
| PLASI-Signal | Gleitpfadstatus | Handlung |
|---|---|---|
| Stetiges Weiß | Auf Pfad | Anflug fortsetzen |
| Pulsierendes Weiß | Über Pfad | Sinken |
| Stetiges Rot | Etwas zu niedrig | Etwas steigen |
| Pulsierendes Rot | Deutlich zu niedrig | Sofort steigen |
Merksatz:
„Stetiges Weiß: alles bereit. Stetiges Rot: etwas zu niedrig. Pulsierendes Rot: deutlich zu niedrig, steigen!“
Reichweite
- Tag: 5 Meilen
- Nacht: 20 Meilen
- Ideal für: Kleine/GA-Flugplätze oder Standorte mit eingeschränkter Infrastruktur
Beispiel
Eine Piper Archer an einem ländlichen Platz sieht stetiges Rot, steigt leicht und kehrt zurück zum Gleitpfad.
Sicherheitshinweise
- Der stetige Weißsektor ist schmal, verlangt präzisen Anflug.
- Pulsierendes Rot bedeutet gefährlich niedrig – sofort steigen.
Referenz
PLASI-System am Cameron Park Airport
Vorschriften und Standards
ICAO Anhang 14
- Legt weltweit Vorgaben für VGSI-Installation, Farbcodierung, Strahlwinkel und Hindernisfreiheit fest.
- Mindesthindernisfreiheit: 3 Meter (10 ft) an der Schwelle, 4 Meter (13 ft) sonst.
FAA AC 150/5345-28G
- Enthält US-Standards für VGSI-Auslegung, Lichtstärke und Wartung.
- Gibt Einsatzpflicht auf kommerziellen und Turbojet-Landebahnen vor.
EASA/Andere Regionen
- Übernehmen ICAO-Standards, mit lokalen Anpassungen für Gelände, Klima oder Flugplatzlayout.
Pilotenverfahren
- Immer die Flugplatzkarten auf VGSI-Typ und Gleitwinkel prüfen.
- VGSI-Anzeigen sind nur im Anflugsektor (±10° zur Mittellinie) gültig.
- Bei Instrumentenbedingungen, wenn verfügbar, dem elektronischen Gleitpfad (z. B. ILS) folgen.
- Falls VGSI- und elektronische Anzeigen widersprechen, in IMC Instrumentenanzeige Vorrang geben.
Vergleich: VASI vs. PAPI vs. PLASI
| System | Aufbau | Anzeigen | Reichweite | Verwendungszweck |
|---|---|---|---|---|
| VASI | 2–3 Balken, Rot-/Weiß-Licht | Weiß-/Rot-Kombinationen | 3–5 mi Tag, 20 mi Nacht | Kleine bis mittlere Flughäfen |
| PAPI | 4 ausgerichtete Lampen | 4/3/2/1/0 Rot-/Weiß-Mix | 5 mi Tag, 20 mi Nacht | Kommerziell, hoher Verkehr |
| PLASI | Ein Modul, pulsierendes Licht | Stetig/Pulsierend Rot/Weiß | 5 mi Tag, 20 mi Nacht | Klein, budget-/platzbeschränkt |
Merkhilfen
- „Rot über Weiß, alles im Bereich.“
- „Vier Rot, Gefahr droht.“
- „Pulsierend heißt: Korrigieren!“
Weiterführende Literatur
VGSIs sind ein wesentlicher Bestandteil moderner Flughafeninfrastruktur und unterstützen direkt sichere, stabilisierte Anflüge sowie die Verringerung des Unfallrisikos. Ihre standardisierte, sofort erkennbare visuelle Führung ist für Piloten weltweit – unabhängig von Erfahrung oder Flugzeugtyp – unentbehrlich.
Häufig gestellte Fragen
- Was ist der Hauptzweck eines VGSI auf Flughäfen?
- Ein VGSI bietet Piloten während des Endanflugs eine visuelle Sinkflughilfe, damit sie den richtigen Gleitwinkel zur Landebahn einhalten, Hindernissen ausweichen und sicherere, stabilere Landungen erreichen.
- Welche Haupttypen von VGSI-Systemen gibt es?
- Die wichtigsten VGSI-Typen sind VASI (Visual Approach Slope Indicator), PAPI (Precision Approach Path Indicator) und PLASI (Pulsating Light Approach Slope Indicator). Alle verwenden farbcodierte Lichter, um anzuzeigen, ob ein Flugzeug über, auf oder unter dem idealen Gleitpfad ist.
- Wie interpretieren Piloten die Lichtsignale von VASI oder PAPI?
- Sowohl VASI als auch PAPI zeigen Kombinationen aus roten und weißen Lichtern. 'Rot über Weiß' oder 'zwei Rot, zwei Weiß' bedeutet, dass man auf dem richtigen Pfad ist. Mehr Weiß bedeutet zu hoch, mehr Rot bedeutet zu niedrig. Piloten passen ihren Anflug entsprechend diesen Signalen an.
- Sind VGSIs an allen Flughäfen vorgeschrieben?
- Nicht an allen Flughäfen sind VGSIs vorgeschrieben, aber ICAO- und FAA-Vorschriften verlangen sie an vielen Präzisionsanflugbahnen, insbesondere bei solchen für kommerzielle oder Turbojet-Flugzeuge. Einige kleinere oder private Plätze haben möglicherweise keine VGSI-Systeme.
- Worin unterscheidet sich ein VGSI von einem Instrumentenlandesystem (ILS)?
- Ein VGSI bietet ausschließlich visuelle vertikale Anflughilfe mittels Lichtern, während ein ILS ein elektronisches System ist, das sowohl seitliche als auch vertikale Führung für Instrumentenanflüge bei schlechter Sicht bietet.

